Magazine: Online-Erfolg nach dem Print-Tod

Es gibt ein Leben nach dem Print-Tod: Anfang Juni erschien die letzte Ausgabe von "Galore". Nun setzt das Interview-Magazin ausschließlich aufs Web – kein Einzelfall. Denn bereits Titel, wie "Max" oder "Vanity Fair" wagen ein Überleben als Web-Only-Produkte. MEEDIA hat sich die Entwicklung einiger ehemaliger Print-Marken mit aktiven Webseiten angesehen. Das Ergebnis überrascht: Die zu erwartenden massiven Einbrüche blieben meistens aus. "Brigitte Young Miss" liefert sogar eine respektable Erfolgsgeschichte.

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Der Grund warum die meisten Titel im Web weiterleben ist, dass sich die Verlage nur ungern von ihren über Jahre aufgebauten Marken trennen wollen. Galore-Verleger Michael Lohrmann sieht das ganz ähnlich. „Wir glauben, dass die Kernkompetenz von Galore sich auch im Internet entfalten wird – durch die direkte Verlinkung auf andere Inhalte mag das Internet sogar Vorzüge gegenüber Print aufweisen.“

Das neue Galore-Konzept sieht vor, jeden Werktag ab 0.00 Uhr ein neues Interview zu publizieren. „Als Galore noch am Kiosk erhältlich war, waren die Zugriffe sehr gering, weil Galore.de damals eine reine Werbeseite für das gedruckte Magazin war – der Nutzer konnte hier keinen neuen und exklusiven Content finden „, sagt Lohrmann. „Entsprechend werden wir unsere Zugriffszahlen vervielfachen. Wir rechnen zum Start mit 50.000 Unique Visitors im Monat.

Den Beweis, dass der Schritt hin zu Online-Only durchaus funktionieren kann, zeigt das Beispiel „Brigitte Young Miss“. Bereits Mitte 2006 entschied sich Gruner + Jahr den jungen Brigitte-Ableger als Print-Produkt sterben zu lassen. Unter der URL bym.de erreichte die Webseite zum Zeitpunkt der Einstellung acht Millionen Page Impressions. Im Dezember 2008 hatte sich die Zahl auf 11,2 Millionen gesteigert. Aktuellere Daten gibt es nicht, da Bym.de mittlerweile zusammen mit Brigitte.de ausgewiesen wird.

Nicht ganz so erfolgreich, aber doch recht ordentlich hält sich Vanity Fair Online – zumindest hinsichtlich der Visits. Als Condé Nast das Print-Heft im Februar einstellte, verzeichnete die Seite 295.248 Vistis und 3,5 Millionen Page Impressions. Bis zum Mai brachen die Klicks auf 2,3 Millionen ein. Die Visits konnten mit 267.074 ihr Niveau annähernd halten.

Anders die Situation bei Max Online: Die Site des ehemaligen Lifestyle Heftes hat mit einem schleichenden Niedergang zu kämpfen. Das Burda-Magazin wurde im Januar 2008 eingestellt. Aktuell erreicht die Site 3,7 Millionen PIs und 498.151 Visitors. Damit verlor das Portal innerhalb von zwölf Monaten 27 Prozent bei den Klicks und 12 Prozent bei den Vistis.

Betreut wird Max.de, genauso wie Amica.de von der Tomorrow Focus AG. Auch das Frauen-Portal hat mit Klick-Verlusten von 27 Prozent zu kämpfen. Bei den Visits konnte sich Amica.de jedoch sogar um drei Prozent steigern.

Bei der Tomorrow Focus AG ist man mit der Entwicklung der Angebote zufrieden. „Es gibt viele Beispiele dafür, dass starke Online-Marken auch ohne Print-Pendant weiter wachsen können“, sagt Armin Blohmann, Leiter Konzernkommunikation & Investor Relations bei Tomorrow Focus. „Die Zukunft von Max.de und Amica.de sehen wir daher äußerst positiv.“ Allerdings schraubt man in München bereits an einer Weiterentwicklung der Marken: „Wir sind derzeit mit Partnern in konkreten Gesprächen über die strategische Neuausrichtung.“

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