MySpace: Jeder dritte Mitarbeiter muss gehen

Dramatischer Aderlass beim einst mitgliederstärksten Social Network der Web 2.0-Ära: MySpace, das zum Medienkonglomerat News Corp. gehört, kündigte gestern fast einem Drittel seiner Belegschaft. Knapp 500 Stellen gehen durch diese einschneidende Maßnahme verloren. Während der neue CEO Van Natta den Schritt verteidigte ("Unsere Belegschaft war einfach aufgebläht"), spielten sich auf den Bürofluren offenbar emotionale Entlassungsszenen ab: "Es ist ein Blutbad", erklärt ein scheidender Mitarbeiter.

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Über mögliche Kündigungen war nach dem Austausch der Führungsebene spekuliert worden. Der erst Ende April für den Gründer Chris DeWolfe ersetzte neue CEO Owen Van Natta begründete den Schritt branchenüblich: „Unsere Belegschaft war einfach aufgebläht und hat uns daran gehindert, ein effizientes und schlankes Team-orientiertes Unternehmen zu sein“, lautet die Schlüsselpassage aus Van Nattas Erklärung.

Das Technologieportal „Alley Insider“ berichtet unterdessen von drastischen und emotionalen Entlassungsszenen: „Es ist ein Blutbad, erklärt eine Quelle. Die Leute stehen im Büro herum und umarmen sich. An Arbeit ist nicht mehr zu denken.“

Die Kündigungen sind in erster Linie Folge des rigiden Restrukturierungsprogramms, das Rupert Murdoch mit der Installtion einer neuen Führungsebene angestoßen hat. Der neue CEO Owen Van Natta wurde von Facebook geholt und fand das Social Network in offenbar schlechterer Form vor als erwartet.

Seit vier Jahren gehört MySpace zum Medienkonglomerat NewsCorp, das dem australischen Medienmogul Rupert Murdoch gehört. Murdoch bezahlte 2005 die seinerzeit aufsehenerregende Summe von 580 Millionen Dollar, für die er damals belächelt wurde. Ein Jahr später jedoch konnte MySpace einen Werbedeal mit Google präsentieren, der allein 900 Millionen Dollar in die Kassen spülte. Der Deal zur Vermarktung von Suchabfragen läuft im nächsten Jahr jedoch aus – und wird nach Informationen aus Branchenkreisen, wenn überhaupt, dann zu deutlich schlechteren Konditionen verlängert.

MySpace hat unterdessen wie die gesamte Internetbranche unter den Folgen des dramatischen Einbruchs des Werbemarktes im Zuge der Finanzkrise zu kämpfen. Im letzten Quartal entwickelten sich Umsatz und Gewinn rückläufig. Vor allem jedoch Konkurrent Facebook macht MySpace zu schaffen. Während das News Corp.-Portal kaum noch neue Nutzer anzieht, knackte Facebook unlängst nach einem enormen Mitgliederzuwachs die 200 Millionenmarke und hat MySapce damit inzwischen überholt.

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