Mr. Facebook: Anzug statt Adiletten

Die Signale waren schon zum fünften Geburtstag zu erkennen, den Mark Zuckerberg erstmals im Anzug feierte - das boomende Social Network soll erwachsen werden. Wie erwachsen, zeigte sich in den letzten Tagen, als Facebook seine kryptischen ID-URLs auf echte Benutzernahmen umstellte und nun zudem über die Einführung eines Bezahldienstes nachdenkt, wie Gründer Mark Zuckerberg in einem Interview verriet. Die Zukunft von Facebook liege nicht in der statischen Website, glaubt der 25-Jährige.

Anzeige

Tagelang gab es kein anderes Thema in den großen Technologie-Foren, Twitter und natürlich Facebook selbst – die große Umstellung der kryptischen ID-URLs auf einen klar identifizierbaren Benutzernamen. „Wer seine Facebook-Nutzung nicht (nur) als sein persönliches Vergnügen begreift, sondern darüber hinaus damit gut im Web gefunden werden und sein Online-Profil gezielt für sein Online-Reputation-Management nutzen will, sollte diesen Samstag etwas früher aufstehen“, empfahl etwa der Münchener Kommunikationsberater Klaus Eck am Freitag.

Früh bedeutete: Um sechs Uhr deutscher Zeit am Samstagmorgen, denn was eine Minute später folgte, dürfte wohl als der größte URL-Ansturm der Internetgeschichte eingehen. Entsprechend kursierten angesichts von mehr als 200 Millionen Facebook-Nutzern bereits die wildesten Y2K-Untergangsszenarien – würde Facebook dem „Landrush“ wirklich standhalten können und nicht in die Knie gehen?

Vanity-URL-Landrush: Zusammenbruch bleibt aus

Um 0:01 amerikanischer Zeit war klar, dass das meist diskutierste soziale Netzwerk unserer Tage technisch auch offenbar eines bestausgestattesten ist – keine Serverausfälle oder Abstürze waren in den ersten Minuten der Freigabe der sogenannten Vanity-URLs zu beobachten – sondern hundertausende Registrierungen in den ersten Minuten. 345.000 waren in den ersten sieben Minuten vergeben, eine halbe Million in der ersten Viertelstunde.  Drei Millionen waren es nach dem ersten Tag.

Der URL-Switch ist mehr als ein Programmier-Trick. Statt einer URL wie facebook.com/profile.php?id=6457567856785&ref=profile sind die Facebook-Identitäten nun per Vor- und/oder Namennamen oder einer anderen individuellen Konstruktion auffindbar, wie er etwa bei Online-Business-Netwerken wie Xing oder LinkedIn längst die Regel ist. Der Schwenk bedeutet damit nichts anderes als einen weiteren Schritt zur neuen Seriösität, die Zuckerberg auch äußerlich immer öfter durch Anzug und Schlips verkörpert.

Nächster Coup in Planung: Zuckberg liebäugelt mit Facebook-Bezahlsystem

Und damit nicht genug: Wie ernst es Zuckerberg mit der neuen Business-Attitüde meint, beweist ein Interview, das der inzwischen 25-Jährige mit dem renommierten US-Blogger Robert Scoble am Wochenende führte: Die Zukunft, so der umtriebige Facebook-Gründer, werde demnach nicht unbedingt auf der Webseite Facebook zu finden sein – sondern vielmehr durch die zahlreichen Applikationen, die die Vernetzung ermöglichen.

„Facebook ist Ökosystem, das aus 1000 von Applikationen besteht. Der Wert dieser Applikationen könnte auch außerhalb der Website existieren“, glaubt Zuckerberg. „Wir sind große Anhänger der Auffassung, dass der Wert dieser Applikationen über die Zeit  dezentralisiert – also von Facebook auf andere Applikationen oder Websites innerhalb es der Ökosystem übertragen wird.“

Eine davon könnte nicht mal direkt mit dem Freunde-Netzwerk zu tun haben, sondern es vielmehr die Möglichkeit nutzen, die die Plattform Facebook bietet. Der Facebook-CEO denkt hier an ein Online-Bezahlssystem nach dem Vorbild von eBays PayPal, das intern bereits den Arbeitstitel „Pay with Facebok“ tragen soll. „Ich glaube, dass das Potenzial dafür wirklich groß ist“, so Zuckerberg.  Erste „Pay with Facebook“-Buttons wurden bereits gesichtet.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige