Die WAZ plant eine „U-Bahn Zeitung“

Trotz radikalem Sparkurs gibt sich die Essener WAZ Gruppe derzeit rührig mit vielen neuen Projekten. In einem Interview mit der Marketing-Fachzeitschrift "Horizont" sprach WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus von Plänen für eine "U-Bahn Zeitung". Damit gemeint ist offenbar eine kompakte Tageszeitung, die in erster Linie Pendler anspricht und die in öffentlichen Verkehrsmitteln konsumiert werden soll. „Schrott-Titel“ von anderen Verlagen wolle er dagegen nicht kaufen, teilte Nienhaus mit.

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Wörtlich sagte der WAZ-Mann in dem Interview: „Wir werden ganz sicher keine Schrott-Titel kaufen, die andere Verlage einstellen wollen.“ Deutliche Worte. Wann und mit welchem Konzept eine neue, kompakte Pendlerzeitung kommen könnte, ließ Nienhaus freilich offen. Parallel arbeitet der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust für die WAZ Gruppe an neuen Magazin-Ideen.

Die Essener bemühen sich derzeit nach Kräften zu demonstrieren, dass sie auch noch etwas anderes können, als zu sparen. Zuletzt machte die WAZ Gruppe vor allem wegen des rigiden Sparkurses Schlagzeilen, der vor allem auch von Nienhaus vorangetrieben wurde. Von den 300 Stellen, die bei den Redaktionen der NRW-Zeitungen wegfallen sollen, seien bereits 275 unter Dach und Fach, sagte Nienhaus nun. Weiteres Einsparpotenzial sieht er in Verwaltung und Vermarktung. Vielleicht war dies auch ein Konfliktfeld mit Harald Wahls, der von der WAZ zunächst als Verlagsgeschäftsführer für die NRW-Zeitungen geholt wurde und nun sehr schnell nach Braunschweig abgeschoben wird. Wahls und Nienhaus gelten beide als starke Persönlichkeiten. Da gibt es schon mal Reibung.

Eine weitere Baustelle der WAZ befindet sich in Österreich. Dort würde die WAZ gerne ihre Hälfte an der „Kronen Zeitung“ an „Krone“-Herausgeber Hans Dichand zurückverkaufen. Allein um den nervigen Dauerstreit mit Dichand, wer nun bei der „Krone“ selbige aufhat zu beenden. Aber es gibt verschiedene Preisvorstellungen. „Ob es letztendlich zu einer Einigung kommt, mit unserem Ausstieg auf der erarbeiteten Grundlage, ist für mich völlig offen. Es ist aber auch klar, dass ein solcher Einigungsvorschlag nicht ewig auf dem Tisch liegen bleibt“, sagte Nienhaus in dem Interview. Ob sich der als Dickschädel berüchtigte Hans Dichand von solchen Aussagen unter Druck setzen lässt, darf bezweifelt werden.

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