Endzeitstimmung beim Media Coffee

Die Print-Branche scheint sich in ihr Schicksal zu ergeben: Den langsamer Niedergang, mit vielen Verlieren und nur wenigen Gewinnern. Anders lässt das Zitat von Verleger Dirk Ippen, auf der gestrigen Media Coffe-Veranstaltung, kaum erklären: "Print hat keine Krise, denn Krise heißt, dass es wieder besser wird - und daran glaube ich nicht". SZ-Chef Kilz setzte noch eine schlechte Nachricht drauf: "Unsere Vertriebserlöse sind in diesem Jahr wahrscheinlich erstmals höher als die Anzeigenerlöse."

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Im Münchnen trafen sich auf Einladung der dpa-Tochter Newsaktuell der Verleger Dirk Ippen, Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau, Lead-Award-Macher Markus Peichl und Hans Werner Kilz, Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“. Überschrift der Talkrunde war „Wer profitiert von der Medienkrise?“

MEEDIA war nicht vor Ort. Alle Zitate dieses Textes stammen aus dem Twitter-Stream von Zuhörern oder Newsaktuell selbst.
Die Runde, unter der Leitung von Moderator Andreas Knaut, beschäftigte sich zuerst mit der wirtschaftlichen Lage der Verlage. Der „SZ“-Chefredakteur Sprach erst über die wirtschaftliche Situation der „Süddeutschen Zeitung“ und prophezeite, dass Tageszeitungen wohl nicht mehr lange so günstig bleiben. „Qualitätsjournalismus kostet, deshalb wird Zeitung teurer werden. Online finanziert Print nicht“, zitiert Leopom. Zeit Online-Chefredakteur Wolfgang Blau merkte dazu – laut internet_world – nur an: „Wenn man jetzt über die Krise von Zeitungen liest, möchte man meinen, die machen alle investigativen Journalismus“. Blau weiter: „Das Konzept der Tageszeitung stammt aus dem Industriezeitalter. Der Journalismus kann im Netz noch besser werden.“
Verleger Dirk Ippen will die Krise aber auch nutzen. So plant er die Marktposition seines Verlagshauses auszubauen. Newsaktuell twitterte: Ippen will trotz Krise weiter expandieren: „Wir würden auch heute noch Zeitungen kaufen.“
Eine interessante Allianz gingen Peichl, Kilz und Ippen beim Thema Trennung von Print- und Online-Redaktion ein. Alle drei sind der Meinung, dass die Redakteure der unterschiedlichen Medien unabhängig von einander arbeiten sollten.
Kilz glaubt, dass sich das Leseverhalten von On- und Offline-Texten noch immer grundlegend unterscheiden würde. So zwitscherte Newsaktuell die Passage: „Kilz sagt, lange Artikel funktionieren nur im Print. Blau: ‚Woher wissen Sie, dass die im Print auch tatsächlich gelesen werden?'“.
Der Zeit Online-Chef spricht im Zusammenhang von Print-Journalisten, die nicht bereit sind, sich auf die veränderten Bedingungen einzulassen, von einer „verlorenen Generation.“ Ippen merkt – laut internet_world – an: „In den Anfängen haben wir die schlechtesten Leute in die Onlineredaktion geschickt, heute gehen die besten dorthin.“
Einen wunderbaren Abschluss-Lacher lieferte SZ-Chef Kilz. Internet_world notierte: „Nochmal Kilz von der SZ: ‚Die Leser der SZ sind so alt wie die Redaktion – ich verstehe nicht, was es hier zu lachen gibt'“

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