Winzer-Aufstand gegen „Gault Millau“

Neben dem Magazin "Feinschmecker" und dem Weinführer "Eichelmann" gilt der "Gault Millau" als wohl renommiertester Deutscher Wein-Guide. Um die neue Ausgabe gibt es jedoch jetzt mächtig Ärger: 14 Top-Winzer lehnen ein Erscheinen in dem Wein-Guide ab. Als Produktionskostenzuschuss werden die Produzenten gebeten eine Teilnahmegebühr von 195 Euro zu zahlen. Deshalb sehen die Winzer die Unabhängigkeit des Testurteils der "Bibel des deutschen Weins" ernsthaft in Gefahr.

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Hintergrund des Zwistes ein Brief des Christian Verlag, der den „Gault Millau“ verlegt. Vor rund einem Monat ging ein Schreiben an 900 Winzer raus, in dem sie gebeten werden sich mit 195 Euro an der Herstellung zu beteiligen. Als Gegenleistung sollen die Winzer zwei Belegexemplare, Urkunden und Aufkleber erhalten.

Seit Wochen wird unter den Wein-Produzenten kontrovers über die Bitte des Verlags diskutiert. 14 der rennomiertesten Winzer haben sich nun an die Spitze der Verweigerer gesetzt und angekündigt nicht zu zahlen. „Ich kann doch nicht Geld bezahlen, damit ich beurteilt werde“, zitiert Sueddeutsche.de den Pfälzer Werner Knipser, 2008 beim Gault Millau noch „Winzer des Jahres“. Wenn Geld für Wein-Journalismus fließe, sei das „anrüchig“, da könne man sich ja gleich „seine Beurteilung kaufen“. Knipser und seine 13 Mitstreiter wollen „das mal öffentlich machen und es der breiteren Winzerschaft zur Diskussion vorzulegen“. Sein Fazit: „So kann es nicht weitergehen.“
Der Christian Verlag sieht im Moment „keine Veranlassung“ den ursprünglichen Brief komplett zurückzuziehen, wie Verleger Clemens Hahn in einem Gespräch mit dem Drinktank.blogg.de sagt. Wichtig ist den Münchnern dagegen vor allem die Feststellung, dass die redaktionellen Wein-Bewertungen unabhängig von der Kostenbeteiligung seien.
Darüber hinaus verrät Hahn in dem Interview, dass bereits „deutlich über 50 Prozent der angeschriebenen Betriebe das Angebot des Verlages angenommen“ hätten. Eine Quote, die sogar die Erwartungen des Verlagsmanagers übertrifft.
Währenddessen rechnet die „Rhein-Neckar-Zeitung“ schon mal vor: „Der ‚Gault Millau‘ erscheint in einer Auflage von etwa 20.000 bei einem Preis von 30 Euro. Das ergibt einen Umsatz von rund 600.000 Euro.“ Die Tageszeitung geht davon aus, dass der Verlag von dem Umsatz, abzüglich Händlerspanne, rund 400.000 behält. „Wenn nun 900 Winzer 195 Euro zahlen, wäre das ein Zuschuss von immerhin 175.500 Euro.“
Ob es dem Christian Verlag noch gelingt, die Winzer umstimmen ist fraglich. Knipser sagte gegenüber Sueddeutsche.de: „Ich würde sagen, wir machen dieses Jahr alle nicht mit“.

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