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Joost: Das Scheitern des Video-Pioniers

Es ist das dicke Ende eines echten Internet-Stars: Joost.com, eines der meistbeachteten Startups der Web 2.0-Ära, gibt das Kundengeschäft auf und beschränkt sich mit einer Rumpf-Mannschaft auf die Lizenzierung der eigenen Software. Die Gründer Niklas Zennstrom und Janus Friis, zuvor mit Skype und Kazaa erfolgreich, waren einst angetreten, die TV-Welt zu revolutionieren. Stattdessen ist Joost an YouTube, Hulu & Co gescheitert - und an der falschen Web-Strategie.

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So schnell kann es gehen: Im Jahr 2006 war Joost das erste Web-Unternehmen, das Lizenzverträge mit Playern wie CBS und Viacom abschloss. Die Zukunft des Bewegtbilds, so viel schien klar, lag im Internet.

Joost setzte dabei auf die sogenannte „peer-to-peer“-Technik, die allerdings einen lästigen Download erforderte. Erst YouTube, später Hulu.com gingen mit der flash-basierten Einbindung einen anderen Weg, mit der User Videos bequem im Browser sehen konnten. Die Folge: YouTube und Hulu.com zogen auf dem Feld werbefinanzierter Streaming-Portale an Joost vorbei.

Als Konsequenz gab der amtierende CEO Mike Volpi seine Demission, massive Kündigungen und die Reduktion auf das Software-Geschäft bekannt. „Diese letzte Hoffnung ist alles andere als vielversprechend“, hielt TechCrunch-Gründer Michael Arrington dann auch umgehend einen Abgesang.

„Fühlen uns verpflichtet, unseren Kunden das zu bieten, was sie verlangen“

Selbst die engste die Führungsmannschaft scheint von den plötzlichen Kurswechsel überrascht zu sein. Noch in der vergangenen Woche äußerste sich Joost-Vizepräsident Stacey Seltzer wie folgt gegenüber MEEDIA:

„Wir befinden uns in einem dynamischen Business und fühlen uns verpflichtet, unseren Kunden das zu bieten, was sie verlangen. Denn die Zuschauer, das sieht man auf den ersten Blick, finden und empfehlen das Programmangebot, das sie sehen wollen. Für unsere Content-Partner und Werbekunden ist dies das Publikum, das sie suchen. Darum arbeiten wir jeden Tag daran, mit unserer Erfahrung sicherzustellen, unseren Nutzern und Partnern eine globale Basis anzubieten, die sie wirklich haben möchten.“

Wie es scheint, wollten die Nutzer am Ende jedoch etwas anderes.

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