„Abendblatt“: Protest gegen Umbaupläne

Die tiefgreifenden Modernisierungspläne von Chefredakteur Claus Strunz haben beim "Hamburger Abendblatt" Unruhe ausgelöst. Am Mittwochnachmittag hielt der Betriebsrat eine Versammlung mit den Betroffenen der Umstrukturierungen ab. Nach dessen Angaben verlieren 32 Mitarbeiter ihre Jobs beim "Abendblatt". Auch die Redaktion nahm zu den Plänen Stellung und kritisierte vor allem den Kommunikationsstil. Der Verlag will trotz der drastischen Neugestaltung auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.

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In einem internen Schreiben an die Belegschaft äußerte der Betriebsrat „pures Entsetzen“ über die Ankündigung des Stellenabbaus. Kritisiert wurde dabei auch, dass der Chefredakteur sich „verharmlosend der Fußballersprache bedient“ habe, indem dieser laut Betriebsrat erklärt habe, er „als Trainer sei verantwortlich für die Aufstellung seines Kaders, was wiederum heiße, dass nur diejenigen künftig beim multimedialen Zukunftsprojekt 3.0 mitspielen dürften, die er für geeignet halte.“ Den Betroffenen sicherte das Gremium Unterstützung zu.
Nach MEEDIA-Informationen hatte Claus Strunz allerdings bereits am Montag nach der Bekanntgabe der Personalmaßnahmen der Redaktion eine Stunde lang Rede und Antwort gestanden. Möglicherweise deshalb fällt die Reaktion der Redaktion auch deutlich verhaltener aus. Einerseits heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme zwar, dass die Form der Freistellung der Mitarbeiter „respektlos“ sei und bei vielen ein „Gefühl der Ohnmacht“ erzeugt habe. Andererseits wird Verständnis dafür signalisiert, dass „die Krise der Zeitung es erfordert, alle denkbaren Sparpotenziale auszuschöpfen“. Von der Chefredaktion erwarte man nun „eine Geste des Vertrauens“. Allerdings ist unklar, wie viele Redakteure des rund 200 Mitarbeiter starken Teams die Stellungnahme unterzeichnet haben.
Weder Chefredakteur noch Verlag wollten sich auf Anfrage zu den internen Vorgängen äußern. Offenbar ist man aber bemüht, den Personalabbau im Einvernehmen mit den Betroffenen abzuwickeln. Denkbar sind dabei sowohl die Weiterbeschäftigung bei anderen Springer-Objekten, Altersteilzeitregelungen oder auch die Zahlung beträchtlicher Abfindungen. Auf betriebsbedingte Kündigungen will der Verlag gänzlich verzichten. Neben dem Stellenabbau ist auch die Neuverpflichtung von 12 Redakteuren geplant.

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