Michael Jacksons Tod – das Medienecho

Die Nachricht vom Tod Michael Jacksons ist in jüngerer Zeit wohl nur vergleichbar mit der vom Tod von Prinzessin Diana. Aber da gab es noch kein Web 2.0 und Twitter. Die Meldung von Jacksons Tod verbreitete sich weltweit in rasender Geschwindigkeit online. Zuerst meldete die US-Klatsch-Site TMZ den Tod. Deren Server brachen unter dem User-Ansturm mehrmals zusammen. Twitter spielte einmal mehr die Rolle des Web-Kommunikationskanals Nr. 1. MEEDIA zieht eine ausführliche Medien-Bilanz zur Nachricht vom Tod des "King of Pop".

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Internet-Nutzer versuchten offenbar, die Story, die zunächst nur bei TMZ.com zu finden wahr, online zu verifizieren. Die „LA Times“ berichtete auf ihrer Website zunächst, dass Jackson lediglich ins Koma gefallen sei, kurze Zeit später bestätigte die „LA Times“ seinen Tod. CNN setzte online die Meldung in die Welt, dass Jackson vor dem Transport ins Krankenhaus wiederbelebt worden sei, was sich als falsch herausstellte. Auch die Server von „LA Times“ und CNN waren zeitweise wegen der massiven Nutzeranfragen unerreichbar. Jede neue Nachricht erzeugte eine gewaltige Welle an Twitter-Botschaften, die wiederum massenweise Klicks auf die Sites zur Folge hatten. Der ganze Prozess, die Verbreitung der Nachricht, die Verunsicherung, ob sie zutrifft, lief in Echtzeit über Twitter. Meldungen und Kommentare überschlugen sich.

Twitter selbst erwies sich als relativ stabil. Der Micro-Blogging-Dienst schaltete aber seine Suchfunktion und die Trend-Anzeige ab, um dem massiven Nutzeransturm Herr zu werden. Allein CNN.com berichtete, dass die Nachricht vom Tod des „King of Pop“ für 20 Mio. Page Views innerhalb einer einzigen Stunde sorgte.

Twitter war der Online-Dienst, bei dem augenscheinlich die meiste Echtzeit-Kommunikation zur Nachricht von Jacksons Tod lief. Innerhalb kurzer Zeit äußerten sich dort zahlreiche Prominente zum Tod des Sängers. Arnold Schwarzenegger schrieb bei Twitter: „Wir haben einen großen Entertainer und eine Pop-Ikone verloren. Meine Gedanken und Gebete gehen zu Michael Jacksons Familie, seinen Freunden und Fans.“ Rapper P. Diddy twitterte: „Michael Jackson zeigte mir, dass man den Beat tatsächlich sehen kann. Er hat die Musik zum Leben erweckt! Er brachte mich dazu, an Zauberei zu glauben. Ich werde ihn vermissen!“ Auch Twitter-Freak Ashton Kutcher meldete sich zu Wort: „Rip Sende Liebe und Licht an Familie und Freunde aber besonders zu seinen Kindern.“

Zeitungen konnten den Tod des Sänger nur teilweise in ihre gedruckten Ausgaben aufnehmen. In Deutschland schafften es u.a. die „Rhein-Zeitung“ und die „Berliner Morgenpost“ die Nachricht von Jacksons Tod auf die Titelseite zu bekommen. Springers „Welt Kompakt“ konnte die Meldung des US-Dienstes TMZ.com vor Redaktionsschluss nicht verifizieren und titelte lediglich „Drama um Michael Jackson“. Auch bei „Bild“ reichte es bei vielen Ausgaben nur für die Zeile „Michael Jackson – Herzstillstand“. Die „Berliner Zeitung“ brachte eine kleine Meldung auf der Titelseite unter. Viele andere namhafte Zeitungen, von „FAZ“ bis „Süddeutsche Zeitung“ haben am Freitag gar keine Meldung zu den dramatischen Vorgängen um den Popstar in ihrem Blatt. Welche Zeitungen welche Geschichte auf dem Titel haben, lässt sich ausgezeichnet über die MEEDIA-Titelseiten-Galerie verfolgen.

Hier einige Auszüge der Berichterstattung verschiedener Medien zum Tod von Michael Jackson:

US-Medien

„LA Times“: Die „LA Times“ bezeichnet den Sänger als „unvergleichliche Figur in Musik, Tanz und Kultur, dessen sich stets wandelndes Gesicht die Cover von Alben geziert hat, die über eine halbe Milliarde Mal verkauft wurden.“

In einer ausführlichen Würdigung lässt die „LA Times“ Jacksons Leben und Karriere Revue passieren. Allerdings kommen auch die wirtschaftlichen Probleme zur Sprache, die sein überraschender Tod für den Konzertveranstalter AEG Live mit sich bringt, der Jacksons geplante Comeback-Tournee „This is it“ veranstalten wollte. AEG Live müsse nun Tickets im Wert von 85 Millionen Dollar zurück erstatten schreibt die Zeitung.

„New York Times“: Für seine „Legionen von Fans“ sei er der „Peter Pan der Pop-Musik“ gewesen, schreibt die „New York Times“. Seine ur-amerikanische Erfolgsgeschichte habe ihn vom musikalischen Wunder-Jungen zum globalen Pop-Superstar und schließlich zur traurigen Figur gemacht. Verfolgt von Klagen, Paparazzi und misslungener plastischer Chirurgie. Die „New York Times“ stellt den verstorbenen Jackson auf eine Stufe mit Elvis und den Beatles: „Es ist unmöglich, den kompletten Effekt zu beziffern, den Mr. Jacksons auf die Musik-Welt hatte.“ Jacksons langjähriger Produzent Quincy Jones wird zitiert: „Ich habe heute meinen kleinen Bruder verloren und ein Teil meiner Seele ist mit ihm gegangen.“

CNN.com: Die Website des Nachrichtensenders CNN berichtet eher nüchtern über die Umstände des Todes von Michael Jackson. Sein Bruder Marlon Jackson wird zitiert, der sagt, Michael Jacksons Manager Frank Dileo habe berichtet, dass der Sänger sich bereits am Vorabend seines Todes nicht wohl gefühlt habe.

PerezHilton.com: Die Website des US-Promi-Bloggers Perez Hilton enthält eher wenige Informationen zum Tod Michael Jacksons. Trotzdem war auch seine Website in der Nacht zeitweise wegen des Nutzer-Ansturms nicht erreichbar. Hilton hat u.a. ein Statement von der „Queen of Pop“, Madonna, gepostet: „Ich kann nicht aufhören, wegen dieser traurigen Nachricht zu weinen. Ich habe Michael Jackson immer bewundert. Die Welt hat einen ihrer Großen verloren aber seine Musik wird für immer weiterleben.“

Deutsche Medien:

Die ersten Kommentare und Reaktionen in deutschen Medien sind ebenfalls geprägt von einer Würdigung von Michael Jacksons Lebenswerk als Musiker. Hierzulande wird in den Nachrufen aber auch das eher unrühmlichen Ende seiner Karriere hervorgehoben.

FAZ.net: Der Musik-Kritiker Eddo Reents schreibt im Online-Angebot der „FAZ“: So überraschend und bestürzend diese Nachricht ist – wohl niemand, der die Karriere dieses Mannes, der nur fünfzig Jahre alt wurde, mitverfolgt hat, hätte damit gerechnet, dass es mit ihm ein anderes als ein spektakuläres, frühes Ende nehmen würde.“ Als Musiker sei er schon lange tot gewesen, konstatiert Reents. Jackson sei der erfolgreichste, massenwirksamste aber auch eigenwilligste und geheimnisvollste Popstar aller Zeiten gewesen.

Sueddeutsche.de: Bei Sueddeutsche.de wird Jackson als „eine Art Wachsfigur seines einstigen Star-Ruhms bezeichnet. „In dem Körper mit der aufgehellten Haut und dem vielfach operierten, artifiziell umgestalteten Gesicht, war der Mann, der mal als größter Tänzer und Sänger der Popmusik galt, konserviert und irgendwie gut aufgehoben: eine exzentrische Schatulle für das Über-Ich der jungen Jahre“, heißt es in einem langen Nachruf. Sein Gesicht sei „zur fahlen, lächelnden Pierrot-Maske“ geworden, „aus der doch stets ein stummer Schrei drang“.

Spiegel Online: Das Online-Angebot des „Spiegel“ beschränkt sich im wesentlichen auf Agenturberichte und würzt diese ebenfalls mit Kritik an Jacksons Spätwerk: „Die Krone des Königs setzte schon früh Rost an.“

Welt.de: Das Springer-Angebot haut in die gleiche Kerbe. Künstlerisch habe die Welt kaum noch Interesse an Michael Jackson gehabt: „Im Mittelpunkt stand das einstige Wunderkind des Pop seit Jahren fast nur noch wegen seiner Prozesse und Extravaganzen, Pleiten und Ausfälle.“ Jackson wird als „mitunter schrulliger Entertainer“ bezeichnet, „bei dem exzentrische Eskapaden zum Alltag gehören.“

Bild.de: Die Boulevard-Seite liefert gleich eine ganze Rubrik mit allen erdenklichen Aspekten zum Tode Michael Jacksons: „Höhen und Tiefen seines Lebens“, „Das waren seine größten Hits“, „Seine vielen Krankheiten“.

Bunte.de: Das People-Angebot glänzt mit dem Detail, dass sein Kostüm für die geplante Comeback-Tournee mit 300.000 Swarowski Steinen besetzt war und bemerkt korrekt: „Aber nun wird das Comeback des King of Pop nicht mehr stattfinden.“

Britische Medien

„The Sun“: Großbritanniens berüchtigtes Boulevard-Flaggschiff wird seinem Ruf gerecht. Die News ist natürlich auf dem Titel und die Zeile lautet knapp und prägnant: „Jacko Dead“. Die „Sun“ wäre nicht die „Sun“, wenn sie nicht gleich noch eine Spekulation zu bieten hätte. So soll „Jacko“ gestorben sein, nachdem er sich das Schmerzmittel Demerol gespritzt hat. Jackson soll, laut „Sun“, angeblich süchtig nach dem Morphium-ähnlichen Mittel gewesen und es wird sogleich etwas von einer „Überdosis“ gemunkelt. Andere Medien sind weitaus zurückhaltender mit Vermutungen über die Todesursache, immerhin wird Jacksons Leiche noch obduziert.

„The Times“: Ganz den Gerüchten kann sich bei solch einem Todesfalls aber auch die altehrwürdige Londoner „Times“ nicht entziehen. Sie berichtet, dass Jackson angeblich nicht fit genug für die anstehende Tournee gewesen sei. Angeblich sei vertraglich festgelegt gewesen, dass er nur für einige Minuten pro Show auftreten hätte müssen.

BBC.co.uk: Die BBC widmet sich dem künstlerischen Wirken Jacksons: „Mit der souligen, stimmlichen Präsenz eines Marvin Gaye und Stevie Wonder und den Tanzschritten eines James Brown hat Jacksons Faszination die Grenzen vom Nationen und Rassen überbrückt.“

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