IVW begräbt PIs – Das Ende der Mogeleien?

Der Jubel ist überall im Netz zu vernehmen, die IVW begräbt im Jahr 2010 die umstrittene Online-Kennziffer Page Impression in der alten Form und weist sie nur noch in überarbeiteter Form öffentlich aus. Die Hoffnung vieler: Das Internet wird nutzerfreundlicher, auf Klickgalerien und andere PI-Bringer wird verzichtet. Der Jubel könnte allerdings zu früh kommen, denn auch alle anderen aktuellen Maßeinheiten der Online-Branche können mehr oder weniger stark beeinflusst werden.

Anzeige

Gegenüber Horizont.net gab IVW-Mitarbeiter Jörg Bungartz die Überlegungen der IVW am Donnerstag bekannt. Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch das Internet, allein bei Twitter jubelten weit über 100 Nutzer innerhalb einer Stunde über das Aus der Messeinheit. Und sie haben ja auch recht: Page Impressions sind in den vergangenen Jahren immer irrelevanter geworden, weil Verlage und Nachrichten-Websites durch Tricksereien versucht haben, ihre PIs in die Höhe zu treiben. Klickgalerien mit Hunderten Teilen, Sudoku-Spiele, bei denen jedes Eintragen einer Zahl eine PI gebracht hat und andere Dinge wurden auf die Seiten gehoben. Statt Rankings oder Tabellen wurde eine Top 20 gern mal in eine 20-teilige Galerie aufgesplittet.

Dennoch dürfte der Jubel etwas zu früh kommen. Verschwinden werden die PIs nicht komplett. So arbeitet die IVW zusammen mit der AGOF an einer „Neudefinition des Leistungswertes“, die Werberelevanz der Internetnutzung solle stärker erfasst werden. „Bisher wurde grundsätzlich jeder Seitenaufruf eines Nutzers gezählt. Nach gegenwärtigem Diskussionsstand in den zuständigen IVW-Gremien sollen künftig nur noch die Klicks auf potenziell werbeführende Seiten berücksichtigt werden“ sagt IVW-Mann Bongartz zu „Horizont.net“. Sprich: Statt der Gesamtzahl der Page Impressions werden dann nur noch vermarktungsrelevante Zugriffe gezählt. Wer kann aber ausschließen, dass in einem solchen Fall die Websites umprogrammiert werden, auf einmal alle PIs vermarktungsrelevant sind und das Spielchen wieder von vorn beginnt?

Zudem darf nicht vergessen werden, dass die interessanteren und relevanteren Kennziffern wie die Vists der IVW, die Unique Visitors der AGOF oder ähnliche Zahlen von Firmen wie Comscore, Nielsen oder aus dem Google Ad Planner ebenfalls beeinflusst werden können. Durch Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenmarketing (SEM) können Hunderttausende Leute in kurzer Zeit auf eine Website gelockt werden. Der katapultartige Sprung von news.de im April ist so ein Fall. Auch ein Erfolg bei Visits und Unique Usern bedeutet also nicht gleichzeitig, dass eine Website wegen ihrer Inhalte besonders beliebt ist. Theoretisch ist es auch möglich, dass die Betreiber lediglich über viel Geld oder Wissen verfügen, um sie mit SEO- und SEM-Maßnahmen nach vorn zu bringen.

Auch die immer wieder als Page-Impression-Ersatz ins Spiel gebrachte Verweildauer auf Websites kann nicht des Rätsels Lösung sein. Denn: Wo ist der Unterschied, ob jemand Sudoku auf einer Nachrichten-Website spielt und dabei 100 PIs erzeugt – oder eben eine Verweildauer von 30 Minuten? Über die Nutzung der Website sagen beide Werte gleich wenig aus.

Auch nach dem Ende der Page Impression gibt es also kein Allheilmittel der Onlineforschung. Alle Kennziffern und Maßeinheiten können weiterhin nur eine Annäherung an die Realität liefern und nicht zu 100% aussagen, ob eine Website wirklich aus eigener Kraft heraus und wegen ihrer Inhalte beliebt ist – oder aus anderen Gründen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige