Jackos Tod, Mikas Abschied, Tauss‘ Wechsel

Dass der Tod von Michael Jackson eine Weltnachricht ist, kann man unter anderem daran erkennen, dass sie sich auch mündlich wie ein Lauffeuer verbreitet hat. Andere Ereignisse der Woche verblassen dagegen. Es gab sie aber: Bascha Mikas angekündigter Abschied als "taz"-Chefin, der umstrittene Ex-SPD-Mann Jörg Tauss, der jetzt voller Selbstvermarktungstrieb für die Piratenpartei in den Ring steigt und das Schweigen von Tom Buhrow und anderen Größen von ARD und ZDF zu den hohen PR-Honoraren.

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Unruhen im Iran, Finanzkrise, Bundestags-Wahlkampf. Alles halb so wild. Der irgendwie dann doch überraschende Tod von Michael Jackson hat gezeigt, was eine echte Welt-Nachricht von dem alltäglichen News-Gebrumme unterscheidet. Für einen kurzen Moment hält die Medienwelt den Atem an, um dann umso kräftiger Artikel, Bilder, Beiträge in die Welt zu pusten. Zeitschriften ziehen ihren Erscheinungstag vor, Redaktionen schieben Sonderschichten. Wie damals beim Tod von Prinzessin Diana zeigt sich aber auch hier wieder eine besondere Eigenschaft solcher Nachrichten: Sie werden oft mündlich weiter getragen. Der Arbeitskollege, der es morgens im Radio gehört hat, erzählt es im Büro. Der Nachbar erfährt es beim Gassi gehen mit dem Hund usw. Telefongespräche werden mit den ultimativen Küchenruf eröffnet: „Hast du schon gehört….“ Welt-Nachrichten verbreiten sich noch schneller als Twitter und Co. es vermögen: von Mund zu Mund.

Mit dem angekündigten Abgang von Bascha Mika als Chefredakteurin der „tageszeitung“ geht eine Ära zu Ende. Über zehn Jahre hat es bislang niemand auf dem heißen Stuhl der „taz“-Chefredaktion ausgehalten. Noch dazu war sie die einzige Frau an der Spitze einer überregionalen Tageszeitung. Typisch für die „taz“, dass ihr mit Ines Pohl wieder eine Frau nachfolgt. Die Nachfolgerin wird es mutmaßlich nicht ganz leicht haben, in der streitbaren „taz“-Redaktion. Frau Mika wird unterdessen nachgesagt, sie würde zu Springers „Welt“ wechseln. Auf seltsame Art und Weise würde das passen. Chefredakteur Thomas Schmid ist ja ebenfalls ein geläuterter 68er. Er war neben Daniel Cohn-Bendit und Joschka Fischer Gründungsmitglied der Gruppe „Revolutionärer Kampf“ in der Frankfurter Studentenbewegung und hat auch selbst schon für die „taz“ gearbeitet. Jenem Joschka Fischer, der jetzt einen Berater-Vertrag für das Gas-Pipeline-Konsortium Nabucco unterschrieben hat. 68 ist halt schon lange her.

Überleitung statt Gasleitung: Die Seiten gewechselt hat auch Jörg Tauss, MdB. Der ist aus der SPD aus- und in die Piratenpartei eingetreten. Tauss begründet den Wechsel-Schritt auf seiner relativ frischen Website www.tauss.de mit der SPD-Zustimmung zum dem neuen Gesetz, das Stopp-Hinweise vor Webseiten platzieren will, die kinderpornografische Inhalte haben. Dass bekannterweise gegen Tauss selbst wegen des Besitzes und Tauschs kinderpornografischer Inhalte ermittelt wird, kommt auf seiner Webseite nicht zur Sprache. Nun ist ja nicht erwiesen, ob Tauss schuldig ist oder nicht, sein offensives Engagement für die gerade populäre Piratenpartei scheint aber doch von einer gewissen Geltungssucht geprägt. Man muss nur mal sehen, wie er sich in den Texten und Videos auf seiner Homepage als einsamer Kämpfer gegen die Zensur selbstinszeniert. Oder wie er sich eifrig bei einer Podiumsveranstaltung in Berlin als Zuhörer zu Wort meldet, wenn er schon selbst nicht auf dem Podium sitzen darf. Bei Tauss steht der Selbstvermarktungstrieb offenbar über dem Selbsterhaltungstrieb. Ob seine „Unterstützung“ sonderlich hilfreich für die Piraten ist, kann man bezweifeln.

Internet-Gesetz, die Zweite: „Die Zeit“ brachte ein großes Streitgespräch zwischen der prominentesten Befürworterin des Gesetzes, Familienministern Ursula von der Leyen, von der Netzgemeinde nur noch „Zensursula“ gerufen, und der Initiatorin einer Online-Petition gegen das Gesetz, Franziska Heine, genannt „Internet-Aktivistin“. Das Streitgespräch war ein schöner journalistischer Coup, bei dem sich Frau von der Leyen sehr gut verkaufte. Dankenswerter Weise hat „Zeit Online“ das Gespräch in einer sogar noch ausführlicheren Variante ins Netz gestellt. Wieder mal ein wertvolles Stück Inhalt, das verschenkt wurde. Aber „Die Zeit“ kann sich solche Großzügigkeiten locker leisten – sie macht ja Gewinn und ihre Auflage steigt.

Für viel Aufregung sorgte Anfang der Woche die Debatte um die hohen PR-Honorare für TV-Moderatoren. Ins Zwielicht geriet ausgerechnet der als sauberer Biedermann geltende „Tagesthemen“-Moderator Tom Buhrow, der für Vorträge und Moderationen ordentlich Geld nebenher eingestrichen haben soll. Buhrow, Claus Kleber vom „heute journal“ und andere prominente TV-Gesichter profitieren dabei von der Bekanntheit, die ihnen ihre regelmäßigen Sendungen verschaffen. Dass ausgerechnet das NDR-Medienmagazin „Zapp“ die Sache mit den PR-Honoraren auf die Agenda gebracht hat, dürfte bei manchem in dieser Hinsicht umtriebigen Kollegen des Norddeutschen Rundfunks für eine geballte Faust in der Tasche gesorgt haben. „Zapp“-Moderatorin Anja Reschke veröffentlichte im „Zapp“-Blog im Internet daraufhin alle ihre (relativ bescheidenen) Nebenverdienste für Moderationen in 2008 und 2009. Sie erhielt viel Lob für diese gelebte Transparenz in den Kommentaren. Die Herren Kleber oder Buhrow, die beiden prominentesten Fälle, schweigen zu dem Thema lieber. Sie werden ihre Gründe haben.

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