Verhaltenes Echo auf Rüttgers-Vorschlag

Trotz großer Ankündigung ein verdächtig leises Echo: Auf Jürgen Rüttgers Vorschlag, alle NRW-Neuntklässler ein Schuljahr lang kostenlos mit Tageszeitungen zu versorgen, schweigen die meisten Verlage. Solange nicht klar ist, wer die Kosten tragen soll, will sich kaum einer erklären. MEEDIA hat Chefredakteure gefragt, was sie von der Initiative halten. Tenor: die Idee ist gut. Bei der Kostenfrage signalisieren die "Rhein Zeitung" und die "Saarbrücker Zeitung" sogar eine gewisse Investitionsbereitschaft.

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Die Antworten der Chefredakteur im Überblick:
Sven Gösmann, Chefredakteur der „Rheinische Post“

Können  Sie sich vorstellen, sich an solch einer Aktion zu beteiligen?
Wir können uns das sehr gut vorstellen, wenn die Tageszeitung im Unterricht auch ein Lernmittel wird. Die Zeitungsinhalte sollten schon im Unterricht aufgearbeitet werden.
Könnte ein solches Projekt junge Menschen verstärkt zum Zeitungslesen animieren?
Die Tageszeitung ist für junge Menschen ein wichtiges Medium. So nehmen immer noch 50 Prozent aller Jugendlichen eine Tageszeitung zur Hand. Es gibt also die Chance, auch die Jugend via Tageszeitung zu erreichen. Im Übrigen können beide viel voneinander lernen.
Sollte Ihr Verlag für solch eine Aktion auch eigenes Geld in die Hand nehmen?
Die Tageszeitung sollte ein Instrument des Schulunterrichts sein und die Lernmittel stellt noch immer das Land zur Verfügung. Ich habe Herrn Rüttgers allerdings auch so verstanden, dass er die Verlage eher um logistische Unterstützung bittet.

Joachim Türk, Chefredakteur „Rhein Zeitung“
Können  Sie sich vorstellen, sich an solch einer Aktion zu beteiligen?
Viele Verlage haben die positive Erfahrung gemacht, dass Zeitung in der Schule sinnvoll ist. Das gilt insbesondere, wenn es eine pädagogische Begleitung gibt. Unsere Zeitung ist mit ihrem Projekt „rz-klasse“ erfolgreich in vielen Schulen vertreten. Im Schuljahr 2008/2009 nehmen daran 25.180 Schülerinnen und Schüler in 1173 Klassen teil; Tendenz seit Jahren: steigend. Allein im vergangenen Monat haben wir mehr als 30.000 Zeitungen an 2799 Schülerinnen und Schüler ausgeliefert. Außerdem unternehmen wir – gemeinsam mit Kammern und Unternehmen – große Anstrengungen, Auszubildende als Abonnenten zu gewinnen. Sie sehen: wir stehen zu „solch einer Aktion“.
Könnte ein solches Projekt junge Menschen verstärkt zum Zeitungslesen animieren?
In jedem Fall bringt es die 14- bis 16-Jährigen in Kontakt mit „ihrer“ Zeitung – das alleine hat schon einen Wert. Ob dieser Kontakt aber ohne die Mitwirkung der Lehrer und ohne weitere Unterstützung durch die Verlage in nennenswertem Maße nachhaltig ist, wage ich zu bezweifeln. Die Lektüre müsste über das ganze Jahr hinweg eingebettet sein in Unterrichtseinheiten verschiedener Fächer. Wir stellen fest, dass die Resonanz der Schülerinnen und Schüler (Besuche in der Redaktion, eigene journalistische Arbeiten, Publizieren von Sonderseiten) mit dem Engagement der Lehrer/Schulleitungen zunimmt. Zudem müssen die weiteren Zustellkanäle der Medienhäuser jugendgerecht dargestellt (und ihre Rückkanäle kontinuierlich ausprobiert) werden.
Sollte Ihr Verlag für solch eine Aktion auch eigenes Geld in die Hand nehmen?
Wenn das Angebot stimmt, ist das eine sehr sinnvolle Investition.

Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der „Saarbrücker Zeitung“

Können  Sie sich vorstellen sich an solch einer Aktion zu beteiligen?
Ja. Dies ist grundsätzlich ein hervorragender Ansatz.  
Könnte ein solches Projekt junge Menschen verstärkt zum Zeitungslesen animieren?
Ja. Dies zeigen schon die bundesweiten Erfahrungen mit Projekten wie Zeitung in der Schule, wo in der Regel einzelne Klassen über kürzere Zeiträume von der intensiven Beschäftigung mit einer Zeitung profitieren. Der Effekt bei einem ganzen Jahrgang über 12 Monate dürfte deutlich stärker sein. Dies hilft den Schülerinnen und Schüler, aber auch den Zeitungsverlagen.
Sollte Ihr Verlag für solch eine Aktion auch eigenes Geld in die Hand nehmen?
Ja. Wer junge Leserinnen und Leser gewinnen will, muss zuerst auch investieren.

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