Bertelsmann musiziert mit KKR

Der Medienkonzern Bertelsmann gründet ein Musik-Joint-Venture mit dem Finanzinvestor KKR. Das ist eine der beiden Private Equity-Firmen, denen auch ProSiebenSat.1 gehört. Keimzelle der neuen Firma ist der Musikverlag BMG Rights Management, in dem Bertelsmann bereits eine Reihe von lukrativen Musikrechten gebündelt hat. Die neue Firma wird schlicht nur BMG heißen. KKR soll Geld einbringen, um weitere Rechte dazu zu kaufen. Ein mögliches Kaufobjekt ist der Musikverlag des verstorbenen Michael Jackson.

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„Jacko“ hat die Rechte an seinen Titeln in eigener Hand behalten und dafür die Firma MiJack Music gegründet. Außerdem war Jackson zur Hälfte am viertgrößten Musikverlag Sony ATV beteiligt, der u.a. die Rechte an allen Beatles-Liedern besitzt. Ein äußerst lukratives Paket, das nach dem Tod Michael Jacksons womöglich verkauft wird. Außerdem gab es immer wieder Spekulationen, dass die strauchelnde britische Musikfirma EMI ihren Musikverlag EMI Music Publishing veräußert – mit 18,3 Prozent Marktanteil der zweitgrößte weltweit.

Geführt wird die neue BMG von Hartwig Masuch, der schon jetzt Geschäftsführer von Bertelsmann Rights Management ist. BMG Rights Management verfügte zum Start im Oktober 2008 über einen Rechtekatalog von rund 200 Interpreten. Mittlerweile seien ca. 100 Verträge dazugekommen.

Laut „FAZ“ wird KKR in den kommenden Jahren rund 250 Millionen Euro für das Gemeinschaftsunternehmen mit Bertelsmann springen lassen. Die Finanzinvestoren hätten zudem zugesagt, notfalls Kredite über bis zu 500 Millionen Euro besorgen zu können. Damit lässt sich einiges zusammenkaufen – vielleicht sogar die Marktführerschaft. Bertelsmann-Boss Hartmut Ostrowski wittert im Geschäft mit Musikrechten eine der heutzutage selten gewordenen Wachstums-Gelegenheiten. Während das Medien-Stammgeschäft schrumpft oder stagniert, ist in der Rechteverwertung im wahrsten Wortsinne noch Musik drin.

Man hat kaum Personalkosten, keine Produktionskosten, muss sich nicht mit den Künstlern rumärgern und hat keine Sorgen wegen der einbrechenden CD-Verkäufe. Man kann sich zurücklehnen und kassieren – und muss etwas Lobby-Arbeit betreiben. Da sich Bertelsmann nun mit Verve in die Rechte-Verwertung stürzt, dürften die Bemühungen des Konzerns, die Politik zu einem schärferen Urheberrecht zu drängen, intensiviert werden.

Bertelsmann war schon einmal eine große Nummer im Geschäft mit Musikrechten. Ende 2006 verkauften die Gütersloher ihren Katalog für über 1,6 Milliarden Euro an Universal Music, dem heutigen Marktführer. Bertelsmann brauchte das Geld dringend, wegen der drückenden Schulden, die durch den Aktienrückkauf der Eigentümerfamilie Mohn entstanden waren. Dass der damalige Rückzug aus dem Geschäft nun revidiert wird, ist nur durch den Einstieg von KKR möglich. Dafür gibt die „Heuschrecke“ mit 51 Prozent im neuen Musikunternehmen den Ton an.

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