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Job & Social Networks: Die größten Fallen

Das Beispiel des abgemahnten AP-Reporters beweist es: Wer sich in den boomenden Social Networks nur allzu sorglos mitteilt, riskiert schwerwiegende Folgen beim Arbeit- oder Auftraggeber. Auch wenn die Verlockung noch so groß erscheint – Firmen-Interna, allzu unbeherrschte oder emotionale Status Updates oder eine zu freizügige Foto-Auswahl auf Facebook, Twitter & Co bergen erhebliches Gefahrenpotenzial für Job und Karriere. MEEDIA hat zehn Richtlinien für Social Networks zusammengestellt.

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1. Netzwerk-konform verhalten: Xing ist nicht Facebook

Es ist nicht so einfach mit den boomenden Social Networks: Noch vor fünf Jahren kaum existent, netzwerkt inzwischen so ziemlich jeder Berufstätige oder Student auf die ein oder andere Weise. Doch so unterschiedlich wie die Lebensphasen sind auch die Social Networks – und vor allem ihre Etiquette. Während in StudiVZ nur allzu redundante Gästebuch-Einträge mit Bleiwüsten von Emoticons zum Standard des digitalen Studenten-Lebens zählen, werden sie einen Berufstätigen in Xing als unprofessionell diskreditieren.

Wirklich heikel wird die Trennung unterdessen beim größten aller sozialen Netzwerke – beim Platzhirsch Facebook, der es inzwischen auf über 200 Millionen Mitglieder  bringt. Nach einer Gewöhnungsphase hat auch die Generation 30+ immer öfter Facebook für sich entdeckt und wird immer mitteilsamer. Längst ist Facebook auch bei Arbeitnehmern zum „Casual Friday“ der sozialen Netzwerke geworden: Es ist offener, interessanter – es menschelt. Doch wie auch beim Small-Talk mit Kollegen nach Feierabend gilt: Das nächste Meeting kommt bestimmt.  Überlegen Sie daher gut, was Sie Ihre Kollegen von Ihrem Privatleben wissen lassen wollen.  

2. Der Chef liest mit: Alles ist öffentlich – immer.

Es war der Ausdruck der puren Verärgerung: „It seems like the ones who orchestrated the whole mess should be losing their jobs or getting pushed into smaller quarters. But they aren’t“, schrieb der Reporter Richard Richtmyer von der Nachrichtenagentur AP über die Verantwortlichen des in finanziellen Schwierigkeiten steckenden US-Zeitungsverlags McClatchy. Dumm nur: Ähnlich wie bei der deutschen dpa gehört die AP mehrheitlich zahlreichen US-Zeitungsverlagen – u.a. auch McClatchy.

Noch dümmer: Laut einem Bericht von „Wired“ hat Richtmyer unter seinen Facebook-Kontakten diverse AP-Kollegen, auch Vorgesetzte. Richtmyer wurde daraufhin zum Rapport zitiert und bekam eine offizielle Abmahnung in seine Personalakte. Ein AP-Sprecher sagte zu dem Fall, dass AP-Angestellte bei öffentlichen Meinungsäußerungen darauf achten müssten, den Ruf der Agentur nicht zu beschädigen. Vorsicht ist also die Mutter des Social Networkings: Rechnen Sie damit, dass Ihr Chef jeden veröffentlichten Beitrag auch lesen kann. Alles ist öffentlich – immer.

3. Keine Firmeninterna mitteilen: Vom verhängnisvollen Mitteilungsdrang

Neben Diebstahl von Firmen-Eigentum gibt es wohl kaum einen sichereren Weg zur Fristlosen Kündigung, als Firmeninterna via Twitter, Facebook und Xing rauszuposaunen. Vor allem beim Mikroblogging-Dienst Twitter ist höchste Vorsicht geboten. Wer kennt es das nicht: 140 Zeichen sind schnell herausgefeuert wie ein SMS, können jedoch, wenn einmal versendet, nicht mehr zurückgenommen werden – zumindest nicht für die Follower, die den Tweet in Echtzeit lesen.

Und wie schnell sind vermeintlich völlig ungefährliche Statusmeldungen wie „Meeting zum Thema XY“ , „Befinde mich gerade an Ort ZZ“, „schöne Gespräch mit AB“ in der „Schwatzbude Twitter“ (SPIEGEL) geschrieben, ist Mitteilsamkeit am Ende doch vielleicht der menschlichste Ausdruck der eigenen Eitelkeit. Doch eben auch schnell ein verhängnisvoller, wenn relevante Infoschnippsel, die richtig zusammengesetzt, viele interne Einblicke in das Unternehmen und dessen Pläne und Arbeitsabläufe bieten.  

4. Krankheit und Social Networks: Zu erkältet, um zu arbeiten, aber gesund zum Twittern?

Menschlich, nur allzu Menschliches: Der Hals ist dick, die Nase zu – und der Weg zum Arbeitsplatz zu weit. Doch weil nach der erfolgreichen Krankschreibung die Langeweile irgendwann groß wird, erscheinen Twitter & Co als gelungener Ablenkungskanal. Doch was hält die Personalabteilung eigentlich von Tweets wie diesen: „Morgen bleib ich zu Hause. Wer massiert mir die Füße, bitteeee?“ Oder überhaupt von allzu großer Mitteilsamkeit?

In der Schweiz wurde einer 31-Jährigen gekündigt, die wegen starker Migräne krank geschrieben war. Gleichzeitig trieb sie sich auf Facebook herum und postete Beiträge.  Eine Woche später kam es zu einer kurzen, knappen – und letzten Begegnung mit ihrem Chef, der ihr mitteilte, sie habe fünf Minuten, um ihre Sachen zu packen. Kündigungsgrund: „Wer auf Facebook sein kann, kann auch arbeiten.“

5. Die Foto-Falle: Sollen mich wirklich alle Kollegen im Bikini sehen?

Es ist der eigentliche Reiz von Social Networks wie Facebook und studiVZ – der Königweg des Spiels mit der Selbstdarstellung: der Foto-Upload. Welche Ausmaße die Ego-Inszenierung inzwischen ausmacht, wird beim Blick auf Facebooks immer größeren Server-Bedarf klar: Unfassbare zehn Milliarden Bilder haben die Mitglieder inzwischen in Alben des Social Networks geladen – mehr Bilder also als Menschen auf diesem Planeten gibt.  

Doch nicht immer sind hier nur Landschaftsfotografien zu beobachten, sondern nur allzu oft die neusten Urlaubs-, Party- oder sonstigen Poserphotos. Der Schein der Privatsphäre trügt schnell: Nur weil der Kollege am Arbeitsplatz nicht mit mir befreundet ist, heißt es nicht, dass er nicht meine Bilder sieht. Ein Freund über ein Freund ist vielleicht auch sein Facebookfreund – und schickt ihm den Screenshot der entblößten Strandbilder, die dann im Büro die Runde machen können. Auch nicht zu vernachlässigen: Achten Sie darauf, ob Sie namentlich mit einem Foto verknüpft werden wollen (Tagging) – oder löschen den Tag!

6. Achtung Adden:  Vorsicht vor falschen Freunden

Und plötzlich waren neue Freunde da: Wer sich einige Zeit auf Facebook & Co herumtreibt, macht fast unweigerlich alte und neue Bekanntschaften, schließlich ist genau das der Sinn der Social Networks – sich zu vernetzen. Doch wie im Alltag kann und möchte man vielleicht nicht immer sein ganzes (Privat-)Leben mit Kollegen, der buckligen Verwandtschaft oder gar der vagen Party-Bekanntschaft der letzten Samstagnacht teilen, von der dann die Kollegen am nächsten Monatag durch einen eindeutig zweideutige Pinnwandeintrag erfahren.

Wem auf Facebook die Einrichtung verschiedner Privatsphären-Rechte zu umständlich ist, sollte es in der verfänglichen Online-Welt halten, wie im wirklichen Leben: Man kann nicht mit jedem befreundet sein. Ignorieren Sie Freundschaftseinladungen, auf die Sie auch im Alltag nicht eingehen würden. Ausgerechnet der Facebook-Gründer geht hier mit gutem Beispiel voran: Mark Zuckerberg hat die Funktion „Add as a friend“ deaktiviert. Ein lehrreiches Beispiel!

7. Das virtuelle Office: Vom digitalen Umgang mit Kollegen
 
Es ist wie im echten Leben: Manche Dinge sind leichter geschrieben als gesagt. Das gilt wohl auch für den klassischen Bürotratsch, das vermutlich pikanteste und beliebteste Kommunikationsform unter Kollegen. Dumm nur, wenn der Gesprächsstoff plötzlich mitliest – oder den Inhalt mittels Screenshot von dritter Seite zugesandt bekommt.  Es gilt die goldene Regel: Schreiben oder zwitschern Sie nie etwas über einen Mitarbeiter, was ihm nicht auch verbal ins Gesicht sagen würden.

8. Mythos, ade: Es gibt keine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben

So wichtig eine funktionierende Work-Life-Balance in der Offline-Welt auch immer ist – online existiert sie nicht. Es gibt keine Trennung zwischen Job und Freizeit. Heißt: Alle Infos, die Sie im Web über ihr Privatleben preisgeben, beeinflussen auch das Image Ihrer professionellen Internet-Darstellung. Plattes Beispiel: Ein Metzgerei-Verkäufe, hat einfach ein Image-Problem, wenn rauskommt, dass er aktives Mitglied einer Vegetarier-Community ist. Das ist nicht fair, aber so sind die Online-Realitäten.

9. Foren: Achtung, Inkompetenz!

Pädagogisch wertvoll heißt es immer: „Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen“ oder: „Nachfragen ist nicht peinlich“. Wenn man sich im Web allerdings dabei erwischt lässt, wie man in Experten-Foren oder bei Mitmach-Communitys Fragen stellt, die zu den ureigenen professionellen Kernkompetenzen gehören sollten, leidet schnell der Ruf.

10. Die Authentizitätsfalle – und ihre Chance als Imagekampagne

Alle Experten (und auch wir) warnen: Passen Sie auf, welche Infos Sie über sich preisgeben. Das Internet vergisst nicht – nie.  Peinliche Bilder und anders Infos können noch Jahre später gegen Sie verwendet werden. Der Spieß lässt sich aber auch umdrehen. Denn mit Hilfe von Social Network-Profilen bestimmen Sie das Bild, das andere von Ihnen haben.

Auch bei der Web-Selbstdarstellung gilt der alte Satz: Kleider machen Leute. Im Netz weiß ihr Gegenüber nicht, dass Sie kein Golf spielen, nur einen alten Rechner haben und in einer abgegrenzten Einzimmer-Bude hausen. Diese Äußerlichkeiten sind im Berufsleben wichtig, auch wenn sie Ihre tatsächliche Kompetenz nicht im Geringsten beschreiben.

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