ARD beendet „Eine für alle“ vorzeitig

Es kam wie es nach den Gesetzen von Logik und Quote kommen musste. Die ARD setzt ihre viel gescholtene und wenig geschaute Vorabend-Serie „Eine für alle“ vorzeitig ab. Statt der geplanten 200 Folgen, werden nur 100 produziert und gezeigt. Die letzte Folge der platten Schweißerinnen-Saga läuft voraussichtlich am 14. Oktober. Die ARD legte auf dem Vorabendsendeplatz werktags um 18.50 zuletzt Flops in Serie hin.

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Egal ob „Das Beste aus meinem Leben“, „Zwei Engel für Amor“, „Sophie – Braut wider Willen“, ein Dating-Format oder die unsägliche Schmink-Show mit Bruce Darnell – auf dem Sendeplatz kurz vor 19 Uhr gelingt der ARD seit der Reihe „Berlin, Berlin“ kein Quoten-Hit. Selbst die Serie „Türkisch für Anfänger“ war kein Quoten-Renner und blieb regelmäßig unter Senderschnitt. Aber wenigstens war die Reihe ordentlich gemacht und von der Kritik gelobt. „Eine für alle“ ist dagegen ein Totalausfall. Selten haben Kritiker und Zuschauer eine Sendung so einhellig abgelehnt.

Stefan Niggemeier machte sich in der „FAZ“ über Anschlussfehler lustig: „ Als Zeitvertreib können Sie versuchen, das Wetter in der jeweils nächsten Szene zu erraten. Faustregel: Wenn die Sonne richtig durch die Studiofenster zu knallen scheint, kommt garantiert gleich jemand aus einem Schneesturm rein.“ Die „Frankfurter Rundschau“ konstatierte „stereotype, mitunter peinliche Figuren“, die „Neue Westfälische“ schrieb: „Dass die Herzschmerz-Serie unter Hochdruck umgesetzt wurde, merkt man unter anderem daran, dass technische Stilelemente wie geteilter Bildschirm und kitschige Traumsequenzen sehr inkonsequent verwendet werden. Das stört freilich weniger als die vielen Klischees und abziehbildhaften Figuren.“ Und so weiter und so fort.

Die Häme der Kritiker hätten die ARD-Oberen, allen voran Programmdirektor Volker Herres und die beim ausführenden Bayerischen Rundfunk für Serien verantwortliche Bettina Reitz, gewiss noch verschmerzt, wenn da nicht die Sache mit der Quote wäre. „Eine für alle“ will nämlich kaum einer sehen. Die Serie startete miserabel und fiel bei den Zuschauerzahlen von da an ins Bodenlose.

Reitz erhoffte sich dauerhaft einen Marktanteil von rund 10 Prozent, das wäre in etwa das Niveau von „Türkisch für Anfänger“ gewesen. Tatsächlich reichte es nur für äußerst magere 5,1 Prozent im Gesamtpublikum. Zum Vergleich: Der ARD-Senderschnitt liegt bei knapp 13 Prozent. Dabei ließe sich um diese Zeit noch schön Werbung verkaufen. Wenn man denn Zuschauer hätte.

Dabei hat sich die ARD das erneute Fiasko am Vorabend selbst zuzuschreiben. Bereits zum Start der Serie wurde geunkt, wann sie wohl vorzeitig eingestellt werden wird. Zu plump war das Drehbuch, zu platt die Charakter, zu stümperhaft die Ausführung. Eine „Dramedy“ sollte „Eine für alle“ werden. Eine innovative Mischung aus Drama und Comedy. Die Witze haben andere gemacht. Für die ARD blieb nur das Drama übrig. Für die Suche nach einem geeigneten Format für den Vorabend heißt es nun wieder: Zurück auf Los.

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