Twitter-Zielgruppe „klein aber fein“

Ist Twitter mehr als nur eine große 140-Zeichen-Blase? Einer Fittkau & Maass-Studie zufolge ist die Bedeutung des Microblogging-Dienst Twitter deutlich geringer, als es in den Medien den Anschein macht. Auf Twitter & Co. bejubelte sich die Branche überwiegend selbst. Doch die Zielgruppe des Dienstes zählt zu den besonders jungen und aktiven Nutzern. Außerdem sei das Wachstum des Dienstes im letzten Mai deutlich gestiegen, wie "FAZ"-Netzökonom Holger Schmidt anhand aktueller Nielsen-Zahlen belegen kann.

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Noch rangiert Twitter im Verhältnis zu anderen Social Media Angeboten am unteren Ende der Nutzungs-Rangliste. Mit lediglich 5,5 Prozent der Web 2.0-Nutzer ist man deutlich abgeschlagen. Spitzenreiter sind Wiki-Sites, die von 66,8 Prozent angesurft werden. Social Networks landen mit 41,9 Prozent deutlich hinter den Wikis auf dem zweiten Platz. Doch Microblogging-Dienste holen rasant auf.
Der Zielgruppe von Twitter & Co. scheint dabei eine besondere Rolle zuzukommen. Laut Susanne Fittkau befänden sich unter den berufstätigen Mikro-Bloggern überproportional viele aus den Branchen EDV, Medien/Verlagswesen sowie Multimedia/Internet. „Jeder dritte Mikro-Blogger ist in einer dieser Branchen berufstätig. In der Gesamtnutzerschaft ist es nicht einmal jeder achte“, so die Geschäftsführerin von Fittkau & Maass. Die auffällige Branchenverteilung weise darauf hin, dass das Twittern eine ganz bestimmte Zielgruppe anspricht – und zum heutigen Zeitpunkt keinen Kommunikationsweg für die breite Masse der Internet-Nutzer darstellt.
Der typische Nutzer von Mikro-Blogs sei im Vergleich zum Internet-Durchschnitt recht jung. Fast zwei Drittel hätten nicht einmal das 40 Lebensjahr vollendet. Die Studie ergab, dass die Zielgruppe durch eine ausgesprochen hohe Computer- sowie Web 2.0-Affinität auffällt: „So finden sich unter den Twitterern zum Teil doppelt so viele Nutzer von Weblogs, Networks und Co. als im Internet-Durchschnitt.“ Zudem seien die meisten Mikro-Blogger wesentlich trendorientierter und kommunikativer als der typische Internet-Nutzer.
Rund 40 Prozent der Twitterer gehören zu den so genannten „Early Adopters“, die „Produktneuheiten meist sehr früh“ kaufen. In der Gesamtnutzerschaft sind dies nur 20 Prozent. Außerdem interessant: Twitterer stehen gerne im Mittelpunkt. Dies gaben 30 Prozent der Befragten an. Im Internet-Durchschnitt sind dies nur 17 Prozent.
Wie das Blog Web Evangelisten errechnet hat, ist die Zahl der deutschsprachigen Micro-Blogger auf Twitter im Juni bereits um 34 Prozent angestiegen. Dabei generieren etwa zehn Prozent der deutschen Twitter-Accounts 61 Prozent der Tweets. Schmidt weist darauf hin, dass immer mehr Menschen Twitter als Informationskanal betrachteten, „ohne selbst aktiv zu werden“. „Twitter scheint also auf dem Weg zu einem Broadcasting-Tool zu werden und weniger als Kommunikationsinstrument genutzt zu werden“, schlußfolgert Schmidt.
Auch in England dürfte der Hype um Micro-Blogs weiter zunehmen: Der Buckingham Palast hat Ende letzter Woche sein eigenes Twitter-Account eröffnet. Dabei werden aber nicht die Mitglieder der königlichen Familie twittern, sondern Angestellte aus dem Palast. Der Account mit dem Namen „BritishMonarchy“ hat bereits über 9.000 Follower.

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