Finanztipps für freie Journalisten

Selbstständige Journalisten haben es zur Zeit noch schwerer als sonst. Verlage sparen bei Aufträgen und zahlen weniger Honorare. Trotzdem bleiben die Ausgaben in den meisten Fällen dieselben. Da kommen steuerliche Vorteile vom Fiskus und Hilfen vom Staat gerade recht. Was hat sich im Steuerjahr 2008 geändert, wo können Journalisten explizit profitieren und wo kommen Sie an geschenktes Geld? MEEDIA hat die besten Finanztipps für Freiberufler im Medienbusiness zusammengestellt.

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Die Krise hat auch ihre positiven Effekte. Im Steuerjahr 2008 hat sich Einiges geändert. Von diesen Anpassungen können auch Journalisten profitieren:

Nachträgliche Pendlerpauschale: Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts können Pendler nun wieder für jeden Entfernungskilometer 30 Cent als Werbungskosten absetzen. Der Clou: Dies gilt auch rückwirkend für die Steuererklärung 2007. Von dem Urteil profitieren Steuerzahler auch bei der Steuererklärung für 2008. Die Verfassungshüter stellten klar: „Berufspendler dürfen die Entfernungspauschale für die Jahre 2007 bis 2009 wieder ab dem ersten Kilometer ansetzen.“

Bei großen Distanzen zwischen Arbeitsplatz und eigentlichem Wohnort ist der Staat nicht so nachsichtig. Denn wer in Hamburg lebt und in München arbeitet, hat in aller Regel zwei Wohnungen und pendelt am Wochenende. Fährt er hin und zurück mit Bahn oder Auto, kann er die Pendlerpauschale ansetzen. Legt er die Strecke mit dem Flugzeug zurück, kann er hingegen nur die tatsächlichen Kosten ansetzen. Die Pendlerpauschale gibt es dann nicht.

Dienstreisen begünstigt: Mehr Steuerabzug gibt es für Arbeitnehmer, die dienstlich viel unterwegs sind oder Tätigkeiten an verschiedenen Arbeitsstätten geltend machen können: Seit 2008 dürfen sie 30 Cent für jeden mit dem Auto gefahrenen Kilometer als Werbungskosten absetzen.

Börsenverluste berücksichtigt: Nicht nur Wirtschaftsjournalisten besitzen Wertpapiere. Anleger sollten Verluste aus Wertpapierverkäufen auf jeden Fall in der Steuererklärung angeben. Sie können auch Verluste aus früheren Jahren nachmelden. Wenn weder 2008 noch 2007 Gewinne zu verrechnen waren, zieht das Finanzamt die Altverluste von Gewinnen aus künftigen Wertpapierverkäufen ab. Dadurch kann auch die neue Abgeltungsteuer sinken. Gerade nach dem Krisenjahr 2008 kommt diese Regelung vielen Anlegern zugute.

Weniger Papier: Als Mitglied der schreibenden Zunft hinterlassen Sie schon genug Spuren im Blätterwald. Deswegen müssen Sie dem Finanzamt nicht sofort alle Belege zuschicken. Rechnungen, Überweisungen für selbstständige Handwerker, Haushaltshilfen und Tagesmütter müssen Sie beispielsweise erst auf Verlangen vorlegen.

Arbeitszimmer absetzen: Viele freie Journalisten arbeiten oft von zu Hause. Viele Arbeitnehmer haben jetzt wieder gute Chancen, die Miet- Energie- und Reinigungskosten für den heimischen Arbeitsplatz von der Steuer abzusetzen. Laut Bundesfinanzhof ist es demnach nicht mehr unbedingt von Bedeutung, wie viel der Arbeitnehmer an diesem Platz aufwendet, sondern wo er die qualitativ wichtigsten Aufgaben erledigt. So überzeugte ein Versicherungsmathematiker jüngst die Richter mit der Tatsache, dass er die wichtigsten Aufgaben zu Hause erledigt, auch wenn er drei Tage in der Woche in der Firma arbeitete.

Mit Spenden sparen: Tun Sie Gutes! Seit 2007 werden die Steuerzuschüsse für Spender, Stifter und Ehrenamtliche aufgestockt. So viel Wohltätigkeit wird allerdings erst jetzt belohnt, da sich die meisten Vereine erst 2008 auf die neue Gesetzgebung einstellen konnten. Vereinsfunktionäre dürfen bis zu 500 Euro im Jahr steuerfrei kassieren, bei Übungsleitern bleiben 2100 Euro steuerfrei. Bei Spenden berücksichtigt das Finanzamt nun sogar Zuwendungen von bis zu 20 Prozent der gesamten Einkünfte.

Als freier Autor oder Journalist sind Sie Ihr eigener Herr über Finanzen. Das bedeutet viel Papierkram, kann aber auch gewisse Vorteile bieten. Die wichtigsten finden Sie hier: 
Ausgaben steuern
Als Betriebsausgaben gelten alle Aufwendungen, die durch den Betrieb Ihrer selbständigen schriftstellerischen Tätigkeit anfallen. Interessant für Sie sind vor allem die sofort abzugsfähigen Betriebsausgaben (u.a. Löhne, Gehälter, Portokosten, Schreibmaterial, Telefon, Internet etc.), da hier gewisse Möglichkeiten zu Gewinnsteuerung bestehen. Das funktioniert, weil derartige Betriebsausgaben in dem Jahr absetzbar sind, in dem sie gezahlt werden. Wenn Sie also wollen, dass eine Ausgabe sich noch für das laufende Kalenderjahr auswirkt, müssen Sie darauf achten, dass der Betrag auch in diesem Jahr von Ihrem Konto abgebucht wird. Unter die sofort abzugsfähigen Betriebsausgaben fallen auch die geringwertigen Wirtschaftsgüter (z.B. Büroausstattung). Die GWG-Grenze wurde mittlerweile aber auf 150 Euro herabgesetzt. Alles darüber gilt nicht mehr als geringwertiges Wirtschaftsgut. Darüber hinaus müssen derartige Güter sofort abgeschrieben werden.
Als Selbständiger müssen Sie ein Jäger und Sammler von Rechnungen werden. Wenn Sie sich daran halten, können Sie Ihre Ausgaben auch steuerlich geltendmachen. Im Folgenden erklären wir, was Sie problemlos von der Steuer absetzen können.
Bewirtungskosten
Sie können nicht jede Restaurantrechnung von der Steuer absetzen. Eine Bewirtung von Geschäftsfreunden liegt vor, wenn Sie aus geschäftlichem Anlass Personen einladen, mit dem Ziel, bestehende Geschäftsbeziehungen zu pflegen oder neue aufzubauen. Die Bewirtung darf nicht in Privaträumen stattfinden. Was müssen Sie beim Finanzamt nachweisen:  Bewahren Sie die Rechnung sorgfältig auf und notieren Sie auf der Rückseite Ihren Namen, die Namen der Bewirteten, den Anlass sowie das Datum und unterschreiben Sie diese Angaben.

Computer
Ein beruflich benutzter Computer kann abgeschrieben werden. Alle Bestandteile müssen zusammengefasst und einheitlich abgeschrieben werden. Das Gerät selbst muss über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Die Afa-Tabelle gibt eine Nutzungsdauer von drei Jahren für Computer und Notebooks vor.

Fachliteratur
Fachliteratur können Sie sofort abschreiben. Schreiben Sie auf die Quittung unbedingt den Titel der Publikation.

Geschenke
Unter bestimmten Bedingungen dürfen Sie Geschenke an Geschäftsfreunde steuerlich geltend machen. Schreiben Sie aus diesem Grund die Art der geschäftlichen Beziehung, den Namen des Empfängers sowie den Anlass für das Geschenk auf die Rechnung. Geschenke sind nur bis zu einer Höhe von 35 Euro abzugsfähig.

Kraftfahrzeug
Wenn Sie Ihr Pkw auch beruflich nutzen, können Sie die Kosten (Anschaffungskosten, Versicherung, Steuern, Kraftstoff, Reparaturen etc.) verhältnismäßig zu privaten Nutzung von der Steuer absetzen. Nutzen Sie Ihr Auto zu 50 Prozent beruflich, so zählt es zum notwendigen Betriebsvermögen. Ist das der Fall, sind sämtliche anfallenden Kosten voll abzugsfähig. Der Privatteil wird dann als Betriebseinnahmen gerechnet.

Reisekosten
Journalisten sind oft unterwegs. Anfallende Kosten in Form von Fahrtkosten, Verpflegung oder Übernachtungskosten werden unterschiedlich vom Fiskus behandelt. Verpflegungsmehraufwendungen werden pauschaliert behandelt. Unter acht Stunden gibt es keine Rückerstattung vom Finanzamt, bei 24-stündigen Aufenthalten 24 Euro. Bei Übernachtungskosten sind keine Pauschbeträge absetzbar. Sie werden gesondert behandelt.

Telefon, Fax, Internet
Neben Block und Kugelschreiber gehören moderne Kommunikationsmittel zu den wichtigsten Arbeitshilfen des Journalisten. Das Verhältnis von privater und beruflicher Nutzung lässt sich beim Telefon über einen Einzelverbindungsnachweis feststellen. Auch die Grundgebühr ist absetzbar. Internetverträge werden ebenfalls oft beruflich genutzt. Hier wird der Anteil der gewerblichen Nutzung oft geschätzt.

Ohne entsprechende Absicherung fallen Sie als freier Autor oder Journalist bei Arbeitslosigkeit direkt auf Hartz IV. Umso wichtiger ist es, Hilfe seitens der Regierung in Anspruch zu nehmen. Damit sind Sie nicht ganz auf sich allein gestellt:

Gründungszuschuss beantragen
Das Wichtigste vorab: Der Antrag auf Gründungszuschuss muss vor Beginn der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit bei der für den Wohnsitz zuständigen Agentur für Arbeit gestellt werden. Die Gesamtförderung beträgt maximal 15 Monate und ist in zwei Phasen gegliedert: Neun Monate gibt es einen Zuschuss in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes, plus 300 Euro. Sechs weitere Monate werden nach Antragstellung 300 Euro gezahlt. Das Geld ist eine staatliche Subvention und braucht nicht zurückgezahlt werden.

VG Wort
Die Verwertungsgesellschaft verwaltet die Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten an Sprachwerken auch von Funk und Fernsehen in Deutschland. Berechtigte sind Autoren, Übersetzer und Verleger von schöngeistigen und dramatischen, journalistischen und wissenschaftlichen Texten, die der Urheber der VG Wort per Meldekarte oder per Onlineverfahren angezeigt hat. Beiträge und Lieferungen können nur bis zum 31. Januar des darauffolgenden Jahres gemeldet werden. Wenn Sie selbständig sind und Umsatzsteuer abführen, müssen Sie der VG Wort Ihre Umsatzsteuer-Identnummer mitteilen. Der Steuersatz für die Ausschüttungen beträgt 7 Prozent. Das heißt, dass nur dieser Satz erstattet werden kann, auch wenn Sie vielleicht 16 oder 19 Prozent abgeführt haben.

Geld sparen mit der Künstlersozialkasse (KSK)
Freiberufler erhalten bei der Künstlersozialkasse (KSK) günstigere Beitragssätze in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Die Leistungen bleiben gleich. Sie müssen lediglich nachweisen können, dass Sie einer selbständigen Tätigkeit nachgehen. Dieser Bereich wird von den Mitarbeitern sehr genau geprüft. Grund dafür ist die zunehmende Scheinselbständigkeit vor allem bei Journalisten, die als Pauschalisten das ganze Jahr über oft die gleiche Arbeit wie ihre fest angestellten Kollegen ausüben. Das Aufnahmeverfahren dauert kann mittlerweile bis zu drei Monate in Anspruch nehmen. Falls Sie aufgenommen werden, werden Ihnen die Beitragssätze vom Zeitpunkt der Antragsstellung zurückerstattet.

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