Total crazy public rechtliche Kanzlershow

Vom Web ins TV: Was bisher vor allem im Onlineangebot des ZDF für Aufsehen sorgte, kommt endlich ins Fernsehen. Heute Abend startet "Ich kann Kanzler" mit einer Dokumentation über die verbliebenen sechs "Spitzenkandidaten", die sich gegen 34 Mitbewerber durchgesetzt haben. Ursprünglich hatten sich für das Casting-Format über 2500 18- bis 35-Jährige beworben. Am morgigen Freitag folgt dann die eigentliche "Ich kann Kanzler"-Show, in der der "Kanzler für einen Abend" gekürt wird.

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Bis ins Finale haben es Antje Krug (31), Philip Kalisch (30), Siegfried Walch (25) und die drei 18-Jährigen Delano Osterbrauck, Nuray Karaca und Jacob Schrot geschafft. Alle sechs müssen sich am Freitagabend live der Jury und den ZDF-Zuschauern präsentieren. Diese sind es auch, die letztlich darüber abstimmen werden, wer „Kanzler kann“: Mit einem Telefon-Voting lässt das ZDF, ganz „DSDS“-like, seine Zuschauer entscheiden. Auf den Gewinner warten ein Kanzlermonatsgehalt und ein Praktikum im Zentrum der Macht.

Vor laufenden Kameras sollen die sechs „Kanzlerkandidaten“ ihre politischen Visionen und Ziele verteidigen. Wer sich vorab noch einmal informieren möchte, der kann unter Kanzler.zdf.de  mehr über die Bewerber erfahren. Schrot punktet dort etwa mit seiner gefestigten „moralisch-ethischen Grundhaltung“, Osterbrauck gibt sich „jung, dynamisch und unverbraucht“. Der perfekte Kandidat für´s ZDF, so scheint es.

„Ich kann Kanzler“ ist die deutsche Version von “ Canada’s next Prime Minister“, einer CBC-Show, die in Kanada schon seit mehreren Jahren äußerst erfolgreich läuft. In der Jury der kanadischen Version sitzen regelmäßig sogar ehemalige Premierminister. In Deutschland hat das ZDF immerhin Bremens Alt-Bürgermeister Henning Scherf verpflichten können, nachdem Hans-Dietrich Genscher aus Altersgründen abgesprungen war.

Neben Scherf sind als Juroren Günther Jauch und Anke Engelke mit von der Partie. Moderiert wird die „politischen Talentshow“, wie das ZDF sein neues Format verkauft, von Steffen Seibert. Engelke gab im Interview mit Stern.de vorab einen ersten Einblick in die Arbeit mit dem ZDF: „Ein Schnarchladen“, konstatierte die Comedy-Queen.

Der Sender hofft für den Freitagabend dennoch auf Leidenschaft und Verve, nicht nur, um im Superwahljahr zu zeigen, dass junge Menschen sich für Politik begeistern können – sondern auch, um zu beweisen, dass das ZDF selbst eines kann: jugendlich rüberkommen. Bleibt zu hoffen, dass die Kandidaten diese Bürde tragen können.

Jurorin Engelke zeigte sich nicht von allen begeistert: „Im schlechtesten Fall zeigen sie jetzt schon Anleihen von Politikergehabe. Da war viel Phrasendrescherei und Kalkül dabei, auch unter den sechs Finalisten. Da spürte ich bei manchen schon so eine gewisse zur Schau getragene Entspanntheit, die eigentlich nur Blasiertheit sein kann. Auch bei 18-Jährigen. Schockierend.“

Das kommt jedem, der etwa die „Elefantenrunde“ nach der Bundestagswahl 2005 im Fernsehen gesehen hat, bekannt vor. Am Ende wird es, ähnlich wie in der „echten Politik“, doch wieder die Präsenz vor den Kameras sein, die einem Kandidaten den nötigen Sympathie-Schub der Wähler einbringen wird – oder ihn bloßstellt.

„Ich kann Kanzler! – Die Vorentscheidung“: Donnerstag, 21 Uhr, ZDF
„Ich kann Kanzler!“: Freitag, 21:15 Uhr, ZDF

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