Internetaktien: Vor dem Härtetest

Für drei Monate schien alles wieder gut zu werden: Endlich streiften Anleger im März ihre Skepsis ab und schickten die Aktienkurse nach oben, als wäre die Finanzmarktkrise eine Erfindung der notorischen Pessimisten. Doch seit Juni macht sich Ernüchterung breit: Die Erholung wird wohl doch noch länger auf sich warten lassen, die Kurse gehen in die Sinkflug über. Wie richtig die Hypothese ist, können Besitzer von Technologie- und Internetaktien ab der kommenden Woche überprüfen, wenn die führenden Dot.coms ihr neustes Zahlenwerk vorlegen.

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Es sah so gut aus: Für dreizehn Wochen legten die Aktienmärkte zu, als wäre die gute, alte Zeit zurückgekehrt – die Zeit der späten 90er Jahre oder die vier goldenen Jahre zwischen 2003 und 2007. Doch die sind bekanntlich Geschichte.

Der Alltag sieht eher so aus: Gewinnerwartungen werden reduziert, Kursziele zurückgenommen – und sogar kleiner als erwartete Verluste von der Börse beklatscht wie zuletzt bei Alcoa. Trotzdem sind die Notierungen seit Anfang Juni im Sinkflug: „Schon wieder vier Wochen voller Schmerzen. Vier Wochen voller zermalmender, unablässiger Negativität! Ist das gerechtfertigt“, fragt sich etwa Wall Street-Veteran James Cramer.     

Intel, IBM, Nokia und Google legen diese Woche Zahlen vor  

Anleger können der Grundfrage ab dieser Woche nachgehen, denn wieder einmal müssen die größten Unternehmen von Corporate America Rechenschaft vor ihren Aktionären ablegen. Das gilt auch für den Internet- und Technologiesektor, in dem Intel bereits morgen den Auftakt macht. Nur noch 8 Cent je Aktie erwartet der Durchschnitt der befragten Analysten – im Vorjahr waren es noch stattliche 25 Cent. IBM und Nokia legen zwei Tage später ihr Zahlenwerk vor; Volkswirte rechnen auch hier mit rückläufigen Ergebnissen – beim finnischen Weltmarktführer sollen die Erträge gar um 70 Prozent einbrechen.

Entsprechend begierig suchen Anleger nach den wenigen verbliebenen Wachstumsfavoriten. Einer davon könnte Google sein. Die Internetsuchmaschine legt ebenfalls am Donnerstag nach Handelsschluss Quartalszahlen vor und könnte, wenn Analysten Recht behalten, abermals mit steigenden Gewinne und Umsätzen aufwarten. So rechnen die von Thomson Reuters befragten Analysten nach 4,63 Dollar je Aktie nun im Durchschnitt mit 5,06 Dollar – das entspräche trotz grassierender Krise auf dem Anzeigenmarkt erneut einem zweistelligen Wachstum.

Apple und Yahoo folgen nächste Woche

Das könnte auch für ein zweites Schwergewicht der Nasdaq gelten. Der Macintosh- und iPhone-Hersteller Apple wird am Dienstag nach Handelsschluss Rechenschaft über den abgelaufenen Dreimonatszeitraum ablegen, der bereits das dritte Geschäftsquartal ist. Nach 1,19 Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum rechnen  Analysten zwar nunmehr nur mit 1,16 Dollar je Anteilsschein. Doch in der  Vergangenheit konnte Apple immer wieder die Analystenprognosen leichthin übertreffen. Im letzten Quartal lieferte Apple 1,33 Dollar je Aktie, obwohl die Volkswirte lediglich mit 1,09 Dollar gerechnet hatten.

Von zweistelligen Wachstumsraten kann Yahoo indes nur träumen. Der angeschlagene Internetpionier versucht sich seit Jahresbeginn unter der Führung von Carol Bartz neu zu erfinden, muss wohl aber zunächst weiter Federn lassen und der Krise auf dem Werbemarkt Tribut zollen.  Anleger rechnen nach einem Gewinn von 10 Cent je Anteilsschein nunmehr mit 8 Cent. 

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