AOK plant Ärzte-Vergleichsportal

Die gesetzliche AOK-Krankenversicherung plant den Start eines eigenen Bewertungsportals für Ärzte im Internet. Die Kasse will dafür mit der Bertelsmann-Stiftung zusammenarbeiten, die einmal pro Jahr die Studie "Gesundheitsmonitor" herausgibt. Bereits die Ankündigung ruft Kritik hervor. "Es ist unseriös, anonyme Fragebögen als Grundlage für Rankings zu nutzen, wie das einige Arztbewertungsportale im Internet bereits jetzt praktizieren", so Ärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe.

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Das AOK-Portal wäre dabei freilich nicht das erste Ärzte-Bewertungsportal in Deutschland. Bereits gestartet sind DocInsider und das Burda-Angebot Jameda, das sich u.a. auf die berühmten „Focus“-Ärztelisten stützt. Die Ärztekammer fürchtet nun offenbar, dass ein Bewertungsportal der größten gesetzlichen Krankenkasse einen quasi offiziellen Charakter bekommen könnte. Die Bundesärztekammer empfiehlt stattdessen das so genannte KTQ-Zertifizierungsverfahren, bei dem einzelne Prüfer Arztpraxen und Krankenhäuser besuchen und anhand eines Fragebogens ein Profil erstellen, dass man sich online herunterladen kann.

Die KTQ-Profile beziehen sich allerdings in erster Linie auf organisatorische Fragen, Weiterbildungen und technische Ausstattungen von Arztpraxen. Wirkliche Kritik an Behandlungen oder dem Verhalten von Ärzten gegenüber Patienten wird hier nicht geübt. Das ist auch kaum verwunderlich, denn die Ärztekammer selbst ist, neben Krankenkassen, der deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Ärzteverband Hartmannbund, Gesellschafter der Prüfungseinrichtung KTQ.

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel, hat die Pläne der AOK begrüßt. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass eine eventuelle üble Nachrede von unzufriedenen Patienten ausgeschlossen wird. Das geplante AOK-Angebot soll auf den Namen „Ärzte-Navigator“ hören. Mit Bekanntgabe der Pläne hat die AOK bereits einen Krankenhaus-Navigator online gestellt. Hier können Patienten nach Kliniken im Umkreis ihres Wohnortes suchen, es ist aber noch nicht möglich, die Krankenhäuser zu bewerten.

In den USA, wo es bereits zahlreiche Ärzte-Bewertungssites gibt, können sich Ärzte über die Website „Medical Justice“ mittlerweile vorgefertige Verschwiegenheitserklärungen herunterladen, die Patienten vor einer Behandlung zur Unterschrift vorgelegt werden. Die AOK wird sicherlich versuchen, eine direkte Konfrontation zwischen Ärzten und Patienten zu vermeiden. Es wird spannend sein, zu sehen, ob und wie dies gelingt.

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