50.000 Euro: Mosley klagt gegen „Zeit“

Max Mosley kämpft an vielen Fronten. In der Formel 1 muss der Chef des Automobilweltverbandes FIA derzeit mitansehen, wie die berühmteste Rennserie der Welt auseinanderbricht. Zeitgleich führt der 69-Jährige seinen Feldzug gegen die Medienberichte über bizarre Sex-Partys weiter. Die Pressekammer des Hamburger Landgerichts ist dabei nur einer der Schauplätze – doch allein dort laufen etliche Verfahren. Am Freitag war mal wieder Verhandlungstag, diesmal in Sachen Mosley gegen die "Zeit" und Zeit Online.

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Um 10 Uhr begann der Fortsetzungstermin unter Vorsitz von Richter Andreas Buske. Außerdem vertreten: Die Anwälte Tanja Irion, die den Briten „verteidigt“, sowie Jörg Nabert für die Zeit-Gruppe. Buske stellte zu Beginn klar, dass sich die Auffassung des Gerichts gegenüber der letzten Sitzung im Kern nicht geändert habe: „Wir halten das Unterlassungsbegehren für aussichtsreich. Die Berichterstattung betrifft die Intimssphäre, die hier zu schützen ist.“ Die Behauptung, bei den privaten Partys habe es sich um „Nazi-Sexspiele“ gehandelt sei unzulässig ebenso die Erwähnung von Details. Entscheidend hierbei sei, dass Mosley Nazi-Inszenierungen weder gewollt noch „geordert“ habe.
Dies sah „Zeit“-Anwalt Nabert anders. Der Jurist wies darauf hin, dass der Brite sich in Interviews ausführlich zu den Sex-Partys geäußert und dabei auch bis dahin unbekannte Details erwähnt habe. Ein Verbot der Berichterstattung, wie das Gericht sie in einer Einstweiligen Verfügung bereits ausgesprochen hatte, hätte groteske Folgen: „Wenn die Redaktionen etwa auf ein Interview verlinken, dass Mosley selbst gegeben hat, dann wäre uns das mit dem Urteil verboten. Das würde eine nicht hinnehmbare Einschränkung der Pressefreiheit bedeuten.“
Nabert hatte eine akribische Argumentationskette zusammengetragen, um die wertende Berichterstattung in der „Zeit“ zu rechtfertigen. Nicht ohne Grund: Verfasser des beanstandeten Textes ist nämlich Mit-Herausgeber Josef Joffe, einer der profiliertesten Autoren der Republik. Der hatte am 10. April 2008 die Sex-Inszenierungen des Englanders in einen soziologischen Kontext gestellt und dabei auch ein Essay der amerikanischen Schriftstellerin Susan Sontag herangezogen. Der Anwalt dazu: „In dem Kommentar wurde im Grunde nur dazu Stellung genommen, was schon da war. Mosley hatte das Thema selbst zum Gegenstand öffentlicher Berichterstattung gemacht.“
An diesem Punkt attackierte Anwältin Irion. Nach ihrer Ansicht waren die Interviews Mosleys lediglich unter Druck der Berichterstattung entstandene Rechtfertigungen. Zudem habe er klar gemacht, dass Nazi-Inszenierungen dabei keine Rolle gespielt hätten. Am Ende konzentrierte sich die Auseinandersetzung auf die Wertung der Utensilien, die bei der SM-Party benutzt wurden (u.a. eine deutsche Luftwaffen-Uniform), Lager-Kommandos auf Deutsch und die Frage, was auf dem „kompromittierenden Video“ (Buske) zu sehen ist. Außerdem war strittig, wie sich die beteiligten Frauen zu den Hintergründen geäußert haben.
Dass die komplizierten Umstände wohl kaum geklärt werden können, machte etwa folgender, nicht ganz ernstgemeinter Dialog im Gerichtssaal deutlich:
 Anwalt Nabert: „Es handelte sich um ein Role Playing, das Herr Mosley so bestellt hatte. Das haben auch die Frauen ausgesagt.“
Anwältin Irion: „Stimmt nicht. Diese Aussagen sind erfunden. Das hat die Dame in einem TV-Interview gesagt. Können Sie bei YouTube sehen.“
Anwalt Nabert: „Dann müssen wir die Prostituierte hier als Zeugin hören.“
Richter Buske: „Die kann ja Deutsch, wir brauchen keinen Dolmetscher. Aber wir haben keine Lade-Adresse.“
Anwältin: „Wir können sie ja über YouTube laden…“

Mosley fordert von der „Zeit“ übrigens 50.000 Euro, von Zeit Online 25.000 Euro, außerdem Unterlassung, Widerruf und Richtigstellung. Das Gericht regte einen Vergleich an: Mosley solle auf eine Geldentschädigung und den geforderten Widerruf verzichten, die Zeit-Gruppe im Gegenzug eine Unterlassungserklärung abgeben und die Angelegenheit in redaktioneller Form richtigstellen. Am Freitag, den 4. September wird die Verhandlung fortgeführt.
Ende September werden weitere Verfahren gegen deutsche Medien vor der Pressekammer fortgeführt, u.a. gegen Axel Springer und die dpa. Dabei geht es dann um eine millionenschwere Entschädigungsforderung gegen „Bild“ und Bild.de. Die dpa soll 250.000 Euro zahlen. Der Verhandlungstag hat in Justizkreisen schon einen Namen: das „MM“-Festival.

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