MarketWatch: „Wir stehen zu Paid Content“

Marketwatch.com zählt mit TheStreet.com zu den Vorreitern des Wirtschaftsjournalismus im Internet. In Zeiten der Finanzmarktkrise sind die Börsen- und Geldanlage-Portale gefragter denn je. Doch Traffic-Zuwächsen stehen gleichfalls Einbrüche im Anzeigengeschäft gegenüber. MEEDIA-Autor Nils Jacobsen sprach mit Marketwatch.com-Chefredakteur Dave Callaway über die Entwicklung in der Krise und die Synergien mit dem Mutterkonzern Dow Jones, der zu Rupert Murdochs News Corp. gehört.

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MEEDIA: Wie hat sich die Nutzung Ihres Angebots in der Finanzmarktkrise in der Reichweite entwickelt?

Dave Callway (Marketwatch.com): In Zeiten der Finanzkrise wenden sich mehr Nutzer MarketWatch zu wegen der präzisen, unabhängigen und intelligenten Information.  Attribute, die anderswo im Netz wenig zu finden sind. Die neu gestaltete Site bietet für Investoren, welche die  Märkte Tag für Tag und Minute für Minute verfolgen, ein Informationserlebnis ähnlich dem von professionellen Tradern. Eine der Lektionen der Krise ist, dass der Einzelne mehr Verantwortung für seine persönlichen Finanzen übernehmen muss. Das neu gestaltete MarketWatch bietet die Instrumente, um die Verantwortung übernehmen zu können.

Der Traffic verdoppelte sich, als die Krise im September aufkam, und er blieb den Rest des Jahres generell auf einem um zwei Drittel gestiegenen Niveau. In der Marktkrise wenden sich Investoren an MarketWatch.com, deswegen haben wir darüber nachgedacht, wie wir mehr Berichterstattung über die Märkte bieten können.

Inwieweit spüren Sie die Krise in der Werbebuchung?

Man kann es nicht leugnen, dass wir uns derzeit  in schwierigen und herausfordernden Zeiten befinden. Dennoch halten sich unsere Buchungen stabil und wir positionieren uns gerade für zukünftiges Wachstum, indem wir neue Anzeigenfeatures auf der Site anbieten, dazu gehört der sogenannte „Kiosk Ad“ Bereich, der eine Kombination von Inhalten und Werbung bietet, die auf dynamische Weise rotierend präsentiert wird.  
 
Sie sind nicht mehr börsengelistet, sondern wurden 2005 von Dow Jones aufgekauft. Welche Vorteile liegen im Verbund mit dem Mutterkonzern Dow Jones?

Die Übernahme durch Dow Jones im Jahr 2005 war für Dow Jones eine logische Konsequenz. Damit konnte Dow Jones die Strategie „best of both worlds“ fortsetzen und stärken, und beide Partner konnten ihr Geschäft ausbauen. Für uns bedeutete es auch einen Ausbau der Reichweite, und unsere Journalisten sind nun in Korrespondentenbüros in aller Welt tätig.

Gibt es inhaltich Synergien zu anderen Dow Jones-Angeboten wie dem „Wall Street Journal“. Wenn ja: Wie ergänzen Sie sich im Redaktionsalltag?

Wir tauschen Content aus, ebenso wie gegenseitige Verlinkungen. Artikel von MarketWatch.com erscheinen im Wall Street Journal, online, sowie auf Dow Jones Newswires und umgekehrt.

Die Debatte, ob und wie man mit Inhalten Geld im Internet verdienen kann, beschäftigt die Medienbranche gerade in Krisenzeiten verstärkt. Während WSJ.com oder Konkurrent TheStreet.com mit Premium-Diensten vormacht, dass man für Finanzinhalte im Web Geld verlangen kann, ist Ihre Seite weiterhin kostenlos nutzbar. Wollen Sie daran festhalten?

Wir stehen zu Paid Content, dennoch behaupten wir nicht, dass es für frei verfügbaren Content keinen Platz gibt. Ein hervorragendes Beispiel ist WSJ.com, das über mehr als eine Million Abonnenten verfügt, aber mehr als 25 Millionen Besucher im Monat verzeichnet, wegen der Kombination aus Free Content und Paid Content. Wir haben gezeigt, dass wir beide Nutzerbereiche ausbauen können. Das Modell mit dem besten Wert für uns ist die Kombination aus beidem.

MarketWatch veröffentlicht acht Premium Newsletter, damit bietet es durchaus auch Paid-Content-Dienste. In nächster Zukunft planen wir keine Veränderungen bei der Zugänglichkeit der Kerninhalte von MarketWatch. MarketWatch bietet differenzierte Inhalte, aber es ist auch eine breit angelegte Plattform, um ein Massenpublikum zu bedienen. Es ist ein integrierter Bestandteil unseres Digital Network und wir sind sehr glücklich über seine starke Reichweite und die intensive Nutzung der Site.

2000 gab es unter dem damaligen Chefredakteur Thom Calandra in Kooperation mit der Financial Times  bereits den Versuch eines deutschprachigen Angebots. Ist so etwas heute noch ein Thema?

Wir haben derzeit keine Pläne, neue Sites für individuelle Märkte in Europa zu launchen. UK und Deutschland sind zwei starke Märkte für uns, und wir arbeiten daran, die Berichterstattung über diese Länder zu erweitern.

Der Vergleich zu TheStreet.com, dem anderen großen eigenständigen Finanzportal der 90er-Jahre, wird immer wieder gerne bemüht. Wie sehen Sie den Konkurrenten heute?

TheStreet.com ist inzwischen ein Premium Paid Service und keine Site mehr für einen Massenmarkt.

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