Roger Federer und die Unsportlichkeit der Sonntags-„FAZ“

Einen Teil meines Sonntagmorgens verbringe ich gewöhnlich mit der Lektüre der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. So auch gestern. Den Großteil des Nachmittags saß ich dann vor dem Fernseher, sah den Wimbledon-Finalkrimi – und ärgerte mich über die Sonntags-FAZ. Denn die hatte das Tennismatch als TV-Tagestipp mit einem reichlich unsportlichen Text versehen. So fragt sich eingangs der […]

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Einen Teil meines Sonntagmorgens verbringe ich gewöhnlich mit der Lektüre der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. So auch gestern. Den Großteil des Nachmittags saß ich dann vor dem Fernseher, sah den Wimbledon-Finalkrimi – und ärgerte mich über die Sonntags-FAZ. Denn die hatte das Tennismatch als TV-Tagestipp mit einem reichlich unsportlichen Text versehen.
So fragt sich eingangs der Autor oder die Autorin (und wohl nur der oder die), was wohl dem 1992 verstorbenen französischen Filmkritiker Serge Daney zum Spiel Roger Federers eingefallen wäre,  der – so wörtlich – „heute Andy Roddick besiegen wird und doch, wie in Paris, den langen Schatten nicht loswerden wird, den der abwesende Rafael Nadal wirft bis zum nächsten Duell in der Sonne.“
Mal abgesehen davon, dass es nicht wirklich professionell ist, den Ausgang eines Matches in einer Zeitung mit Redaktionsschluss einen Tag vor dem Spiel vorwegzunehmen: Hier wird im TV-Tipp ein Event zur Nichtigkeit erklärt, weil der Vorjahressieger beim Turnier gefehlt hat. Wer das phantastische Finale zwischen Roger Federer und Andy Roddick mitverfolgt hat (hoffentlich auch der FAZ-Tippschreiber), weiß, wie meilenweit die Einschätzung von der Realität auf dem Rasen von Wimbledon entfernt war.
Dass Roger Federer Wochen nach seinem historischen Sieg in Paris, wo er in den Kreis der Handvoll Spieler aufrückte, die alle vier Grand Slam-Turniere gewinnen konnten, mit seinem 15. Grand Slam-Titel bester Spieler aller Zeiten ist und nebenbei auch die Führung in der Weltrangliste zurückeroberte, kommentierte der britische „Independent“ heute so: „Federers zweites Rendezvous mit der Unsterblichkeit“ – wie eindrucksvoll anders klingt das im Vergleich zum nörgeligen Vorab-Verriss in der FAZ am Sonntag.

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