Bauer: „Mäzenatentum ist nicht mein Ding“

Er gehört zu den wenigen großen Persönlichkeiten der Verlagsszene und ist dabei im Zweifel eher Kaufmann als Verleger geblieben. Dem "Spiegel" hat Heinz Bauer jetzt ein Interview gegeben, in dem er sein Erfolgsrezept so definiert: "Wir wollen unsere Leser nicht erziehen, sondern zerstreuen." 282 Titel gehören zum Portfolio des Hamburger Verlages, in dem inzwischen alle vier Töchter des 69-Jährigen in leitenden Funktionen eingebunden sind. Zurückziehen will sich Heinz Bauer aber noch lange nicht.

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„Ich habe mir kein spezielles Datum gesetzt“, so Bauer im Interview, „wann ich keine Lust mehr habe oder nicht mehr fit genug bin, weiß ich doch jetzt nicht.“ Dass die Beförderung seiner Tochter Yvonne in die Konzernleitung eine Festlegung auf seine Nachfolge sei, stimme nicht: „Ob das so bleibt, hängt auch von den Ambitionen der übrigen ab.“
Eine Richtungsentscheidung dürfte die Berufung dennoch sein. Denn wie schon sein Vater will Heinz Bauer eine klare Hierachie hinterlassen: „Ich bin der Meinung, dass man die Entscheidungsführung möglichst effektiv gestalten sollte.“ Er selbst hatte den Großteil des Verlages geerbt und sieht dies als Vorteil: „Das Prinzip hat sich bewährt, weil ich schnell entscheiden und hohe Risiken eingehen konnte. Ich möchte das genauso handhaben.“
Was heißt: „Meine Töchter werden alle beteiligt bleiben, aber nicht alle mit dem gleichen Anteil.“ Damit seien diese auch einverstanden. Allen Töchtern bescheinigt Bauer, „ihre Aufgaben im Verlag bisher gut zu erfüllen.“ Besonderes Lob erntet Yvonne: „Sie hat sich in den letzten Monaten bei der Umstrukturierung des Vertriebs und bei den Grossoverhandlungen verdient gemacht.“ Insgesamt ist ihm aber klar: „Ein leichtes Erbe treten sie nicht an. Sie haben alle Möglichkeiten, die Firma voranzubringen – und alle Möglichkeiten zu scheitern.“
Auf die wiederholten Fragen der „Spiegel“-Redakteure (darunter übrigens Chefredakteur Blumencron), ob er keine Probleme damit habe, dass nicht alle Titel jugendfrei sind und Bauer als „Billigheimer“ gelte, reagiert der Verleger leicht gereizt: „Billigheimer ist doch bloß ein Schlagwort, um unseren Erfolg herunterzureden.“ Und: „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir ein Schmuddelimage haben.“ Zuviel Anspruch ist in den Augen Bauers „praktisch ein Wettbewerbsnachteil“.
Hier scheint die Devise zu gelten, dass der Köder dem Fisch und nicht dem Angler schmecken muss: „Qualität heißt in meinen Augen, seine Zielgruppe zu erreichen und zufriedenzustellen.“ Bauer weiter: „Man ist nur so lange frei in seinen verlegerischen Entscheidungen, wie die Finanzen stimmen. Mäzenatentum ist nicht mein Ding.“ Und mit Blick auf die Trennung vom journalistischen Geschäftsführer Thomas Schneider: „Ein Verlag lebt zwar vom journalistischen Input, aber es ist eben nicht einfach, einen Journalisten in ein kaufmännisches Gremium zu integrieren.“ Denn Redakteure „unterwerfen sich nicht gern dem Zwang zur ökonomischen Logik.“
Bei der Bewertung der Marktchancen einzelner Titel hält sich Bauer zurück: „Mein Urteil gebe ich natürlich ab, aber langfristig ist es besser, sich nicht auf den persönlichen Instinkt zu verlassen, sondern Leute mit hoher Kreativität zu binden.“ Zugleich sei es wichtig, nicht alles zu delegieren: „Man braucht viel Detailwissen, um Verantwortung zu tragen.“ Ein Bekenntnis legt der 69-Jährige zur „offenen Unternehmenskultur“ ab: „Dazu muss man eine Atmosphäre schaffen, in der niemand Angst hat, dass Fehler gleich sanktioniert werden. Eine gewisse Fehlertoleranz gehört dazu.“

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