Ferres scheitert mit Klage gegen G+J

Auch wenn das betroffene Magazin nicht mehr erscheint - dieses Urteil des Hamburger Landgerichts ist wegweisend für die unabhängigen und investigative Berichterstattung über Prominente: Wie MEEDIA erfuhr, wies die Pressekammer jetzt die Klagen von Schauspielerin Veronica Ferres und ihres ehemaligen Partners Martin Krug gegen eine "Park Avenue"-Titelstory ab. Beide hatten eine Entschädigung von insgesamt 180.000 Euro wegen "schwerwiegender Verletzung" ihrer Persönlichkeitsrechte gefordert.

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Auch wenn das betroffene Magazin nicht mehr erscheint – dieses Urteil des Hamburger Landgerichts ist wegweisend für die unabhängigen und investigative Berichterstattung über Prominente: Wie MEEDIA erfuhr, wies die Pressekammer jetzt die Klagen von Schauspielerin Veronica Ferres und ihres ehemaligen Partners Martin Krug gegen eine „Park Avenue“-Titelstory ab. Beide hatten eine Entschädigung von insgesamt 180.000 Euro wegen „schwerwiegender Verletzung“ ihrer Persönlichkeitsrechte gefordert.
Das inzwischen eingestellte G+J-Premium-Magazin „Park Avenue“ hatte in seiner Juni-Ausgabe vom 21. Mai 2008 in einer großen Reportage über den „Fall Ferres – Eine Schauspielerin zwischen Gutmenschen-Sucht und Geltungsdrang“ berichtet. Der Artikel und der Wirbel, den das Promi-Paar anschließend entfachte, hatten bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Mit der Begründung, hier sei eine „Hetzkampagne“ gegen sie gefahren worden, die sie schwer in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt hätte, beantragten Ferres und Krug Geldentschädigungen von mindestens 100.000 bzw. 80.000 Euro.
Demgegenüber argumentierte die ehemalige Redaktion von „Park Avenue“, man habe schlicht wahrheitsgemäß über die beruflichen und sonstigen öffentlichen Aktivitäten der Kläger berichtetet. „Stern“-Autor Jochen Siemens sowie Reporter Felix Hutt (inzwischen ebenfalls beim „Stern“) hatten wochenlang im Umfeld der Münchner „Bussi-Bussi“-Gesellschaft recherchiert und dabei im Zusammenhang mit Ferres und Krug auch wenig Vorteilhaftes ans Licht befördert: Finanzielle Ungereimtheiten bei der von Krug mit Veronica Ferres als Galionsfigur vermarkteten Hilfsorganisation Power-Child e.V. sowie die Umstände der Anbahnung eines gemeinsamen TV-Auftritts mit dem damals bereits todkranken Malers Jörg Immendorff. Folge der „Park Avenue“-Enthüllungen: Veronica Ferres stürzte in Meinungsumfragen imagemäßig ab und belegte im Ranking der beliebtesten deutschen statt Platz 2 nur noch Platz 26.

Das Hamburger Landgericht wies nun die Ansprüche auf Zahlung von Geldentschädigungen ab: „Im vorliegenden Fall fehlt es an einer schweren Persönlichkeitsverletzung.“ Somit „rechtfertigt die vorliegende Berichterstattung weder hinsichtlich einzelner Äußerungen noch in ihrer Gesamtschau die Zuerkennung einer Geldentschädigung.“ In der Urteilsbegründung heißt es im Hinblick auf bestimmte angegriffene Äußerungen des Artikels weiter: „Daneben enthält die Berichterstattung zulässige Meinungsäußerungen.“

„Stern“-Chefredakteur Andreas Petzold war damals zusätzlich Herausgeber von „Park Avenue“. Er sagt rückblickend: „Das Urteil ist eine Genugtuung für gut recherchierende Journalisten. Es macht deutlich, dass sachlich fundierte Kritik am öffentlichen Auftreten Prominenter nach wie vor zulässig ist und dass es ihnen nicht gelingt, die Veröffentlichung unliebsamer Fakten zu unterdrücken.“
Das Urteil des Hamburger Landgerichts, das traditionell als eher medienkritisch gilt, ist auch deswegen beachtlich, weil viele Prominente beziehungsweise „relative Personen der Zeitgeschichte“ derzeit versuchen, mit Hilfe von Anwälten systematisch Kapital aus Medienberichten zu schlagen. Oft werden dabei reine Fomalien angegriffen und über aufs Presserecht spezialisierte Anwälte eine Vielzahl von Publikationen verklagt. Selbst wenn dabei am Ende nur die Anwaltsgebühren hängenbleiben, ist dies für Star wie Rechtsvertreter ein einträgliches Geschäft.
Dass Veronica Ferres oder Martin Krug das Urteil des Langerichts anfechten, ist eher unwahrscheinlich. Das Paar ist inzwischen getrennt, Krug hat mit der ehemaligen Oliver Kahn-Gefährtin Verena Kerth angebändelt. Die Klage gegen den G+J-Titel hat für die Schauspielerin und ihren Ex-Gefährten ein teures Nachspiel: Mit der Abweisung der Klage erlegt das Gericht den beiden auch den Großteil der Prozesskosten auf: Nach dem in Justizkreisen gebräuchlichen Risikorechner ergibt sich unter dem Strich angesichts des hohen Streitwerts für beide eine Gesamtsumme von mehr als 21.000 Euro, die nun fällig werden.

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