Condé Nast: von Laffert folgt auf Runge

Nach sieben Monaten Vakanz hat die deutsche Condé Nast-Bastion wieder einen Gesamtchef: Nach MEEDIA-Informationen tritt Moritz von Laffert, bisher als Verlagsgeschäftsführer von Axel Springer Mediahouse in München, die Nachfolge des im vergangenen Dezember überraschend ausgeschiedenen Verlagschefs Bernd Runge an. Der 41-Jährige soll aber nicht alle Kompetenzen Runges übertragen bekommen und sich nach Willen von Verleger Jonathan Newhouse auf das Deutschlandgeschäft konzentrieren.

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Runge war zudem als Europa-Chef für Auslandstitel vor allem in Osteuropa zuständig gewesen. Diese Bereiche werden allerdings inzwischen vom Londoner Verlagssitz unter der Regie von International-Chef Jonathan Newhouse geführt. Der neue Mann soll spätestens zum 1. Oktober als President bei Condé Nast antreten.
Lafferts Vorgänger, Bernd Runge, hatte die Münchner Dependance des US-Medienhauses Anfang Dezember 2008 verlassen. Der „Medienmann des Jahres 2003“ war nach Jahren des Erfolgs zuletzt immer mehr in die Kritik geraten. Vor allem die teure Neueinführung der wöchentlichen „Vanity Fair“ brachte nicht den gewünschten Erfolg. In einer Mail an die Mitarbeiter schrieb Runge, dass er diesen Schritt seit langem geplant habe. Jonathan Newhouse, Chef des US-Mutterkonzerns, bedauerte die Entscheidung: „Es gibt niemanden, der ihm gleichkommt.“
Trotz eines Treuebekenntnisses gegenüber den Mitarbeitern musste Condé Nast Anfang des Jahres die hochdefizitäre „Vanity Fair“ vom Markt nehmen. Im März gaben die Münchner die Trennung von Sven Schrader bekannt, der als Publisher für die Zeitschriften „GQ“ und den „Architectural Digest“ verantwortlich war und zuvor die Markteinführung der wöchentlichen „Vanity Fair“ begleitet hatte. Das Verlagsgeschäft lag in den vergangenen Monaten in Händen von General Manager Markus Schönmann, der dies nach Willen von Newhouse allerdings ausdrücklich interimistisch leiten sollte.
Moritz von Laffert waren in der Vergangenheit mehrfach Gespräche mit anderen Verlagen nachgesagt worden. Dass er Springer wohl verlassen würde, war Insidern klar, als der Verlag seine Verkaufsabsichten für „Jolie“ mehr oder weniger offen einräumte. Mit dem Wechsel des jungen Frauentitels an den OZ-Verlag und der Integration der Musiktitel in die Welt-Gruppe hat von Laffert seine eigene Position bei Springer im Vorstandsauftrag quasi selbst wegrationalisiert.
Auf den jungen Manager warten schwere Aufgaben. Wie alle Verlage leidet auch Condé Nast unter den konjunkturbedingten Anzeigeneinbrüchen. Der 41-Jährige muss nun zeigen, wie er Premium-Objekte wie „Vogue“, „GQ“, „Myself“ oder „AD“ durch die Krise steuern wird.

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