Monty kann’s nicht lassen

Zeitungs-Investor David "Monty" Montgomery arbeitet weiter hart an seinem schlechten Ruf. Der ehemalige Besitzer der "Berliner Zeitung" forderte nun vor holländischen Verlegern, dass die Schranken zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung niedergerissen werden müssen. Die WAZ testet derweil mit "Talk to go", wieweit man den Begriff Trash dehnen kann, der Spiegel-Verlag ärgert die "Geo"-Leute mit einem Kinderheft und das neue iPhone beschäftigt die deutsche Medienmacher.

Anzeige

Der angelsächsische Investor David Montgomery erinnert immer an eine Real-Life-Variante seines Namensvetters Montgomery Burns, den üble Atomkraftwerksbesitzer aus der Trickreihe „Die Simpsons“. Auch nachdem die Redaktionen von „Berliner Zeitung“ und „Hamburger Morgenpost“ ihren ungeliebten Besitzer David Montgomery los sind, arbeitet der nach wie vor hart an seinem schlechten Ruf. Vor Verlegern in Holland forderte Monty, dass Journalisten sich so stark wie nie zuvor mit den Verkaufsabteilungen der Medienhäuser verbünden müssten. Zeitungen könnten nur überleben, so die Monty-Logik, wenn sie deutlich produktiver würden und die Kosten massiv senken. Man könnte übersetzen: Redaktionen sollen sich Anzeigenkunden bedingungslos ausliefern. Wenn man sich dann noch die teuren Schreiber spart, die eh bloß Ärger machen, hat man ein feines Geschäftsmodell nach Monty-Art. Die Leute bei „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“ können wirklich froh sein, dass sie Monty los sind.

Trotz Krise wird hierzulande munter mit neuen Print-Projekten experimentiert. Nicht immer sind die Ergebnisse freilich so, dass die Ästheten-Fraktion Hurra schreit. Die neue Zeitschrift „Talk to go“ aus dem Hause WAZ bedient nach dem Motto Trash as Trash can konsequent niedrigste Ansprüche an Inhalt, Aufmachung und Preis. Man kann nachfühlen, dass die ehemalige „Frau im Spiegel“-Vize-Chefin Sabine Ingwersen sich offenbar nicht dauerhaft an das Projekt binden will. Sollte das Heft Erfolg haben, müssten deutsche Verleger schwer ins Grübeln kommen, wo sie doch sonst so gerne Qualität und Haptik von Print predigen. Man wird sehen.

Ein ganz anderes Projekt will der „Spiegel“ im Oktober testen: Eine Art Kinder-„Spiegel“, womöglich so eine Art gedruckte Version der beliebten Kinder-Wissenssendungen im Fernsehen. Damit folgt die „Spiegel“-Gruppe weiter den erfolgreichen aber ausgetretenen Pfaden der hausinternen Rivalen von Gruners „Geo“-Gruppe. Die haben mit „Geolino“ schon lange ein gut gemachtes Kinderheft im Programm. Nach „Spiegel Geschichte“ und „Spiegel Wissen“ schon wieder ein Ableger aus der Brandstwiete, der in „Geo“-Gewässern fischt. Da könnte es bald Gesprächsbedarf geben.

Schon erstaunlich, welche Karriere die Dschungel-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ gemacht hat. Bei der ersten Staffel schrien die Kulturwächter des Abendlandes kollektiv auf ob der Geschmacklosigkeit, Daniel Küblböck mit Kakerlaken zu begießen. Jetzt, da RTL verkündet die Show wegen teurer Fußballrechte ein Jahr pausieren zu lassen, schreien wieder alle auf. Diesmal aber, weil sie nicht auf ihre lustige Dschungel-Show verzichten wollen. Dabei tut die Pause dem Format vielleicht ganz gut. So hat RTL mehr Zeit, wieder eine geeignete Besatzung zu rekrutieren. Neben „Ich bin ein Star…“ gibt es nur noch sehr wenige Formate im Fernsehen, die den alten Lagerfeuer-Effekt erzielen können. Eigentlich nur noch „DSDS“, „Germany‘s next Top-Model“ und „Wetten dass..?“.

Alle wollen es: das neue iPhone. Es sieht auch nicht anders aus als bisher, es ist ein bisschen schneller und hat eine bisschen bessere Kamera und noch ein paar weitere Kleinigkeiten mehr. Trotzdem ist der Effekt der dritten Auflage von Apples „Wundernudel“ (Copyright: Peter Turi) erstaunlich. Gefühlt jeder zweite Medien-Mensch, mit dem man redet sagt „Ich hol mir jetzt ein neues“, bzw. „Ich hol mir jetzt auch eins“. Prognose: Die Verkaufszahlen des iPhone werden gigantisch steigen und die Damen bei der Presse-Hotline von T-Mobile bekommen eine Menge zu tun.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige