Springers schöne neue Musik-Welt

Bei Axel Springer macht man sich krisenfest. Nach der Rekordbilanz vom vergangenen Jahr stehen die Zeichen auf Konsolidierung. Die Frauenzeitschrift „Jolie“ sowie die Jugendtitel „Mädchen“ und „Popcorn“ werden in bewährter Manier an den OZ Verlag in Rheinfelden verkauft. Die Rheinfeldener übernehmen zusätzlich Springers Hälfte an dem gemeinsamen Titel „Familie & Co“. Der Verlagskonzern ist schlank […]

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Bei Axel Springer macht man sich krisenfest. Nach der Rekordbilanz vom vergangenen Jahr stehen die Zeichen auf Konsolidierung. Die Frauenzeitschrift „Jolie“ sowie die Jugendtitel „Mädchen“ und „Popcorn“ werden in bewährter Manier an den OZ Verlag in Rheinfelden verkauft. Die Rheinfeldener übernehmen zusätzlich Springers Hälfte an dem gemeinsamen Titel „Familie & Co“. Der Verlagskonzern ist schlank und wird immer schlanker.

Die Musiktitel des Hauses werden plötzlich bei der „Welt“-Gruppe einsortiert und Mr. Mover-and-Shaker Ulf Poschardt grüßt dort fortan als Herausgeber. Es fragt aber, was Titel wie „Metal Hammer“, „Rolling Stone“ und der „Musikexpress“ jetzt bei der „Welt“-Gruppe zu suchen haben. Da ist etwas zusammen gewachsen, was zumindest thematisch gar nicht zusammen gehört. Von dem einst hoffnungsvollen Young Media House ist nicht mehr viel übrig. Sollte Springer die Musik- und Jugendtitel in nicht allzuferner Zukunft auch noch losschlagen, es wäre zumindest keine Überraschung. Springer bekommt die Portfolio-Bereinigung bisher geschickt und weitgehend geräuschlos hin.

Erste Vorboten der schönen neuen Musik-Welt bei Springer sieht man an der Ankündigung, dass ausgerechnet der „Musikexpress“ im Oktober eine „Style“-Sonderheft herausgibt. In dem Sonderheft soll sich alles um „music and fashion“ drehen, das Heft „wirft einen Blick in die Kleiderschränke der Rockstars und stellt die neusten Modetrends und angesagtesten Accessoires aus der Musikszene vor.“ Also eine Art „InStyle“ für Rocker. Da wird die Marke „Musikexpress“ aber ziemlich weit gedehnt. Was kommt als nächstes? „Metal Hammer Style & Fashion“? In der Pressemitteilung zu „Musikexpress Style“ fallen Sätze wie: „Musikexpress ist das Magazin für die trendbewussten Opinion-Leader unter den jungen erwachsenen Musikfans und wendet sich an Männer von 20 bis 40 Jahren mit hohem Interesse an Mode, Musik und Lifestyle.“ Gestandene Musikjournalisten wie „Rolling Stone“-Chef Bernd Gockel, der früher auch mal den „Musikexpress“ führte, müssten bei solchen Sätzen eigentlich in einen Blutrausch fallen.

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