Cannes: 51 Löwen für Deutschland

Weniger Teilnehmer, weniger Preise: Das 56. Cannes Lions International Advertising Festival ist von der Werbekrise gezeichnet. Agenturen müssen sparen, viele verzichten auf die Teilnahme an der wichtigen Branchen-Veranstaltung. Gleichzeitig ist der Anteil von Online-Kampagnen weiter gewachsen. Die deutschen Teilnehmer zeigten sich mit insgesamt 51 Löwen überraschend stark. Klarer Sieger der Cannes-Woche ist aber Barack Obama: Seine Präsidentschaftskampagne wurde mit zwei Top-Preisen ausgezeichnet.

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Am letzten Festival-Tag gab es für Deutschland noch einmal fünf Löwen. Vier gab in Film-Wettbewerb und einem Integrated-Preis.
Der Integrated Lion ging an die Berliner Agentur Heimat, ihre Kampagne „Haus der Vorstellung“ für die Baumarkt-Kette Hornbach wurde mit einem Silbernen Preis ausgezeichnet.

Außerdem gingen vier Film-Lions an Wettbewerbsteilnehmer aus Deutschland – ein guter Schnitt bei zehn Nominierungen. Mit silbernen Löwen wurden Arbeiten von Serviceplan und Jung von Matt ausgezeichnet. Die Hamburger Agentur hatte den Film „Gas Station“ von Cobblestone für Sanyo Video Vertrieb eingereicht, JvM – ebenfalls Hamburg – für ihren Mercedes-Benz-Clip „Dreams“. Zwei weitere bronzene Löwen erhielten Grabarz & Partner für ihren Werbespot für Volkswagen („Parking“) und Scholz & Friends in Berlin für den Loewe-Spot „Remote Control“. In der Kategorie Film vergab die Jury insgesamt 88 Preise, 19 weniger als im Vorjahr.

Der Hauptgewinner der diesjährigen Cannes Lions heißt Barack Obama. Seine Werbekampagne mit seinem Vize Joe Biden, die ihm den Einzug ins Weiße Haus verschaffte, ist bei den Cannes Lions International Advertising Awards gleich mit zwei Grands Prix in den Kategorien Integrated und Titanium ausgezeichnet worden – zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals. Gewürdigt wurde die meisterhafte Kombination von Neuen Medien, Bürgernähe und intelligentem Einsatz traditioneller Fernsehwerbung. In den Königsdisziplinen Integrated und Titanium werden Arbeiten prämiert, die in hervorragender Weise verschiedene Disziplinen und Medienkanäle kombinieren beziehungsweise wegweisende Formen der Werbung darstellen.

Zwei goldene Löwen, ebenfalls in den beiden Kategorien, erhielt die südafrikanische Agentur TBWA/Hunt/Lascaris Johannesburg; sie warb mit Plakaten aus buchstäblich wertlosen simbabwischen Geldscheinen für die Mugabe-kritische Zeitung „The Zimbabwean“.

Die Krise der Werbewirtschaft schlägt sich deutlich auf das Cannes Lions Festival nieder: Der Schwund der Teilnehmer beträgt nach eigenen Angaben 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „In Wahrheit dürfte dieser jedoch deutlich höher sein“, schreibt Persoenlich.com. Der Branchendienst berichtet, dass vor allem auch die Seminar-Reihen von dem Rückgang betroffen sind.

Auf die Stimmung drückt die Krise dennoch nicht. Fernando Vega Olmos, Kreativchef von JWT in Südamerika, brachte es in seinem optimistischen Referat auf den Punkt: „Noch nie war es in der Werbung so spannend. Krisen spielen im Finden von wegweisenden Ideen eine entscheidende Rolle.“

Das Festival verzeichnete auch einen Wendepunkt hinsichtlich der neuen Medien: Noch nie war der Anteil von Online-Kampagnen und Interaktivität so groß wie bei den diesjährigen Cannes Lions. Laut Persoenlich.com komme „das Internet in praktisch allen Kategorien irgendwie zum Einsatz“.
Die deutsche Werbewirtschaft präsentierte sich in Frankreich als Krisengewinner. So gab es 2009 insgesamt 51 Löwen. Im Jahr zuvor konnten die einheimischen Kreativen zwar 54 Auszeichnungen mitnehmen, doch in Anbetracht der Verringerung der Awards ist das diesjährige Ergebnis wohl höher einzuschätzen. Erfolgreichste Agentur aus Deutschland war DDB. Insgesamt gab es für sie neun Löwen (einmal Gold, dreimal Silber und fünfmal Bronze).

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