Tour de Doping: TV sendet bis 80 Minuten

Die Zeiten, in denen stundenlange Live-Übertragungen der Tour de France zu den traditionellen Nachmittagshöhepunkten eines deutschen Sommers gehörten, sind vorbei. ARD und ZDF zeigen zwar die am Samstag beginnenden Frankreichrundfahrt, doch nur noch in abgespeckter Form von täglich 60 bis 80 Minuten. Die letzte halbe Stunde jeder Etappe ist live. Damit rücken die beiden Sender endgültig von ihren Überlegungen ab, ganz oder teilweise auf eine Live-Berichterstattung zu verzichten.

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Im vergangenen Jahr hatten die Sender erwogen, ganz aus der Live-Berichterstattung von dem weltgrößten Radsport-Spektakel auszusteigen. Hintergrund waren zahllose Verstöße gegen das Dopingverbot. Im Oktober 2008 ließ der damalige ARD-Intendant Fritz Raff verlautbaren: „Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle erheblich reduziert“ und begründete damit einen absoluten Ausstieg aus der Live-Berichterstattung über die skandalbehaftete Tour de France.

Mit der reduzierten Berichterstattung hat sich vor allem die ARD rechtlichen Verpflichtungen gebeugt. Der Senderverbund hatte ursprünglich dementiert, dass ein rechtsgültiger Vertrag über die Übertragung des Sportereignisses mit der Europäischen Rundfunkunion EBU existiere.

Während der Übertragung wollen sowohl ZDF, als auch ARD ein besonderes Augenmerk auf die Doping-Problematik legen. Beide Sender reisen diesmal mit mehreren Fachredakteuren an. „Wir werden keinen VHS-Kurs Doping machen, aber genau beobachten, was passiert“, erklärte ARD-Teamchef Roman Bonnaire gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Bonnaire und seine Vorgesetzten legen sich bereits im Vorfeld fest, auf jeden Fall weiterzusenden – selbst wenn sich die Dopingfälle wieder häufen. „Es gibt kein Ausstiegsszenario“, versicherte Bonnaire. Nach der positiven Dopingprobe von Patrik Sinkewitz waren ARD und ZDF vor zwei Jahren noch aus der Übertragung ausgestiegen. Damals übernahm Sat.1 die Berichterstattung.

Im Zuge der Sendezeitverringerung schicken die Sportredaktionen auch deutlich weniger Personal nach Frankfreich. Die ARD (Florian Naß) und auch das ZDF (Peter Leissl) werden nur noch einen Reporter einsetzten. Darüber hinaus verzichten beide Sender auf ehemalige Rad-Profis als TV-Experten. Auf stimmungsvolle Landschaftsbilder vom Streckenrand werden die deutschen Radsport-Fans allerdings nicht verzichten müssen.

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