Anzeige

Panne: Google blättert G+J-„Vitaguide“ auf

Google ist eine wunderbare Erfindung, die manchmal erstaunliche Treffer liefert. Doch gelegentlich ist der Absender mit dem Ergebnis nicht glücklich – so wie derzeit wohl Gruner + Jahr. Das für November 2009 terminierte Groß-Projekt Gesundheitsmagazin "Vitaguide" (2,7 Mio. Auflage) steckt noch in der Entwicklungsphase, während bei Google dezidierte Unterlagen auf Anhieb zu finden sind. Zudem wirft die Präsentation die Frage auf, ob es sich um einen redaktionellen Titel oder schlicht Promotion handelt.

Anzeige

Google ist eine wunderbare Erfindung, die manchmal erstaunliche Treffer liefert. Doch gelegentlich ist der Absender mit dem Ergebnis nicht glücklich – so wie derzeit wohl viele bei Gruner + Jahr. Das für November 2009 terminierte Groß-Projekt Gesundheitsmagazin „Vitaguide“ steckt noch in der Entwicklungsphase, während bei Google dezidierte Verkaufsunterlagen auf Anhieb zu finden sind. Zudem wirft die Präsentation die Frage auf, ob es sich um einen redaktionellen Titel oder schlicht Promotion handelt.
Wer in diesen Tagen den Begriff „Vitaguide“ in die Google-Suchmaske eintippt, stößt schon an dritter Stelle der Trefferliste auf eine PDF-Datei von G+J Media Sales. Die 20-seitige Vermarktungsunterlage enthält nicht nur Details und Beispielseiten des hochauflagigen Supplements, das ab Herbst Premium-Titeln wie „Stern“, „Brigitte“ „Eltern“, „Healthy Living“, „Emotion“ sowie „Gesund leben“ beiliegen wird, sondern macht potenziellen Anzeigenkunden auch in einem Satz klar, was das Magazin sein soll: eine „titelübergreifende Kommunikationsplattform für die Pharma-Branche“.
Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn dies auch im Magazin klar kommuniziert würde. Doch die beigefügten „Beispiele redaktioneller Seiten“ enthalten keinen Hinweis darauf, dass „Vitaguide“ dem Corporate Publishing weitaus näher ist als einem redaktionell unabhängigen Objekt. Dafür spricht auch, dass der Gesundheits-Titel von G+J Corporate Media verantwortet wird. Eine (wie auch immer geartete) Kennzeichnung als Verlagssonderveröffentlichung wäre dabei eigentlich naheliegend, was allerdings erfahrungsgemäß den (Pharma-)Kunden nicht übermäßig freut.
Stattdessen laviert die Broschüre bei der Definition der redaktionellen Rolle um den heißen Brei. Die G+J-Verkäufer attestieren im Markt einen „Mangel an hochqualitativen Pharma-Umfeldern in Print“ und bescheinigen dem neuen Heft: „Premium-Redaktion mit Nutzwert zeichnet das Konzept aus – ein Umfeld, in dem man seine Marken gerne sieht…“ Und an andererer Stelle: „Qualitativ hochwertige, klare und freundliche Anmutung – wie man es von G+J-Titeln gewohnt ist.“
Spätestens hier kommt die redaktionelle Trennschärfe abhanden. Man mag sich ausmalen, was die Ressortchefs Gesundheit bei den Traditionstiteln wie „Stern“ und „Brigitte“ davon halten. Sind ihre Specials, die es ja schon lange gibt, etwa kein „hochqualitatives Pharma-Umfeld“? Könnte es daran liegen, dass bei diesen Titeln auch kritische Artikel über Pharma-Konzerne und -produkte zu finden sind? In den Sales-Unterlagen kommt der „Vitaguide“ dagegen eher als thematischer Weichspüler mit hohem Wohlfühlfaktor für mediengestresste Unternehmen rüber. O-Ton: „Was für eine Wohltat – die gesündesten Wannenbäder.“ Das klingt nicht gerade nach knallhart nachgefragt.

Das alles wäre kein Problem, wenn Sinn und Zweck klarer definiert würden. Aus dem Umfeld des Verlages ist zu hören, dass dies bei G+J Irritationen ausgelöst hat. „Missverständlich“, heißt es, sei die Kunden-Präsentation und die Google-Verlinkung „höchst unglücklich“. Ein Insider: „Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint.“ Allerdings sollte der Sales Unit auch die „hohe Umdrehungszahl“ zugute gehalten werden, die derzeit in den Großverlagen herrscht. Schon am 14. August ist Anzeigenschluss für das Supplement, das erstmals am 4. November mit der „Brigitte“ ausgeliefert wird. 161.500 Euro kostet die Anzeigen-Doppelseite, 85.000 Euro die Einzelseite 4c – was im Vergleich zur getrennten Belegung aller acht G+J-Titel einer Rabattierung von 58 Prozent entspricht.
Das Projekt „Vitaguide“ muss zudem im Kontext der Neuausrichtung des Medienhauses gesehen werden. Vorstandschef Bernd Buchholz hatte zuletzt angekündigt, dass sich Gruner + Jahr verstärkt als Dienstleister profilieren wolle. Dadurch sollen abseits vom schwierigen Zeitschriftengeschäft neue Erlösquellen erschlossen werden, die umso nötiger gebraucht werden, als die Sparvorgaben des Mutterkonzerns Bertelsmann inzwischen bei rund 150 Millionen Euro anzusiedeln sind.
Das Credo des Vorstandschefs wird in derzeit oft zitiert. „Gruner + Jahr ist ein Medienhaus mit einer langen Tradition, hohen verlegerischen Ansprüchen und Qualitätsbewusstsein“, hatte Bernd Buchholz Anfang April bei der Vorstellung des Jahresberichts gesagt. Jetzt kommt es darauf an, die Punkte zwei und drei durch die Krise zu retten.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige