Andreessen wird Blog-Mogul

Der vermögende Netscape-Mitbegründer Marc Andreessen investiert bis zu einer Million Dollar in das politische Blog-Netzwerk TalkingPointsMemo (TPM). Der Multi-Investor (u.a. Digg, Ning) ist schon an "Alley Insider" beteiligt und glaubt offensichtlich an die kommerziellen Chancen von Online-Journalismus. Am Wochenende hatte Andreessen bereits einen 300 Millionen Dollar schweren Fond für Web- und Technologieunternehmen präsentiert. In Blogs investiert der erfahrene "Business Angel" vieler Start-ups allerdings privat.

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Andreessen, seit Jahren als Berater, Kritiker und „Business Angel“ eine Schlüsselfigur des „Web 2.0“, macht sich momentan zuverlässig zum täglichen Gesprächsthema. Am Wochenende hatte er einen 300 Millionen Dollar schweren Fonds für Web- und Technologie-Beteiligungen lanciert und stolze Gewinnaussichten für Facebook angekündigt – dort sitzt er im Aufsichtsrat. Jetzt macht Andreessen eigene Investments bekannt: Mit ungenannten Partnern stellt er TPM einen Betrag in der Nähe von einer Million Dollar zur Verfügung. 
 TPM Media ist seit 2000 aktiv, hat acht Redakteure und ist angeblich profitabel. Gründer Joshua Marshall hat die Seite mit investigativen Leistungen (dafür gab es den George Polk Award 2007), starker Leser-Beteiligung und Meinungsfreude links der Mitte zu 1,5 Millionen „unique visitors“ im Monat geführt. Marshall sagte PaidContent, mit dem frischen Geld solle die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt werden.
 Berührungsängste gegenüber etablierten Medien gibt es bei TPM kaum: Wenn sie es zulassen, werden sie kräftig integriert und aggregiert – aktuell zum Beispiel ein erschütterndes, teilweise selbstironisch-verzweifeltes Stück des „Washington Post“-Autors Ezra Klein, der direkte staatliche Hilfen für kriselnde Zeitungen fordert.
 Wer allerdings Marc Andreessen als Finanzier hat, kann auf Subventionen gut verzichten. Der Programmierer, Jahrgang 1971, wurde Mitte der 90er-Jahre auf einem „Time“-Cover als Wunderkind des Internets gefeiert und machte 1999 beim Netcsape-Verkauf an AOL (für 4,2 Milliarden Dollar) ein New-Economy-Vermögen. In diesem Jahrzehnt war Andreessen mit Beteiligungen an – nach eigener Zählung – 45 Start-ups ein wesentlicher Katalysator der Entwicklung zum „Web 2.0“; bei Ning (Chairman) sowie Facebook und eBay (jeweils Aufsichtsrat) nahm er auch aktive Funktionen ein. „Social media“ ist also seit langem ein Spielfeld, im Online-Journalismus ist Andreessen allerdings eine neue Größe. Wenn er gehört werden wollte, dann in seinem eigenen Blog (blog.pmarca.com), das spannende Insider-Einsichten und deftige Urteile zu Web-Themen bot. Dieses Blog lag jedoch monatelang brach, bis Andreessen dort am vergangenen Wochenende einen 300-Millionen-Fonds präsentierte, den er mit seinem Partner Ben Horowitz betreibt. 
Seine Affinität zur Medienbranche hat Andreessen zuletzt im Frühjahr 2008 in seinem Blog bewiesen, als er aus Verzweiflung über deren Geschäftspolitik einen „New York Times Deathwatch“ begann, den er fortsetzen wollte, „bis der letzte Sulzberger das Gebäude verlässt“. Womöglich glaubt Andreessen, dieses Ereignis mit Hilfe von Blog-Verlagen beschleunigen zu können.

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