Die Dompteurin im Alpha-Zoo

Am heutigen Freitag feiert "Bunte"-Chefin Patricia Riekel ihren 60. Geburtstag in München. Die Riekel ist ein Phänomen in der immer eiliger werdenden Medienbranche. Sie hat einen ganzen Zoo an Alpha-Männchen mit teils ebenso imposanten Schnauzbärten wie Egos erfolgreich domestiziert und herrscht seit Jahren über Deutschlands größte People-Zeitschrift. Patricia Riekel ist eine Vertreterin einer selten gewordenen Spezies: eine Chefredakteurin mit uneingeschränkter Souveränität.

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Undenkbar ist es beispielsweise, dass man sich mit Patricia Riekel zu einem Interview treffen würde und es würde ein Vertreter der Verlagsgeschäftsführung mit am Tisch sitzen, der aufpasst, dass sie auch ja nichts Falsches von sich gibt. Zu einem Termin bei Frau Riekel wird man ins Vorzimmer gebeten. Und darf warten. Gerne auch länger. Wenn man Glück hat, erscheint sie dann irgendwann und gibt ein launiges Interview, ganz ohne Angst „das Falsche“ zu sagen. Dafür muss man dann freilich auch damit rechnen, dass eine autorisierte Fassung erst in allerletzter Minute aus New York oder sonstwoher gefaxt wird. Inklusive handschriftlicher Anmerkungen. So etwas ist nicht mehr selbstverständlich im deutschen Spitzen-Journalismus. Heutzutage hat man oft den Eindruck, dass die kaufmännische Seite, die „Flanellmännchen“, wie Axel Cäsar Springer sie einst nannte, den Ton auch in den Redaktionsstuben angeben. Bei Patricia Riekel, und im übrigen auch bei ihrem Lebensgefährten, dem „Focus“-Macher Helmut Markwort, ist das gewiss nicht so.

Mittlerweile steht Patricia Riekel für die „Bunte“, wie Helmut Markwort für den „Focus“. Als sie das People-Blatt 1997 als Chefredakteurin übernahm, wirkte die Zeitschrift konzeptionell, personell und finanziell ausgezehrt von den manisch anmutenden Eskapaden ihre Vorgängers Franz-Joseph Wagner. Ebenso legendär wie gruselig sind die Geschichten über ihn. Wie er aus Launen heraus komplette Andrucke habe vernichten lassen, weil er seine Meinung über eine Geschichte doch noch mal geändert hat oder wie er unliebsame Mitarbeiter mit Büro-Utensilien beworfen haben soll. Heutzutage, da so vieles in Redaktionen stromlinienförmiger läuft, wirken solche Schnurren wie Geschichten aus einer anderen Zeit. Manch einer, der damals dabei war, erzählt davon mit leicht versonnenem Blick. Wie ein Kriegsveteran, der in der Rückschau verdrängt, dass es damals nicht nur spaßig war, sondern eigentlich ziemlich schlimm.

Patricia Riekel war Chefredakteurin von „die aktuelle“, bevor sie zur „Bunten“ kam. Mit ihr zog ein neuer Stil eine. So eine Art sanfte Dominanz. Sanft, weil nicht mehr gebrüllt und gestampft wurde, weil es mehr um Themen ging und weniger um Eitelkeiten und Manien. Sie brachte die schlingernde „Bunte“ auf Kurs, sorgte dafür, dass Auflage und Reputation der Zeitschrift stiegen und sie hält das Niveau bis heute. Ihr Erfolg machte und macht sie unantastbar im Burda-Reich. Dabei gab es durchaus mit respektablen Egos ausgestattete Herren in der Redaktion. Darunter journalistische Schwergewichte wie Axel Thorer, Paul Sahner oder ihr langjähriger Stellvertreter Thomas „Doc“ Schneider, der sich später zum Bauer Verlag absetzte. Sich gegenüber diesem Club der Alpha-Tiere behauptet zu haben, ist auch eine Leistung.

Die Frauenzeitschrift „InStyle“ wurde unter Patricia Riekel ebenfalls zum rauschenden Erfolg. Doch Rückschläge gab es auch. Die Pläne, mit „Bunte“ im TV Fuß zu fassen, scheiterten. Auch die von der Verlagsgruppe Milchstrasse übernommene Frauenzeitschrift „Amica“, die von Patricia Riekel zu einem High-Class-Fashion-Magazin umgebaut wurde, konnte nicht gerettet werden. Im Falle von La Riekel aber strahlen die Erfolge heller als die Pleiten. Egal ob man die Magazine nun persönlich für gut oder kritikwürdig hält. Sie und ihr Lebensgefährte Helmut Markwort sind Chefredakteure, die kompromisslos für ihr Produkt stehen. Von dieser Sorte könnte die Branche auch in der Krise ein paar mehr gebrauchen.

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