Die (fast) heile Welt von Madsack

Die Hannoversche Verlagsgruppe Madsack hat ihren Geschäftsbericht 2008 vorgelegt – und der gibt mitten in der Medienkrise Anlass zur Hoffnung. Der Umsatz blieb mit 505,2 Mio. Euro fast stabil. Der Gewinn erhöhte sich sogar um neun Prozent auf 56,6 Mio. Euro. Eine zweistellige Rendite – da kann man nicht meckern. Die Wermutstropfen: Der Gewinn-Anstieg resultiert aus einem Beteiligungsverkauf und die Aussichten für 2009 sind schlechter. Trotzdem: Im Vergleich mit US-Zeitungshäusern geht es Madsack blendend.

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In den USA hat sich das Tageszeitungsgeschäft mittlerweile zu einer nicht enden wollenden Horror-Story entwickelt. Laut einem Bericht des Internetdienstes Business-Insider wurden 2009 bereits fünf US-Zeitungen eingestellt, Print-Anzeigenverkäufe fielen im 1. Quartal 2009 um durchschnittlich 30 Prozent, fast alle der 25 größten US-Zeitungen verloren zwischen sieben und 20 Prozent an Auflage. Solche Szenarien sind für deutsche Regionalverlage wie Madsack noch Geschichten aus dem Alptraumland.

Aber auch hierzulande ist nicht alles Gold. Den Gewinnsprung von fast zehn Prozent schafften die Hannoveraner nur, weil sie ihre Anteile an der KMG Kabel Fernsehen Hannover GmbH im vergangenen Jahr verkauft hatten. Die operativen Erträge aus Vertrieb und Anzeigen waren bereits im vergangenen Jahr leicht rückläufig. Für das laufende Jahr rechnet Madsack-Geschäftsführer Herbert Flecken mit einem deutlich schlechteren Ergebnis. Das liegt zum einen an der sich weiter verschärfenden Lage im Anzeigen-Markt. Madsack hat aber auch 239 Mio. Euro in die Hand genommen, um eine ganze Reihe von Regionalzeitungsbeteiligungen von der Axel Springer AG zu kaufen. Das drückt ebenfalls auf die Bilanz.

Madsack kaufte von Springer deren Hälfte an der „Leipziger Volkszeitung“ und den „Dresdner Neuesten Nachrichten“. Außerdem gehörten Beteiligungen an den „Lübecker Nachrichten“, der „Ostsee Zeitung“ und den „Kieler Nachrichten“ zu dem Deal. Der Kauf wird die Madsack Bilanz 2009 erst einmal deutlich belasten. Gerade im Regionalzeitungsgeschäft gilt aber die Devise: fressen oder gefressen werden. Insofern sind die Hannoveraner sicherlich zufrieden, sich auf der Käufer-Seite wiederzufinden.

Langfristig sagt Geschäftsführer Flecken voraus, werden die Auflagen der regionalen Blätter weiter sinken. Wachstum funktioniert prinzipiell nur noch durch Zukauf. Glorreiche Ausnahme im Madsack-Reich ist die „Wolfsburger Allgemeine“, die 2008 einen leichten Auflagenzuwachs von 1,3 Prozent verzeichnete. Alle anderen Blätter des Hauses (u.a. „Hannoversche Allgemeine Zeitung“, „Göttinger Tageblatt“, „Peiner Allgemeine Zeitung“, „Schaumburger Nachrichten“) müssen mit sinkenden Auflagen zurechtkommen. Insgesamt kamen die Madsack-Blätter 2008 auf eine Auflage von rund 600.000 Exemplaren. Mit den neu erworbenen Beteiligungen kommt eine Auflage von rund 370.000 Exemplaren hinzu.

Neben dem Wachstum durch Zukäufe versucht Madsack auch, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Internet-Projekte werden in einem Media Lab gebündelt, an dem sich im vergangenen Jahr die WAZ Gruppe zur Hälfte beteiligt hat. Gemeinsame Hoffnung, geteilte Kosten. Prestige-Projekt im Media Lab ist das Online-Angebot Radio.de, ein Web-Angebot, mit dem man Internet-Radios organisieren und verwalten kann. Innovativ ist auch der Versuch, mit der „Gießener Zeitung“ eine Mitmach-Zeitung zu etablieren. Die zweimal pro Woche erscheinende Zeitung wird größtenteils aus Online-Beiträgen von Nutzern des Web-Portals myheimat.de zusammengestellt. Auch andere Madsack-Zeitungen bedienen sich teilweise aus den myheimat-Inhalten. Laut Madsack-Angaben sind bei myheimat.de mittlerweile über 30.000 „Bürgerreporter“ angemeldet. Auch wenn die Aussichten für 2009 deutlich schlechter sind – von dem katastrophalen Zustand vieler us-amerikanischer Zeitungshäuser sind Verlage wie Madsack Welten entfernt.

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