Ebay-Chef: „Erlös-Rückgang ist gewollt“

Mit dem Wechsel von Stefan Groß-Selbeck zu Xing hat Ebay einen neuen Chef. Seit Jahresbeginn leitet Frerk-Malte Feller die Geschäfte bei der deutschen Dependance des weltgrößten Online-Auktionshauses. Die Aufgabe könnte für den erst 33-jährigen Berliner größer kaum sein, tritt Feller doch die Nachfolge mitten in der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit an, die den Konsum schwer belastet. In MEEDIA-Interview erklärt Feller, wie der Online-Auktionator mit einem neuen Konzept gegenansteuert.

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MEEDIA: Herr Feller, was sind die großen Internet-Trends dieser Tage?

Frerk-Malte Feller: Social Networks, mobiles Internet und Cloud-Computing. Und eine stärkere Öffnung des Internets für Widgets und Applikationen, wie das iPhone oder Facebook vormachen. Neue Anwendungen schaffen neue Nutzerwerte.

Welche Rolle spielen die Entwicklungen bei Ebay?

Ebay hat schon immer davon gelebt, dass wir die Plattform für den Marktplatz bieten.
Einzelne Bereiche werden wir mittels APIs öffnen. Revolutionärer sind wir in anderen Bereichen: Die haben die Entwicklung im E-Commerce maßgeblich geprägt und beobachten die neuesten Shopping-Trends mit Gelassenheit.

Welche Shopping-Trends sind das?

Es gibt zahlreiche neue Bewegungen. Etwa das Phänomen der One-Day-Sales oder von Shopping-Clubs wie Brands4Friends oder etwa Social Shopping. All das sind Modewörter und Versuche, Trends zu kreieren, die Sie auf Ebay längst finden.  

Inwiefern?

Dem Käufer geht es um mehr als lustige Modelle oder Wortspielchen. Die Frage ist doch, was beim Online-Kauf wirklich zählt…

Nämlich?

Dreierlei: Die Produktauswahl, die Preise und die Kaufabwicklung. Diese Prioritäten stehen bei uns ganz im Vordergrund.

Nach dem Rückzug von Mitbegründerin Meg Whitman steht Ebay vor einem Erneuerungsprozess. Wie weit sind Sie seit dem Amtsantritt von John Donahoe vor einem Jahr vorangekommen?

Ich kann nur für Ebay Deutschland sprechen, aber wir haben bereits ein gutes Stück des Weges zurückgelegt. Wir haben in den letzten 10 Jahren allein über Ebay.de über eine Milliarde Artikel im Wert von 42 Milliarden Euro umgesetzt.  Generell sind wir dabei, uns auf unsere Kernkompetenzen zu konzentrieren. Der Fokus liegt auf höchster  Kundenzufriedenheit. Der Käufer soll bei uns einfach einen guten Einkauf machen.  

Trotzdem ist auch Ebay gegenüber den Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht immun. Im vergangenen Quartal brachen die Umsätze um acht und die Gewinne um 22 Prozent ein. Wie steuert Ebay gegen?

Zeitgleich mit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise haben wir ein neues Geschäftsmodell eingeführt und die Gebühren gesenkt. Damit sind wir den Bedürfnissen der Händler entgegen gekommen. Dass darunter kurzfristig der Umsatz leidet, haben wir bewusst in Kauf genommen. Der Erlös-Rückgang ist gewollt.

Dennoch beweist E-Commerce-Konkurrent Amazon, dass mit Online-Shopping in Krisenzeiten weiter  zweistelliges Wachstum zu erzielen ist. Was macht Amazon richtig, was Ebay ausgelassen hat?

Die Geschäftsmodelle sind nicht vergleichbar. Amazon macht einen guten Job, keine Frage – Amazon Prime zum Beispiel wurde gut angenommen. Aber man sollte das nicht überbewerten – es sind Zyklen.

Wir glauben, dass wir mit unserem Konzept gut für die Zukunft aufgestellt sind. Nach den Änderungen des Geschäftsmodells haben wir das Angebot auf Ebay.de von ständig 8 Millionen Artikel auf über 30 Millionen Artikel ausgeweitet. Wir haben zudem das Outlet-Konzept eingeführt: Markenhersteller können sich eigene Markenshops einrichten.

Einhergehend mit der Konzentration aufs Kerngeschäft ist auch die Abspaltung von Skype. Warum verkaufen Sie eigentlich Ihr Filetstück, das immer besser angenommen wird und immer nachhaltigere Gewinne einfährt?

Keine Frage: Wir mögen Skype. Der Dienst hat sich tatsächlich sehr gut entwickelt, beim Umsatz ähnlich positiv wie PayPal.  Dennoch dient die Konzentration unserem Kerngeschäft – die Synergieeffekte hierzu sind bei Skype begrenzt.
 

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