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Russell Crowe brilliert als Star-Reporter

Heute startet der Politthriller "State of Play" mit Russell Crowe, Ben Affleck und Helen Mirren in den Hauptrollen. Der Plot: Ein aufstrebender Politprofi und ein erfahrener Journalist werden in einen Mordfall verwickelt. Was Kevin MacDonalds Film umso interessanter und aktueller macht: Es geht um einen Verlag mit neuen Gesellschaftern, das Aufeinandertreffen von Print und Web 2.0, die Folgen des Zeitungssterbens und die ganz große Schlagzeile.

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Beim Anblick des trottelig-genialen Cal McCaffrey (gespielt von Russell Crowe) dürfte gerade vielen Printjournalisten warm ums Herz werden. Der Starjournalist des „Washington Globe“ ist einer der letzten Idealisten im Politsumpf von Washington D.C.  Er kombiniert mühelos berufliche Raffinesse mit Faktentreue, ist der Advokat des kleinen Mannes. Und er ist das Symbol einer sterbenden Gattung. Die Cordjacke ist zerschlissen, er recherchiert lieber mit Stift und Block und der Saab hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Er versteht sich noch immer als Vierte Gewalt im Staat. Doch damit soll bald Schluss sein. Seine Tageszeitung bekommt neue Gesellschafter. Alles dreht sich um Gewinnoptimierung, alles muss schnell gehen.
Hommage an den investigativen Journalismus
Aus diesem Grund bekommt Cal die hektische Bloggerin Della Frye, gespielt von Rachel McAdams, vorgesetzt. Ein Gegensatz, der kaum größer sein könnte. Qualität gegen Quote, die Schöne und der Schnüffler: Der alteingesessene Schreiber mit bester Vernetzung in Washington und die anspruchslose Bloggerin zum Billigtarif. Beide recherchieren an unterschiedlichen Geschichten, die eng miteinander verworren sind, wie sich später herausstellt.

„State of Play“ (hier geht`s zum Trailer) drückt den moralischen Zeigefinger tief in die Wunden der amerikanischen Medienbranche. Dass das Print-Relikt Cal McCaffrey die neue Online-Redaktion hasst, dürfte Online- und Offline-Journalisten ein kleines Schmunzeln ins Gesicht zaubern.

„Die Unbestechlichen“ 2.0
Wer schon Robert Redford in „Die drei Tage des Condor“ oder als „Washington Post“-Reporter Bob Woodward in Alan J. Pakulas „Die Unbestechlichen“ („All the President’s Men“, 1976) mochte, wird sich aber schnell mit dem authentisch gespielten Cal anfreunden. So ließ es sich Regisseur MacDonald auch nicht nehmen, Szenen in unterirdischen Parkhäusern, Kellerverliesen und U-Bahn-Schächten, den Sinnbildern verdeckter Recherche, zu drehen.

Der Schotte Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland“) liefert auf der Grundlage der BBC-Serie „State of Play “ (auf Arte als „Mord auf Seite 1“ ausgestrahlt) einen vielschichtigen und spannenden Polit-Thriller ab. Alles dreht sich um eine Politintrige, in die ein alter Studienfreund von Journalist Cal verwickelt ist: Der Abgeordnete Stephen Collins, gespielt von Ben Affleck, ist das Aushängeschild seiner Partei und wird als Präsidentschaftskandidat gehandelt. Als Collins Assistentin von einem Unbekannten vor die U-Bahn gestoßen wird, gelangt seine heimliche Affäre mit ihr in die Schlagzeilen. Ein gefundenes Fressen für Cameron (gespielt von Oscarpreisträgerin Helen Mirren), einer beinharten Chefredakteurin im moralischen Dilemma zwischen verlegerischem Druck und Loyalität zu den alten Kollegen.

McAffrey und Frye vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Vorsitz des Politikers in einem umstrittenen Untersuchungsausschuss und dem Tod seiner Mitarbeiterin. Sie machen sich auf die Suche nach dem Mörder und decken dabei ein milliardenschweres Bestechungskomplott auf.

Prädikat: „Besonders wertvoll“
„State of Play“ wirkt stellenweise sehr bemüht, wenn der redaktionelle Journalistenalltag mit hektischen Aufnahmen aufgepeppt wird. Kevin MacDonald liefert einen Politthriller über journalistische Wahrheit, Machtmissbrauch und Skrupellosigkeit. Das verwundert, wo doch die Produktionsgeschichte von „State Of Play“ von vielen Rückschlägen geprägt ist. Nach dem Autorenstreik 2007 und 2008 sprangen der als Collins vorgesehene Edward Norton und der potentielle McAffrey Brad Pitt ab. Die sechsteilige Serienvorlage machte es nicht leichter, was sich in etlichen Drehbuchüberarbeitungen zeigt.

Geschickt verworrene Handlungsstränge, gute Kameraarbeit und eine oscarprämierte Filmcrew machen „State of Play“ aber zu guter, spannender Abendunterhaltung. Selbst der sonst auf Womanizer-Rollen gebuchte Ben Affleck überzeugt als undurchschaubarer Polit-Profi mit subtilem Spiel. So viel Mühe wird auch belohnt. Der Thriller bekam die höchste Auszeichnung der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW). Der „ebenso komplexe wie intelligent zusammengefügt Drahtseilakt“ mache „State of Play“ „besonders wertvoll“.

Starttermin: 18.06.2009, Produktion: USA 2009, Darsteller: Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Regie: Kevin Macdonald, FSK: 12, Laufzeit: 127 Min.

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