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Freundlicher Überfall auf „Stern“-Chefs

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1999? Die Bundeswehr schickte erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg Tornados in den Kampfeinsatz, der Euro wurde eingeführt, der neue Reichstag eingeweiht. Pete Sampras gewann den sechsten seiner sieben Wimbledon-Titel. Und beim "Stern" trat ein Führungs-Duo an, das viele für eine Übergangslösung hielten. Sie irrten gewaltig. Seit zehn Jahren sind Thomas Osterkorn und Andreas Petzold nun im Amt – und bekamen zum Jubiläum Überraschungsbesuch aus der "Spiegel"-Chefredaktion.

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Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1999? Die Bundeswehr schickte erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg Tornados in den Kampfeinsatz, der Euro wurde eingeführt, der neue Reichstag eingeweiht. Pete Sampras gewann den sechsten seiner sieben Wimbledon-Titel. Und beim „Stern“ trat ein Führungs-Duo an, das viele für eine Übergangslösung hielten. Sie irrten gewaltig. Seit zehn Jahren sind Thomas Osterkorn und Andreas Petzold nun im Amt – und bekamen zum Jubiläum Überraschungsbesuch aus der „Spiegel“-Chefredaktion.
Um kurz nach elf Uhr am Dienstag platzten Matthias Müller von Blumencron und Georg Mascolo unangemeldet in die Konferenz der „Stern“-Redaktion, bei der das Jubiläum der Chefs bereits Thema war. Mascolo gratulierte den überraschten „Stern“-Machern in einer improvisierten Ansprache und lobte das gute Verhältnis der Magazin-Rivalen. Wobei: Das Zehnjährige sei nach Recherchen der „Spiegel“-Dokumentation eigentlich erst kommende Woche fällig. Osterkorn konterte: „Aber heute vor zehn Jahren waren sich alle einig, dass wir es machen.“
Der „Stern“, so Mascolo weiter, werde an der Brandstwiete als „der liebste Konkurrent“ geschätzt. Zudem würden nun beide Titel von Doppelspitzen geführt. Und natürlich wünschte sich Mascolo, dass die „Stern“-Chefs auch zum Zehnjährigen des „Spiegel“-Duos gratulieren würden. Im Anschluss gab es Sekt und ein Video, das die Redaktion den Chefs gewidmet hatten. Am Abend traf man sich noch zu einer Jubiläumsparty.
Für Osterkorn und Petzold gab es auch darüberhinaus Grund zum Feiern: Bei der am Morgen veröffentlichten AWA hatte der „Stern“ am besten von allen Titeln abgeschnitten und in der Reichweite um 470.000 Leser (plus 6,4 Prozent) zugelegt. Eine Bestätigung der konstanten Entwicklung, die der „Stern“ in der Ära der beiden Chefredakteure hingelegt hat.
Die Neubesetzung war 1999 nötig geworden, nachdem sich Michael Maier innerhalb kürzester Zeit mit der Redaktion überworfen hatte und Osterkorn aus dem Amt drängen wollte. Maier, dessen Wirken von Anfang an umstritten war und dessen Magazin-Titel („100 Jahre deutscher Schäferhund – Bellen, Beißen und Gehorchen“) intern wie in der Branche bisweilen eine Mischung aus Konsterniertheit und Belustigung hinterließen, war am Baumwall ausgesprochen glücklos.
Legendär dagegen der Satz, mit dem der langjährige Vorstandschef Gerd Schulte-Hillen seinem Zeitschriftenvorstand Wickmann Handlungsbedarf signalisierte: „Let’s face it, Rolf.“ Das war das Aus für Maier, nach nur sechs Monaten als Chefredakteur. So schnell kann’s am Baumwall eben auch gehen, wenn es nicht läuft.

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