Blogger haben kein Recht auf Anonymität

Ein Urteil mit weitreichenden Folgen: Das Oberste Gericht in London hat entschieden, dass „Bloggen eine öffentliche und nicht eine private Tätigkeit“ sei; Blogger hätten demnach kein automatisches Recht auf Anonymität. Der Kriminalbeamte Richard Horton – „Nightjack“ in seinem preisgekrönten Blog – hatte der „Times“ untersagen wollen, seine Identität preiszugeben. Das "Nightjack"-Blog, das teilweise 500.000 Visits pro Woche hatte, ist inzwischen gelöscht.

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Für seinen schonungslosen und oft umstrittenen Blick auf den polizeilichen, sozialen und politischen Alltag hatte Horton im April den „Orwell Prize“ für politischen Journalismus erhalten. Im Schutz der Anonymität griff der Detective Constable aus Lancashire konkrete Fälle auf, stellte sie in politische Zusammenhänge und ritt satirische Attacken gegen Politiker. Als ein „Times“-Journalist die Identität von „Nightjack“ enttarnt hatte, beantragte Horton eine einstweilige Verfügung, die der „High Court“ nun abgelehnt hat. Schon zuvor hatte Horton durch seine Dienststelle eine schriftliche Abmahnung erhalten.
 Richter Eady argumentierte, es sei nicht Aufgabe des Gerichts, Polizeibeamte vor Sanktionen durch ihre Vorgesetzten zu schützen. Zudem habe die Öffentlichkeit ein legitimes Interesse zu erfahren, wer „derart ernste Kritik an polizeilichen Aktivitäten“ übe.
 Während Horton sein Blog (nightjack.wordpress.com) nach der Bloßstellung umgehend löschte, breitet sich in der englischsprachigen Blogosphäre Entsetzen aus. Anonym geführte Blogs mit teilweise enthüllender Stoßrichtung sind in England und den USA stärker verbreitet als in Deutschland. Die juristische Klärung, inwieweit Blogs unter die besonderen Schutzregeln des Presserechts fallen könnten, steht hier wie dort erst am Anfang.

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