Google-Chef: „Wir haben eine Mission“

Google-Chef Eric Schmidt hat der englischen Ausgabe des Internet-Magazins "Wired" ein langes Interview gegeben, in dem er ausführlich zu Googles Ideen für künftige Geschäftsmodelle, Kritik von Datenschützern und Konkurrenten Auskunft gibt. Schmidts positive Kern-Botschaft: "Die Finanzkrise liegt hinter uns, von jetzt an geht‘s bergauf." MEEDIA fasst die umfassenden Thesen von Google-CEO Schmidt zusammen.

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In typisch US-amerikanischer Hemdsärmeligkeit erklärt Googles CEO Eric Schmidt in der bemerkenswerten „Wired UK“-Titelstory die aktuelle Finanzkrise für beendet. „Und obwohl ich auch noch nicht weiß, wie die Erholung aussehen wird, wir haben den Boden erreicht“, so Schmidt. Von nun an gehe es wieder bergauf. Der Weg aus der wirtschaftlichen Depression liege in Innovation, sagt Schmidt. Man müsse neue Dinge erfinden, und zwar nicht nur in der Technologie-Branche. Und er schlägt gleich den Bogen zur eigenen Firma Google: „Wir haben eine ganze Menge Innovationen in der Mache.“ Im folgenden einige übersetzte Auszüge aus der langen und lesenswerten Titelstory der UK-Ausgabe von „Wired“ mit dem Titel „The unstoppable Google“:

Eric Schmidt über…

…den Erfolg von Twitter:

„Twitter ist ein sehr wichtiges, aktuelles soziales Phänomen. Es ist sehr erfolgreich. Wir denken das ist gut so, denn das bedeutet, dass Leute mehr und mehr Zeit online verbringen. Ich sehe da nichts Negatives.“

…über Facebook als Konkurrenz:

„Wir profitieren alle, wenn Facebook oder Twitter mehr Nutzer bekommen. Das bedeutet, dass Leute mehr Zeit online verbringen. Dafür brauchen Nutzer eine geeignete Internetsuche, und darin sind wir richtig gut.“ Im Online-Anzeigengeschäft, so argumentiert Schmidt, gehe es nicht darum, dass ein Anbieter einem anderen etwas wegnimmt. „Anzeigenkunden stecken ihr Geld in die effektivsten Return-on-Investment-Techniken. Also, wenn zum Beispiel Yahoo und Google exzellente Anzeigen-Systeme haben, werden Werbekunden Geld in beide Systeme stecken. Ich benutze keine alten Industrie-Begriffe. Das Internet ist ein Modell der Allgegenwärtigkeit, keines der Knappheit.“

…über Googles Mission:

“Wir haben keinen großen Plan. Wir haben keinen Fünf-Jahres-Plan, wir haben keinen Zwei-Jahres-Plan, wir haben keinen Ein-Jahres-Plan. Wir haben eine Mission und eine Strategie. Die Mission besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren. Die Strategie, die wir haben, um das zu erreichen, ist Innovation. Es kümmert uns nicht, wenn etwas nicht funktioniert, weil wir wissen, dass dann etwas anderes funktionieren wird.“

…über die Zukunft der Internet-Suche:

Hier gibt Schmidt einen Hinweis darauf, dass sich Google viele Gedanken über eine so genannte semantische Internetsuche macht. Also eine Suchmaschine, die die Fragen der Nutzer wirklich versteht und nicht bloß Inhalte katalogisiert. „Würden Sie zu Google gerne sagen: Was soll ich morgen machen? oder Wo sind meine Autoschlüssel? Wir stehen erst am Anfang, die wirklich schwierigen Fragen zu beantworten. Wir sind sehr gut im Katalogisieren und Indizieren von Inhalten, die geschrieben wurden. Aber was ist mit Bedeutung? Was ist damit wirklich gemeint? Dies sind sehr sehr große Probleme und Suche ist der Weg, diese Probleme anzugehen.“

… über Googles Schwachstellen:

„Zunächst einmal sind wir abhängig von den gezielten Textanzeigen. Falls die gezielten Anzeigen einmal weniger erfolgreich werden, werden Leute weniger darauf klicken. In unserem März-Quartal haben wir das gesehen. Die Leute haben weniger auf Anzeigen geklickt oder, falls sie geklickt haben, haben sie weniger gekauft. Sie haben weniger Geld.“ Schmidt dreht den Rückgang in Klickraten, der sich bei Google direkt in sinkenden Umsätzen niederschlägt aber gleich ins Positive. Dies zeige doch, sagt Schmidt, dass das Auktionsprinzip von Google, bei dem der Anzeigenpreis durch Angebot und Nachfrage festgelegt werde, funktioniert. Also: Sobald die Wirtschaft wieder anzieht und die Leute wieder mehr Geld in der Tasche haben, so die Google-Schmidt-Logik, werden die Klickraten und damit die Google-Umsätze wieder steigen.

… über Googles größte Konkurrenten:

„Offensichtlich machen wir uns Sorgen wegen Microsoft wegen ihrer Monopolstellung im Software-Markt und ihrem Browser.“ Schmidt gab zu, dass Google auch Microsofts Versuche im Such-Geschäft aufmerksam verfolgt. Außerdem befinde sich Google im täglichen Wettbewerb mit Yahoo. Dass Google selbst ein Such- und Online-Anzeigen-Monopolist sei, will Schmidt nicht gelten lassen: „Denken sie nur, wie einfach es wäre, von Google zu einem Wettbewerber zu wechseln. Das ist ein sehr wettbewerbsintensiver Markt. Wettbewerbsintensiv in einer Weise, dass es keine Möglichkeit für uns gibt, die Kunden zu halten, wenn wir etwas vermasseln. Wir müssen uns jeden Kunden verdienen.“

… über den Schutz der Privatsphäre von Online-Nutzern:

„Der Europäische Markt ist besonders besorgt wegen der Privatsphäre. Aber es gibt bereits Regularien zum Schutz der Privatsphäre in den Gesetzen. Die werden von uns befolgt. Wie entscheiden wir, wie lange man Logfiles archivieren sollte? Die Antwort ist: Wir entscheiden das gar nicht, Regierungen tun dies und wir befolgen das Gesetz.

… über Googles nächstes großes Geschäft:

Das „Next big thing“ bei Google werden vermutlich Display-Anzeigen sein, meint Schmidt. YouTube sei sehr stark im Bereich der Display-Anzeigen und dafür habe Google schließlich auch DoubleClick gekauft. An erster Stelle des Zukunfts-Geschäfts setzt Schmidt also Display-Anzeigen im Internet, an zweite Stelle Mobil-Werbung: „Wegen der Dimensionen von Mobil und weil es so schnell geschieht.“

… über die Print-Krise:

„Wir wissen nicht, wie man mit diesen Zeitungs-Problemen und deren Anzeigen-Verlusten umgeht“, sagt Schmidt. Wenn er eine Lösung hätte, würde er sie anbieten. Er sei trotzdem optimistisch, dass das traditionelle Nachrichten-Geschäft gerettet wird – wenn auch in anderer Form als heute. „Das fundamentale Problem besteht darin, dass die Nachrichten-Industrie diesen seltsamen Handel hat, in dem Print-Anzeigen und Kleinanzeigen investigative Berichterstattung bezahlen. Das ist sehr wertvoll und teuer, aber im Umfeld von ‚Mord‘ oder ‚Krieg‘ lässt sich schwer Werbung platzieren.“ Aber Schmidt verspricht Linderung für die geplagte Print-Branche – natürlich mit Googles Hilfe. Die nächste Generation von Online-Display-Anzeigen, die bei DoubleClick entwickelt werde, sei wahrscheinlich sehr viel lukrativer für Zeitungen.

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