Springers „Welt“-Maschine in Berlin

Die Konsolidierung bei der Axel Springer AG ist in vollem Gange. Jüngster Streich: Der Verkauf der Jugendzeitschriften und "Jolie" sowie die Verlegung der Musiktitel zur "Welt"-Gruppe nach Berlin. Der "Welt"-Gruppe werden immer neue Unternehmensteile einverleibt. Zuletzt wurde der Gruppe im Herbst vergangenen Jahres das „Hamburger Abendblatt“ zugeschlagen. Jetzt kommen "Musikexpress", "Rolling Stone" und "Metal Hammer" dazu. Die Synergien sind noch lange nicht ausgeschöpft.

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Dem Vernehmen nach würden „Welt“, „Welt kompakt“ und „Berliner Morgenpost“ alleine in diesem Jahr wohl kaum noch schwarze Zahlen schreiben können. Das „Medium Magazin“ macht in seiner aktuellen Ausgabe die Rechnung auf, dass Springer-intern für die gesamte „Welt“-Gruppe in 2009 ein Gewinn von rund 25 Mio. Euro kalkuliert wird. Aber auch nur, weil das nach wie vor profitable „Abendblatt“ 29 Mio. Euro Gewinn beisteuern würde. Die „alte“ „Welt“-Gruppe läge nach dieser Rechnung wieder mit vier Mio. Euro im Minus.

Rein theoretisch gäbe es noch massenweise Synergie-Möglichkeiten. Es spräche gerade nach Springer-Logik kaum etwas dagegen, dass zum Beispiel die große „Welt“-Redaktion in Berlin die überregionale Redaktion für das „Hamburger Abendblatt“ mit erledigt. Ganz so einfach geht es dann aber doch nicht. Bereits Gerüchte, das „Abendblatt“ würde teilweise mit der Hamburger „Welt“-Redaktion zusammengelegt, sorgte für Zerknirschung in der Redaktion. Chefredakteur Claus Strunz versicherte eilig: „Es wird keine Fusion der Redaktionen geben, wir nutzen aber Synergiepotenziale“. Das „Abendblatt“ selbst ist zwar profitabel, innerhalb der „Welt“-Gruppe sieht die Rechnung aber anders aus. Auch wer profitabel ist, muss heutzutage sparen.

Springer-Chef Mathias Döpfner hat sich und die „Welt“ groß gefeiert, als die stets defizitäre Sparte 2007 erstmals Gewinne erwirtschaftete. Döpfner wertete dies offenbar als persönlichen Triumph und als Beleg dafür, dass die Strategie der Gemeinschaftsredaktion die richtige war. Mittlerweile ist der Springer-Konzern wohl die effizienteste Medienmaschine in Deutschland. Das Unternehmen ist in zwei große Säulen geteilt: Da ist das Reich von Zeitschriften-Vorstand Andreas Wiele mit „Bild“-Gruppe und den Frauen- und TV-Zeitschriften. Und dann die „Welt“-Gruppe, die im Vorstand nach wie vor von Döpfner persönlich betreut wird. Frühere Pläne, einen eigenen Zeitungsvorstand zu benennen, dürften mittlerweile vom Tisch sein.

Wiele sagte beim Verkauf der Jugendtitel „Mädchen“ und „Popcorn“ sowie der Frauenzeitschrift „Jolie“, dies seien „weitere Maßnahmen zur Konzentration von Axel Springer auf die Stärken im deutschsprachigen Kerngeschäft mit hochauflagigen Zeitschriften.“ Folgt man bei Springer weiter der Strategie der hochauflagigen Zeitschriften, könnte dies für die Musiktitel „Musikexpress“, „Rolling Stone“, „Metal Hammer“ und vielleicht auch irgendwann für die Wirtschaftstitel „Euro“, „Euro am Sonntag“ und „Fond & Co“ den Verkauf bedeuten. Beide Sparten, Musikzeitschriften und Wirtschaftsmagazine, passen augenscheinlich nicht mehr so recht in das zunehmend verschlankte Konzerngefüge der Axel Springer AG. Nur: Derzeit dürfte kein guter Preis für Wirtschaftsmagazine zu erzielen sein und Springer hat es schlicht nicht nötig, zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu verkaufen.

Stattdessen werden jetzt auch die Musiktitel in die Synergie-Maschine der „Welt“-Gruppe eingespannt. „Welt am Sonntag“-Vize Ulf Poschardt kümmert sich nun als Herausgeber um alle drei Titel. Die zwei Chefredakteure Bernd Gockel („Rolling Stone“) und Christian Stolberg („Musikexpress“) wollten im „Welt“-Orchester nicht mehr mitspielen. Ob man bei Springer sehr traurig über die Abgänge ist? Zu viele Solisten könnten beim großen Synergie-Konzert auch für Misstöne sorgen. Nun kann Ulf Poschardt ohne Zwischenrufe den Takt vorgeben.

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