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Schächter soll Karriere für Brender opfern

Der frühere ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann hat in einem Gastbeitrag in der "FAZ" die Idee einer Verfassungsklage zum Thema "Staatsferne" beim ZDF wieder aufleben lassen. Grund ist die seit Monaten aufgeschobene Vertragsverlängerung von Chefredakteur Nikolaus Brender, die CDU-Politiker um Roland Koch im Verwaltungsrat scheitern lassen würden. Von der Tanns Rat: Intendant Markus Schächter sollte Brender durchfallen lassen und danach in Karlsruhe klagen, auch wenn das seinen Posten kostet.

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Anlass für den Vorstoß von der Tanns – nach drei Monaten relativer Ruhe in der „Brender-Affäre“ – ist eine Sitzung des Verwaltungsrats am Freitag, bei der die Personalie Brender erneut nicht auf der Tagesordnung steht. Intendant Schächter, der seinen Chefredakteur im Frühjahr gestützt hatte, verfolgt offenbar die Strategie, das Thema bis nach der Bundestagswahl ruhen zu lassen. Der Vertrag Brenders läuft bis März 2010. Zur Erinnerung: Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte Brender professionelles Versagen und Schwächen in der Personalführung vorgeworfen, was heftige öffentliche Diskussionen und unter anderem eine Solidaritätskundgebung von ZDF-Stars um Claus Kleber nach sich zog.  
Der ehemalige Verfassungsrichter Ernst Gottfried Mahrenholz hatte schon im Februar gefordert, das Bundesverfassungsgericht möge die gesetzlich geforderte Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Fall Brender  prüfen, um festzustellen, dass „die derzeitige Praxis unzulässig ist“. Organklage in Karlsruhe kann allerdings nicht jedermann erheben. 
Der 66 Jahre alte Hartmann von der Tann verlangt nun ausdrücklich von Schächter, die eigene Karriere für diesen guten Zweck zu opfern: „Schächter müsste seine Strategie ändern und Brender möglichst bald zur Wahl stellen. Wenn der erwartungsgemäß durchfällt, könnte er unverzüglich Klage erheben. Das würde auf eine heftige Konfrontation mit der Politik hinauslaufen und wäre vermutlich das Ende seiner Karriere. Aber einen größeren Gefallen könnte er dem ZDF und dem gesamten öffentlich-rechtlichen System nicht erweisen.“ Von der Tanns Befürchtung: Eingriffe der Politik in die Führung einer Anstalt fänden sonst „sicher weitere begeisterte Nachahmer, auch bei ARD-Anstalten“.

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