„Feinschmecker“ attackiert „Gault Millau“

Des einen Leid könnte schon bald des andern Freud sein: Während der „Gault Millau“ noch mit Winzer-Boykotten und der Demission seines Chefredakteurs zu kämpfen hat, geht der Jahreszeiten-Verlag in die Offensive: „Wir haben uns dazu entschlossen, einen eigenen Weinführer über die besten Deutschen Winzer zu starten“, bestätigt Geschäftsführer Peter Rensmann gegenüber MEEDIA. Das geplante „Feinschmecker“-Buch tritt in direkte Konkurrenz zum angezählten „Gault Millau“.

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Der Angriff auf den Wein-Guide des Münchners Christina Verlags trägt den Titel: „Die besten Winzer in Deutschland 2010“ und soll in drei Wellen erfolgen. Der Startschuss fällt im November 2009: „Die Dezember-Ausgabe des „Feinschmeckers“ werden wir als Luxus-Bundle, zusammen mit einer Taschenbuch-Version des neuen Ratgebers, für 9,95 Euro anbieten “, sagt Rensmann. „Ab Anfang Dezember wird der Weinführer darüber hinaus auch als Hardcover-Ausgabe im Buchhandel erhältlich sein“, ergänzt Madeleine Jakits, Chefredakteurin des „Feinschmecker“. Als Drittes sollen die Buch-Inhalte – ab März – noch in einer neuen speziellen Web-Datenbank unter Feinschmecker.de eingepflegt werden.
 
„Mit dieser kombinierten Print- und Online-Innovation wollen und werden wir zeigen, dass „der Feinschmecker“ auch in einem schwierigen Marktumfeld Printerfolge feiern kann und dass zielgerichtete Investitionen in unsere hochwertigen Zeitschriften gerade jetzt sinnvoll sind“, sagt Rensmann.
 
Verantwortlich für das Projekt ist die „Feinschmecker“-Chefredakteurin. Kein Neuland für die Print-Genießerin. Denn gerade erst musste Jakits das Hochglanz-Magazin „Wein Gourmet“ einstellen. Doch die Chefin ist von dem Erfolg des neuen Projektes überzeugt: „Seit über 30 Jahren haben wir uns beim „Feinschmecker“ eine große Wein-Kompetenz erarbeitet. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass wir schon immer an den Erfolg und die Qualität unserer deutschen Winzer geglaubt haben“.
 
Probiert und bewertet werden die Weine in einem höchst aufwendigen Verfahren und unter „fast schon klösterlichen Bedingungen“, wie Jakits erzählt. Dazu werden rund 8000 Weine von knapp 1000 Weingütern zusätzlich in einer verdeckten Verkostung blind bewertet. „Auf mehr als 250 Seiten werden wir die 800 besten Weingüter präsentieren, von denen die 300 besten Weingüter in einem eigenen Text-Portrait vorgestellt werden.“
 
An diesem Punkt ist es den Hamburger Machern äußerst wichtig darauf hinzuweisen, dass für die Verkostung keine Gebühren anfallen und alle Betriebe, die in dem neuen Wein-Guide genannt werden ein Exemplar des Buches, eine Urkunde und einen entsprechenden Aufkleber kostenlos erhalten werden – ein klarer Seitenhieb in Richtung München.
 
Denn der Streit um „Gault Millau 2009“ entzündete sich genau an diesen Punkten. Die Kritiker werfen dem Christian Verlag vor, für die Wein-Bewertungen künftig Geld verlangen zu wollen und so eine unzulässige Verquickung von Marketing und Journalismus zu fördern. Der Verlag hatte den Winzern ein Marketingpaket für 195 Euro angeboten. Als Gegenleistung sollen sie zwei Belegexemplare, Urkunden und Aufkleber erhalten.

 Seit Wochen wird unter den Wein-Produzenten kontrovers über die Bitte des Verlags diskutiert. 14 der rennomiertesten Winzer haben sich nun an die Spitze der Verweigerer gesetzt und angekündigt, nicht zu zahlen. Im Zuge des Streits erklärte gerade erste in der vergangen Woche Armin Diel, Chefredakteur und Mitherausgeber des Wein Guides, seine Demission.
 
Der Ruf des „Gault Milliau“ scheint ernsthaft Schaden genommen zu haben. Genau in diesem Umstand sieht der Jalag-Manager Rensmann eine echte Chance: „Wir wollen die Funktion und Reputation des „Feinschmeckers“ als erste Adresse für kulinarische Lebensart in Deutschland eindrucksvoll und nachvollziehbar unterstreichen.“

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