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„Der Prominenz nicht auf Knien nähern“

Das Urteil des Hamburger Landgerichts im Verfahren Veronica Ferres gegen den inzwischen eingestellten G+J-Titel "Park Avenue" hat unter den Machern der großen Publikumsmagazine für Erleichterung gesorgt. Denn obwohl die Pressekammer als eher medienkritisch gilt, gab sie der Argumentation der Redaktion praktisch auf ganzer Linie Recht. Künftig dürfte es für Prominente schwieriger werden, Medien mit prozessualen Mitteln "mundtot" zu machen – sorgsame Recherche vorausgesetzt.

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Im Gespräch mit MEEDIA äußerte sich „Stern“-Chefredakteur Andreas Petzold zufrieden mit dem Urteil der Zivilkammer 24. Diese hatte am 3. Juli sowohl die Klage der Schauspielerin wie auch die in einem getrennten Verfahren verhandelte Klage ihres ehemaligen Lebensgefährten und Medienunternehmers Martin Krug in allen Punkten abgewiesen. Petzold, der seinerzeit als Herausgeber dem Premiummagazin „Park Avenue“ zu redaktionellem Glanz verhalf, begründet die kritische Titelgeschichte im Nachhinein so: „Wir haben bei ‚Park Avenue‘ den Grundsatz gehabt, dass wir journalistische Qualität liefern. Das war auch beim ‚Fall Ferres‘ von Anfang an der Ansatz der Recherche. Man muss sich der Prominenz ja nicht immer auf Knien nähern.“
Offenbar hatten die Schauspielerin und ihr als höchst umtriebig geltende Gefährte damit nicht gerechnet. Als der Tenor der Cover-Story vom Mai 2008 klar wurde, waren schnell hochkarätige Anwälte engagiert, die eine Gegendarstellung erwirkten. „Park Avenue“ musste diese auch veröffentlichen. „Eine Gegendarstellung“, weiß Andreas Petzold, „ist in der Regel nicht abzuwenden, weil sie völlig unabhängig vom Wahrheitsgehalt durchgesetzt werden kann.“
Das Verfahren hat nicht nur wegen des Ausgangs Modellcharakter. Denn häufig kommt es im Umgang von Medien mit Prominenten gar nicht erst zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Viele Stars legen Journalisten vor Interviews Verträge vor, in denen diese sich verpflichten, über bestimmte Dinge nicht zu berichten – andernfalls gibt es kein Interview.
Petzold sagt klar, was er von solchen Verträgen hält: „Das sind Unterwerfungsklauseln, die man auf keinen Fall akzeptieren darf, wenn man sich als Journalist ernst nimmt.“ Aber der „Stern“-Chef sieht im Hantieren mit solchen „Ausschlussklauseln“ auch eine Entwicklung: „Was wir aus den USA seit langem kennen, ist heutzutage leider auch bei deutschen Stars eine gängige Praxis.“

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