Google-Ökonom: News im Web null wert

Googles Chefökonom Hal Varian hat bei seinem Besuch der "American Academy" in Berlin interessante Einblicke in die Zukunfts-Strategien des Internetunternehmens gewährt. Die Wirtschaftskrise belastet Google offenbar wenig: "Die Preise für Werbeeinblendungen sind in der Wirtschaftskrise viel stärker gefallen als die Preise für unsere Klicks." Der notleidenden Medienbranche übermittelt Varian via FAZ eine schockierende Botschaft: "Der Preis einer Nachricht im Internet ist Null."

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Hal Varian, ehemals Professor für Ökonomie in Berkeley (Kalifornien), hat als Google-Berater seit 2002 das überaus einträgliche System der Keyword-Auktionen mitentwickelt und sich 2007 als „Chefökonom“ ganz in Googles Dienste gestellt. Der Verfasser je eines Standardwerks über „Grundzüge der Mikroökonomik“ und über die Ökonomie des Internets („Information Rules“) zog bei seinem Berlin-Besuch auch das Interesse von Medienjournalisten auf sich: Dem strategischen Kopf hinter einem Jahresumsatz (2008) von 21 Milliarden Dollar sollte man wohl gut zuhören, wenn er über die Zukunft der Medien spricht.
 Die markante Zitat-Schlagzeile im FAZ-Ressort Netzwirtschaft – „Der Preis einer Nachricht im Internet ist Null“ – entpuppt sich bei näherer Hinsicht aber als arge Verkürzung. Tatsächlich meint Varian wohl den Preis – und damit auch den Wert – einer „Bereitstellung einer weiteren Einheit einer Standard-Nachricht“, wie sie im Internet tägliches (und ziemlich brotloses) Geschäft ist. Die Schlüsse des Wissenschaftlers könnten aus der Präsentation einer Unternehmensberatung stammen: „Die Kosten für die Produktion dieser Standard-Nachrichten müssen gesenkt werden, indem sie zum Beispiel von Nachrichtenagenturen eingekauft werden und nicht mehr selber produziert werden“, sagt er der FAZ. . Die Differenzierung vom Wettbewerber müsse „in der Interpretation und Analyse der Nachrichten erfolgen“.  
An Bezahl-Modelle glaubt Varian jedoch nicht, sondern an verbesserte Werbeformen: In Suchmaschinen seien Anzeigen schon sehr zielgerichtet, Google und die Mitbewerber müssten daran arbeiten, auch Display-Werbung genauer auf den Nutzer abzustimmen. „Wenn die Werbung besser wirkt, werden auch die Preise wieder steigen“, argumentiert Varian. Obendrein glaubt der 62 Jahre alte Ökonom offensichtlich an den so genanten Bürgerjournalismus: „Das Beispiel Wikipedia zeigt, dass die technische Entwicklung die Bedeutung des Bürgerjournalismus in der Nachrichtenindustrie erhöhen wird.“ Ein solche Entwicklung wird klassischen Medienunternehmen zweifellos stärker zusetzen als Google – dessen Geschäftsmodell ist ja ziemlich unabhängig davon, wer welche Inhalte produziert. 
Wer Googles Online-Macht einschließlich anschwellender Informationen über die Nutzer mit Sorge betrachtet – eine eher wachsende Zahl von Menschen -, erhielt bei Varians Berliner Auftritten ebenfalls Einiges zum Nachdenken. Der „Tagesspiegel“ notierte bei einer Fragerunde in der Freien Universität, wie der Ökonom mit „Analysewerkzeugen“ renommierte, die nicht frei verfügbar sind: Er sei bereits in Washington gewesen, um dort mit Regierungsvertretern zu sprechen, wie die Produkte weiterentwickelt werden können, etwa für ökonomische Prognosen. „Je genauer wir wissen, was die Leute wollen“, sagte Varian dort, „desto effizienter arbeiten wir und desto besser sind unsere Ergebnisse.“ Das alles könne aber nur funktionieren, „wenn die Nutzer Vertrauen zu Google haben“.

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