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„Das schwierigste Jahr für Zeitungen“

Bei der Jahrespressekonferenz des Zeitungsverlegerverbands BDZV hatte Geschäftsführer Dietmar Wolff Düsteres zu verkünden. "Das Jahr 2009 wird als das bisher schwierigste in die Geschichte der Zeitungen eingehen", sagte er. In den ersten fünf Monaten gingen die Anzeigenschaltungen um zwölf Prozent zurück, Stellenanzeigen gar um über 40 Prozent. Das Rezept des Verbandes: Die Regierung soll Kooperationen erleichtern, die Mehrwertsteuer für Verlage abschaffen und den "Content-Klau" im Internet abstellen.

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Direkte Staatshilfen würden vom BDZV freilich weiterhin abgelehnt sagte Wolff. Wobei die Betonung hierbei offenbar auf dem Wort „direkt“ liegt. Der aktuelle, bereits reduzierte Mehrwertsteuersatz für Presseprodukte von sieben Prozent müsse weiter gesenkt werden, forderte Wolff: „Es ist überhaupt nicht vermittelbar, dass der Staat die tägliche Zeitungsinformation mit einer Steuer belegt.“ Dabei wäre eine solche massive Steuerstreichung nichts anderes als eine Staatshilfe. Nur, dass man sie eben nicht so nennt.

Die Auflagen deutscher Tageszeitungen sind laut BDZV im ersten Quartal des Jahres um durchschnittlich 2,12 Prozent gesunken. 2008 betrug das Minus bei den Auflagen noch 1,85 Prozent. Wochenzeitungen konnten dabei gegen den Trend um 1,53 Prozent zulegen, Kaufzeitungen verloren überproportional 5,26 Prozent ihrer Auflage. Ohne stützende Maßnahmen der Verlage dürften die Zahlen noch drastischer ausfallen.

Die Anzeigenumsätze gingen bereits 2008 branchenweit um 4,1 Prozent zurück. Die Vertriebsumsätze kletterten dagegen, dank Preiserhöhungen allerorten, um 2,6 Prozent. Insgesamt erwirtschafteten Tageszeitungen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 9,1 Mrd. Euro. Laut dem BDZV-Geschäftsführer Verlagswirtschaft, Jörg Laskowski, entspricht das dem Stand von 1995. Für das laufende Jahr wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet.

Die Zahl der Nutzer der Websites von Zeitungsverlagen wächst dagegen. Laut AGOF konnten Zeitungen ihre Online-Reichweiten 2008 um drei Prozent auf 41 Prozent steigern. Das bedeutet, 17,3 Mio. Internet-Nutzer besuchten 2008 regelmäßig Websites von Zeitungsverlagen. Der Leiter Kommunikation und Multimedia beim BDZV, Hans-Joachim Fuhrmann, erläuterte, dass es dabei sehr wenige Überschneidungen gebe. Der Anteil, der Online-Nutzer, die auch die gedruckte Zeitung lesen, liege bei lediglich 15 Prozent. Man erreiche so eine neue und jüngere Zielgruppe, sagte Fuhrmann.

BDZV-Chef Wolff forderte von der Politik nicht nur eine verminderte Mehrwertsteuer. Auch das Wettbewerbsrecht muss seiner Meinung nach gelockert werden. Die Grenze, ab der das Kartellamt Zusammenschlüsse prüfe, müsse von 25 Mio Euro Jahres-Gesamtumsatz auf mindestens 100 Mio. Euro erhöht werden. Das heißt: Das Kartellamt soll sich um um weitaus weniger Unternehmenszusammenschlüsse kümmern. Außerdem verlangte Wolff, dass Fehlentwicklungen im Internet politisch korrigiert werden müssten. „Wir können nicht länger hinnehmen, dass unsere teuer produzierten Qualitätsinhalte von Dritten bedenkenlos kommerziell genutzt werden, ohne dass dafür auch nur ein Cent an die Verlage gezahlt wird“, sagte er. VDZ-Präsident und Verleger Hubert Burda stieß jüngst in das gleiche Horn. Nur mit einem umfassenden Leistungsschutzrecht könne dem „Content-Klau“ begegnet werden. Außerdem gelte es, Bezahlmodelle für Internet-Inhalte zu entwickeln. „Es geht um den Erhalt der Qualitätspresse in einer digitalisierten Welt“, so Wolff.

Ganz schlüssig in seiner Argumentation war der Verbands-Chef nicht. Einerseits sei die Anzeigen- und Auflagensituation bei Tageszeitungen so hundsmiserabel, dass unbedingt der Staat mit Steuererleichterungen und Wettbewerbslockerungen beispringen müsse, andererseits lobte er vollmundig das deutsche Zeitungswesen und sagte, dass anders als in den USA deutsche Zeitungen „sehr gut aufgestellt“ seien. Die Bindung zum lokalen Publikum sei ausgeprägt, es gebe ein beispielhaftes Vertriebssystem, kurzum: „In Deutschland werden die besten Zeitungen der Welt gemacht.“

Beim Internet ist man beim BDZV zum einen stolz auf steigende Reichweiten und das Erreichen einer neuen, jungen Zielgruppe. Die gestiegene Reichweite wird dabei gewiss maßgeblich mit Hilfe von Suchmaschinen wie Google oder Aggregator-Diensten wie Google-News getrieben. Gleichzeitig schimpft man aber auf den „Content-Klau“ ebensolcher Dienste. Es ist zu vermuten, dass sich die Wünsche und Vorstellungen des BDZV mit der Wirklichkeit nicht hundertprozentig unter einen Hut bringen lassen.

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