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YouTube: der schlafende Umsatz-Riese

YouTube ist womöglich weit davon entfernt, eine Geldvernichtungs-Maschine zu sein. Der IT-Berater Ramp Rate hat die Kosten bei YouTube analysiert und kommt zu dem Schluss, dass der Video-Dienst weitaus billiger betrieben werden kann, als angenommen. Statt einem Verlust von 471 Mio. Dollar, wie von der Credit Suisse ausgerechnet, kommt Ramp Rate nur auf einen jährlichen YouTube Verlust von 174 Mio. Dollar. Wenn Google will, so die Experten, könnte YouTube schnell in einen Umsatzbringer verwandelt werden.

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Es sei nämlich überhaupt nicht in Googles Interesse, YouTube als potenziell profitables Unternehmen zu präsentieren, heißt es in dem Papier der IT-Spezialisten von Ramp Rate. „Jede Möglichkeit von Profiten führt zu drakonischen Forderungen an Umsatzbeteiligungen von Kooperationspartnern und weiteren Klagen von Rechte-Inhabern wegen nicht lizensierter Inhalte“, argumentieren die Ramp-Rate-Leute in ihrem White Paper „YouTube: Google‘s Phantom Loss Leader“. Google sei gut beraten, die Profitmöglichkeiten von YouTube öffentlich schlecht zu reden, bis Inhalte-Anbieter so verzweifelt sind, selbst auf YouTube zuzugehen und Zugeständnisse zu machen.

Als ein Beispiel, wo diese Strategie bereits funktioniert hat, nennt Ramp Rate Apples iTunes Store. Apple habe sich auch lange Zeit bedeckt gehalten, was Profite beim iTunes Store angeht, um Forderungen der Musik-Industrie nach höheren Umsatzbeteiligungen entgegenzuwirken. Erst in jüngerer Zeit hat die Musik-Industrie erkannt, dass der Verkauf von digitaler Musik über den iTunes Store durchaus ein Profitbringer sein kann.

Aber warum kommen die Ramp-Rate-Spezialisten auf einen viel geringeren Verlust für YouTube als Credit Suisse? Laut Ramp Rate hat Credit Suisse die Spareffekte von Google beim Bandbreiten-Management komplett unterschätzt. Dreiviertel des YouTube-Traffics würde nicht über gekaufte Bandbreite abgewickelt, sondern über Peering, bei dem Bandbreite zu Fixkosten dezentral über viele Rechner verteilt wird. Außerdem würde Google seine Data-Center in abgelegenen Gegenden wie Iowa oder Finnland betreiben und dadurch viel Geld sparen. Während die Credit Suisse in ihrer Kalkulation über 360 Mio. Dollar an Bandbreiten-Kosten eingestellt hat, hat Ramp Rate diese Kosten auf knapp 49 Mio. Dollar heruntergerechnet.

Durch den enormen Datenverkehr, den YouTube erzeugt, erhalte Google insgesamt außerdem auch für seine anderen Angebote bessere Konditionen. YouTube lohne sich also schon heute für Google, selbst wenn die Video-Plattform noch immer einen substanziellen Verlust schreibt. Ramp Rate geht außerdem davon aus, dass Google YouTube jederzeit in eine Geld-Maschine verwandeln könnte. Man müsse lediglich alle YouTube Videos mit zielgruppengerechter Werbung und E-Commerce-Funktionen ausstatten. Bei 1,2 Milliarden täglich geschauten Videos und 100 Millionen Zuschauern pro Monat, habe YouTube das Potenzial einer Super-Bowl-Einschaltquote. Und zwar täglich.

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