Teure Genitalien, überraschende Karrieren

Dieter Bohlens schattenhaftes Genital wurde für Burda zum teuren Spaß, Print-Größen übertrumpfen sich gegenseitig in Schwarzmalerei, das ZDF scheitert bei "Ich kann Kanzler" erneut beim Versuch, diese verdammte junge Zielgruppe einzufangen. Und Ex-Sat.1-Chef Martin Hoffmann sorgte für die überraschendste Personalie der Woche: Er wird Intendant bei den Berliner Philharmonikern.

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Der Abdruck von Fotos vor zwei Jahren, die Dieter Bohlen beim Nacktbaden zeigen, geriet für die Burda-Zeitschrift „Viel Spaß“ zum teuren Spaß. 40.000 Euro Schmerzensgeld muss der Verlag wegen Verletzung der Intimsphäre zahlen. Was wir daraus lernen können: 1. Dieter Bohlen hat eine Intimsphäre. Das war ja auch nicht jedem in letzter Konsequenz klar. Und 2. Anhand eines Schattenwurfs kann man sich „konkrete Vorstellung in Bezug auf das Genital“ machen. Soweit die Urteilsbegründung. Allein wegen dieser Formulierung hat sich das Schmerzensgeld eigentlich schon gelohnt.

Weniger spaßig ging es beim jüngsten Media Coffee in München zu. Vertreter des zur Leidensbranche mutierten Print-Geschäfts überboten sich geradezu in der hohen Kunst der Schwarzmalerei. Verleger Dirk Ippen sagte den bedeutungsschweren Satz: „Print hat keine Krise, denn Krise heißt, dass es wieder besser wird – und daran glaube ich nicht.“ Aua. Interessanterweise hat Ippen dann gemeinsam mit Medien-Hansdampf Markus Peichl und „SZ“-Chef Hans Werner Kilz die These aufgestellt, dass Print- und Online-Redaktionen getrennt bleiben sollten. Sollten die Mitarbeiter von Ippens Zeitungen die Aussagen von ihrem Boss tatsächlich ernst nehmen, dann müssten sich die ganzen Print Redakteure jetzt aber eilig um eine Versetzung in die Online-Abteilungen bemühen.

Am Donnerstag startete das ZDF die Polit-Casting-Show „Ich kann Kanzler“. Die Show war gar nicht mal schlecht, die Kritiken auch nicht. Die Jury mit Polit-Opa Henning Scherf, Anke Engelke und Günther Jauch passte auf seltsame Weise gut zum Thema und zeigte nebenbei, dass eine Casting-Jury auch ohne ellenlanges Hinauszögern von Entscheidungen und Runtermachen von Kandidaten unterhaltsam agieren kann. Die Quoten-Quittung dürfte den Mainzel-Männchen die Casting-Lust dann aber wieder gründlich verdorben haben. 1,14 Mio. Zuschauer gesamt und nur magere 280.000 Zuschauer aus der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Das war richtig schlecht. Die Öffentlichen und das Format Casting-Show passen einfach nicht zusammen. Wer ganz böse ist, könnte freilich auch analysieren, dass das ZDF und junge Zuschauer nicht zusammenpassen. Das ZDF hat seinen Jungbrunnen noch immer nicht gefunden.

Hat eigentlich wirklich jemand geglaubt, dass Facebook mit seiner Klage gegen StudiVZ vor Gericht gewinnen würde? Vermutlich haben das auch die Leute bei Facebook nicht für möglich gehalten. Dass sie jetzt in die Berufung gehen und weiterklagen, weil StudiVZ angeblich Funktionalitäten abgekupfert und Programmcode geklaut haben soll, ist kein Widerspruch. Facebook wächst in Deutschland organisch weiter. Die Amis bemühen eine Zangen-Taktik gegen die hiesige Konkurrenz. Sie suchen den Wettbwerb im Netz und versuchen, den StudiVZ-Besitzer Holtzbrinck gleichzeitig mit den Klagen in Deutschland und den USA zu zermürben. Dass beide Netzwerke in Deutschland nebeneinander bestehen können, mag man kaum glauben – sie sind sich einfach zu ähnlich. Mal sehen, ob Holtzbrinck nicht doch irgendwann weich wird und StudiVZ an Facebook verkauft. Immerhin müssten sich die Nutzer nicht groß umgewöhnen.

Die Personalie der Woche ist wahrscheinlich der Wechsel vom TV-Manager Martin Hoffmann zu den Berliner Philharmonikern. Hoffmann ist Vorstandschef der Produktionsfirma MME Moviement und war mal Geschäftsführer von Sat.1. Seine Berufung zum Intendanten der Berliner Philharmoniker 2010 bezeichnet er als die Erfüllung eines Jugendtraums. Leute, die die Medienbranche eintauschen gegen etwas komplett anderes, sind relativ selten, aber es gibt sie. So hängte Angie Sebrich vor Jahren ihren Job als Kommunikationschefin bei MTV an den Nagel, um eine Jugendherberge im oberbayrischen Sudelfeld zu leiten. Der ehemalige Chefredakteur von „Gala“, „Hörzu“ und „Celebrity“, Jörg Walberer, arbeitete später als Geschäftsführer der SolarWorld Asia Pacific. Und der ehemalige Statthalter des Bauer Verlags in München und Brainpool-Vorstand Claus Dieter Grabner versuchte eine Zeit lang, eine Firma aufzubauen, die das Wetter beeinflusst. Kein Witz. Die interessanteren Karrieren liegen eben manchmal außerhalb des Medien-Geschäfts.

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