So kam Heinz Bauer in den „Spiegel“

War das "Spiegel"-Interview mit Verleger Heinz Bauer der Ersatz für eine zurückgehaltene Geschichte über sein familiengeführtes Zeitschriften-Imperium? Hans-Jürgen Jakobs, Online-Chef der "SZ", weiß zu berichten, dass in der Pfingstausgabe des Nachrichtenmagazins eine Bauer-Story mit dem Titel "Eine schrecklich nette Familie" kurzfristig ausgetauscht wurde. Der Bauer-Verlag dementiert, die "Spiegel"-Chefredaktion äußert sich sybillinisch – doch nach MEEDIA-Informationen liegt die "SZ" richtig.

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Der Streichung vorausgegangen war, laut „SZ“, ein Telefonat zwischen Bauer-Sprecher Andreas Fritzenkötter und „Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo. Fritzenkötter verneint die These, das Interview sei damals verabredet worden: Die Idee habe schon vor Pfingsten bestanden. Es sei anlässlich der Inthronisierung von Yvonne Bauer geplant gewesen.
Auf Anfrage der „SZ“ teilte Mascolo mit: „Der Spiegel berichtet, was er für berichtenswert und belegbar hält. Das gilt auch für den Bauer-Verlag. Es gilt also: Warten wir es ab.“ Was immer das heißen soll: Tatsache ist, dass an der Brandstwiete Unmut über die Entscheidung der Chefredaktion herrscht, einen konkurrenz-kritischen Artikel zu kippen. Nach MEEDIA-Informationen aus Insider-Kreisen ist die Version der Fritzenkötter-Intervention stichhaltig.
Immerhin „durfte“ Autorin Isabell Hülsen das Bauer-Interview dann gemeinsam mit Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron führen und dabei auch eine ganze Reihe von kritischen Fragen nach Umgangsstil, der Stimmung im Nachbar-Verlag und dem vermeintlichen „Schmuddel-Image“ stellen. Verleger Bauer reagiert darauf pikiert: „Ich bin erstaunt, dass der ‚Spiegel‘ sich auf dieses Fragenniveau begibt.“
In der Tat scheint der Umgang des Nachrichten-Magazins mit Medien-Geschichten etwas willkürlich. Beobachter registrieren seit eineinhalb Jahrzehnten, dass etwa mit Helmut Markworts „Focus“ ein Nichtangriffspakt zu herrschen scheint. Über die Schlagzeilen, die der süddeutsche Rivale auch in eigener Sache produzierte, schwieg sich der „Spiegel“ stets aus – wie auch umgekehrt.
Dagegen scheint der Springer-Verlag wie sein Vorstandschef Matthias Döpfner ein beliebtes „Ziel“ der Berichterstattung zu sein, ebenso die meisten Fernsehsender – da kann man ja nichts falsch machen. Johannes B. Kerner, dessen Sendung eine Spiegel-Tochter produziert, konnte sich dagegen darauf verlassen, von der „Spiegel“-Medienredaktion freundlich (das heißt: nicht) behandelt zu werden. Der langjährige Chefredakteur Stefan Aust hatte hierzu die Devise ausgegeben, dass man über diejenigen nicht berichtet, „mit denen man Geschäfte macht“. Dies galt und gilt wohl für Kerner, nicht aber für Bauer. Fest steht, dass Medienberichterstattung bei Deutschlands Magazin Nummer eins immer eine verlagspolitische Komponente hat – der Leser muss das ja nicht unbedingt verstehen.
 „SZ“-Redakteur Jakobs, ehemals Chef der Medienseite, übernimmt übrigens bei der Gelegenheit der Aufklärung der Umstände die ursprüngliche Idee der „Spiegel“-Story und liefert klatsch-gesättigte Interna („die Bauer-Frauen treten gerne in der Gruppe auf“) aus dem Hamburger Verlag.

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