Medien fallen auf alte Jackson-Fotos rein

Publishing Mit dieser Meldung landete Focus Online einen Coup - dachte man zunächst. Am Montag enthüllten die Münchner, dass "Bild" bei der Schlagzeile einem Betrüger zum Opfer gefallen ist. Die angeblich aktuellen Fotos, die das Blatt zur Headline "Michael Jackson Stunden vor seinem Tod: Da tanzte er noch auf dem Tisch" druckte, stammen von 2003. Verbreitet hatte die Fotos eine als seriös geltende Berliner Agentur. Kurios: Auch Focus Online hatte Bilder und Geschichte veröffentlicht, dies aber in der ersten Fassung der Medienmeldung verschwiegen

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Etliche Medien, zum Beispiel auch die „Frankfurter Rundschau“, „Welt“, aber auch TV-Sender brachten die angeblich exklusiven neuen Fotos. Die Schlüsse, die die textenden Redakteure aus den Tisch-Tanz-Bilder zogen, waren allerdings ebenso falsch wie das behauptete Datum der Fotos, die offenbar aber zuvor noch nie publiziert worden waren.
„Bild“ & Co. hatten die Fotos als Dokumente präsentiert, die zeigen sollten, wie fit der in der Nacht zum Freitag verstorbene Popstar kurz vor seinem Tod noch gewesen sei. Angeblich waren sie bei Proben zu Jacksons ab Juli geplanten Tournee unter dem Titel „This is it“ in Los Angeles aufgenommen worden. Ein Mitarbeiter der Berliner Agentur Reflex, die die Fotos in Umlauf gebracht hatte: „Uns allen ist fürchterlich schlecht, so etwas ist noch nie passiert.“
Dass der King of Pop am Ende seines Lebens nur noch 50 Kilo gewogen haben soll und auch im Gesicht nach den letzten Operationen ganz anders aussah, weckte schnell Zweifel bei Fans und Lesern, ebenso wie der Umstand, dass Jackson – anders als auf den Fotos – zuletzt nur noch mit Sonnenbrille gesichtet wurde. Dies hätte eigentlich zuvor auch die Redaktionen misstrauisch machen müssen. Dennoch ging die „Bild“-Titelstory in den Druck, sowie „Welt“, „Berliner Morgenpost“. Aber eben auch Focus Online veröffentlichten die „Ente“.
Wie es dazu kommen konnte, erklärte Michael Symanowski auf Anfrage von Focus Online. Reflex hatte die Bilder in den USA gekauft: „Unser Lieferant Alex Byrne ist eigentlich sehr zuverlässig“, so Symanowski, „ich bin mir sicher, dass auch er hereingelegt wurde.“ Byrne war bis zum Nachmittag nicht erreichbar. Ob er eine Erklärung liefern kann, steht noch aus.
Warum Focus Online bei der Meldung zunächst nicht erwähnte, dass das Haus selbst von dem Betrugsfall betroffen war, ist unklar. Offenbar hatten die Münchener die eigene Geschichte unmittelbar vor der Veröffentlichung der Mediengeschichte über die Konkurrenten von der eigenen Site genommen. Merkwürdig auch: In der ersten Version war noch enthalten, dass die Mitarbeiter von Reflex wie die „Bild“-Redakteure den „Trähen nahe“ sein dürften. Auf diesen Zusatz verzichtete man in einer zweiten Version aus nahe liegenden Gründen, denn in dieser räumte Focus Online kleinlaut ein Fotos und falsche Interpretationen selbst verbreitet zu haben. Offenbar war man Focus Online durch einen Hinweis der Agentur erst darauf aufmerksam geworden, dass mit den Fotos etwas faul war.
„Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich gegenüber MEEDIA: „Wir sind einem Betrug aufgesessen und prüfen nun juristische Schritte.“

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