Sie sind unter uns: Zeitschriften-Zombies

In der aktuellen Krise mussten wir uns schon von mancher Zeitschrift verabschieden. „Vanity Fair“, „Park Avenue“, „Tomorrow“, „Amica“, „Young“ – um nur einige zu nennen. Meist werden die dahingeschiedenen Titel in Frieden gelassen. Manchmal aber entwickeln sie nach dem Zeitschriften-Tod ein beunruhigendes und entwürdigendes Eigenleben. Sie mutieren zu… Zeitschriften-Zombies. Aktueller Fall: „Maxim“. Das zuletzt notorisch […]

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In der aktuellen Krise mussten wir uns schon von mancher Zeitschrift verabschieden. „Vanity Fair“, „Park Avenue“, „Tomorrow“, „Amica“, „Young“ – um nur einige zu nennen. Meist werden die dahingeschiedenen Titel in Frieden gelassen. Manchmal aber entwickeln sie nach dem Zeitschriften-Tod ein beunruhigendes und entwürdigendes Eigenleben. Sie mutieren zu… Zeitschriften-Zombies. Aktueller Fall: „Maxim“. Das zuletzt notorisch erfolglose Jungmänner-Heft wurde zunächst von Axel Springer an Marquard Media weitergereicht und dort im März zu Grabe getragen. Wie kress.de berichtet, soll der Titel nun am 16. Juli als Wiedergänger am Büdchen auftauchen. Der „Erotikfachmann“ Robert Gabor habe mit seinem ungarischen Verlag GLM die Lizenz übernommen und wolle „Maxim“ für 3,90 Euro unter dem Claim „Enter the Men‘s Club“ neu auflegen. Da befindet sich der eigentlich schon entschlafene Titel in zwielichtiger Gesellschaft.

Gabors GLM hat der Bauer Media Group auch deren Nackt-Heftchen „Praline“ abgenommen, als die Bauers keine Lust mehr hatten. Weitere Titel aus dem GLM-Portfolio: „Ladies 40plus“, „Genial obszön“, „Frech & Frivol“. Jetzt ist „Maxim“ also auf dem Zombie-Friedhof der lebenden Zeitschriften-Leichen angekommen. Armes Heft. „Maxim“ ist mit diesem Schicksal nicht alleine. Als Axel Springer bei der Frauenzeitschrift „Allegra“ den Stecker zog, schnappte sich Jens Eichler (noch ein Erotik-Fachmann) die Lizenz und brachte den Titel ein paar Mal in Eigenregie heraus, bevor den Titel erneut zu Grabe trug – via Insolvenzverfahren. Bei Springer war Jemand die Sache dann immerhin peinlich genug, dass man die „Allegra“-Lizenz zurückkaufte.

Der krasseste Fall einer Zombie-Zeitschrift ist aber nach wie vor die deutsche „Penthouse“-Ausgabe. Als der deutsche Lizenzehmer, des Unten-Ohne-Blattes, Carlo Frey jr., entnervt aufgab, übernahm der Düsseldorfer Jungverleger Benjamin Wördehoff. Es begann ein beispielloser Zug durch Klein- und Kleinstverlage. Einer der neuen Chefredakteure hieß übrigens Jens Eichler, siehe „Allegra“. Im Mai ging der vorerst letzte Chefredakteur Kurt Molzer, der das Blatt zuletzt quasi im Alleingang vollgeschrieben hatte. Seither macht der Verlagsleiter der Münchner Mountains Publishing GmbH, wo „Penthouse“ gerade erscheint, den Job einfach mit. Hoffentlich bleibt „Maxim“ das „Penthouse“-Schicksal erspart.

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